Asylsuchende sind entwurzelte, oft traumatisierte Menschen, die sich plötzlich in einer völlig fremden Kultur wiederfinden. Um in Basel anzukommen, braucht es mehr als Kost und Logis. Das haben auch die Offene Kirche Elisabethen und die Christoph Merian Stiftung erkannt, die vor rund 18 Monaten begannen, das soziokulturelle und diakonisch-spirituelle Projekt «DA-SEIN» vorzubereiten.

Anette Stade vom Projektbüro Kaito legte ein Konzept vor, das vorsieht, dass ab dem ersten Quartal des nächsten Jahres Asylsuchende sich wöchentlich im Untergeschoss des Pfarrhauses der Elisabethenkirche treffen. Dort können sie nach dem Einbau einer Küche gemeinsam kochen, essen, spielen, musizieren, Brot backen und vor allem nicht religiöse konnotierte Jahreszeitenfeste vorbereiten. Die Stelle für die Leitung des Projekts ist ausgeschrieben.

«Luxus» - und mehr als das

Die Idee, Asylsuchenden die Möglichkeit zu geben, gemeinsam Feste vorzubereiten, entstammt der Erkenntnis, dass es zur Grundversorgung auch den Luxus von Kultur- und Naturerlebnissen braucht. Wöchentliche Workshops und Chorsingen sollen solche Erfahrungen ermöglichen, darüber hinaus aber auch Begegnungen der verschiedenen Kulturen und der ansässigen Bevölkerung. Es soll nicht um «vergnügliche Partys» gehen, sondern um «die Feier des Lebens», wie es im Projektbeschrieb heisst. Die Zielgruppe sind Asylsuchende mit dem Aufenthaltsstatus N oder F, Flüchtlinge mit B, abgewiesene Asylsuchende und solche ohne geregelten Aufenthalt.

Um die Zielgruppe zu erreichen, sind der Ausbau von bestehenden Kontaktnetzen, der Einsatz von bereits integrierten Schlüsselpersonen mit Migrationshintergrund und kulturelle Genderaspekte von Bedeutung. Getragen wird das Projekt vom Verein Oke. Verantwortlich zeichnen die beiden theologischen Leitenden, Monika Hungerbühler und Frank Lorenz. Walter Brack von der CMS betont, dass «DA-SEIN» eine Lücke in der Asylantenarbeit darstellt, die nun geschlossen wird. «Christoph Merian hätte Freude gehabt an diesem Projekt», so Brack. Das dreijährige Pilotprojekt kostet insgesamt 610'000 Franken. Davon kommen 430'000 Franken von der CMS, der Rest von den Landeskirchen.

Kulturell, spirituell, sozial

Der Ansatz des Projekts ergibt Sinn. In allen Kulturen und Religionen werden Feste gefeiert. Das Vorbereiten von Speisen und der festlichen Umrahmung eines Anlasses verbindet unterschiedliche Menschen. Festen wohnt eine schöpferische Kraft inne. Sie fördern die Inklusion und die Egalität der Feiernden. In einem Fest sind die Rangordnungen der Gesellschaft aufgehoben. So ist es auch theologisch gesehen sinnvoll, mit Asylsuchenden, die in Basel ankommen sollen, Feste zu feiern. Das lässt sich aus der christlichen Tradition heraus erklären.

So sieht etwa der Theologe John D. Crossan das spezifisch Jesuanische in der «Kommensalität», also in der Tatsache, dass Jesus sich mit den unterschiedlichsten Menschen an einen Tisch setzte, um mit ihnen – ohne moralische Wertung ihrer Person – ein festliches Mahl zu begehen. Natürlich sollen und dürfen die Jahreszeitenfeste nicht einen explizit religiösen Charakter haben, weil sie sonst ausgrenzend wären. Doch der implizit spirituelle Sinn des Feierns ist zentral. Das Fest hebt aus dem Alltag heraus und gibt das Gefühl, dass es jenseits der harten Realitäten noch etwas anderes gibt.

Frank Lorenz weist noch auf einen anderen Aspekt hin. Durch die jüdisch-christliche Tradition ziehe sich der Gedanke «Auch du warst ein Fremdling» wie ein roter Faden hindurch. Das erste Jahreszeitenfest soll im Frühjahr 2015 stattfinden.