Notfallmassnahme

Neues Schienen-Debakel bei den BVB sorgt für öV-Chaos

Die Gleise am Bankverein sind in miserablem Zustand – unklar ist, welche Rolle dabei die nahe Baustelle spielt.

Weil die alten Gleise zum Sicherheitsrisiko wurden, muss beim Bankverein notfallmässig die Traminfrastruktur ausgebessert werden. Deshalb verkehren seit Mittwochabend, 20 Uhr keine Trams mehr via Bankverein.

Rien ne vas plus. Seit Mittwochabend um 20 Uhr ist die Bankverein-Kreuzung für den Tramverkehr gesperrt. Die insgesamt sieben Linien der BVB und der BLT, die via den neuralgischen Punkt verkehren, müssen umständlich umgeleitet werden (Infos siehe Box unten). Die Notfallmassnahme, die erst vorgestern Dienstag beschlossen wurde, dauert sicher mehrere Tage. Im besten Fall sind die Bauarbeiten am Samstagmorgen abgeschlossen, ab dann würden die Trams wieder wie gewohnt über den Bankverein fahren.

Rund zwanzig Bauarbeiter werden bis dahin im Schichtbetrieb rund um die Uhr versuchen, die Schienen auf einer Länge von 90 Metern wieder soweit herzurichten, dass sie bis zur geplanten Grosssanierung während der Herbstferien genutzt werden können. «Es geht nur noch darum, das Ganze am Leben zu halten», sagte BVB-Geschäftsleitungsmitglied Ramon Oppikofer. Die Schienenbefestigung wird verbessert, der Beton lokal verstärkt und der Asphalt durch eine weitere Betondecke ersetzt. «Das hält dann bis im Herbst», sagt Oppikofer.

In den vergangenen Monaten habe sich der Zustand der 15 Jahre alten Gleise deutlich verschlechtert. Mit einer Temporeduktion auf zehn und letzte Woche sogar auf fünf Stundenkilometer versuchten die Verantwortlichen, die Situation zu entschärfen. Die Folge waren massive Verspätungen auf dem Netz. «Wir haben festgestellt, dass solche Versuche, die Anlage zu schonen, untauglich sind und deshalb weitere Abklärungen getroffen», so Oppikofer. Die Sondierungsarbeiten im Untergrund dann seien ein «Schock» gewesen, so der Bauleiter Mirko Ruchay. Der Untergrund erwies sich als deutlich weniger stabil als erwartet.

Planer widersprechen BVB

Entsprechend müssen die BVB nun die Notbremse ziehen. «Das Risiko für einen Gleisbruch oder eine Entgleisung ist zu hoch». sagt Sprecher Benjamin Schmid. So wurde etwa festgestellt, dass sich mehrere Gleise gefährlich abgesenkt haben. Die plötzlich auftretenden Verschlechterungen der Gleise dürften mit den Bauarbeiten für das neue Kunstmuseum-Parking zusammenhängen, welche unter den Gleisen zwischen Bankverein und Kunstmuseum erstellt wird.

Die Probleme seien verstärkt in der Nähe der Baugruben aufgetaucht, sagt Oppikofer. «Es ist naheliegend, dass eine Interaktion besteht.» Die schlechte Substanz des Bodens sei durch die Bauarbeiten zusätzlich belastet worden. Weitere Probleme seien jedoch nicht zu erwarten, da die Aushubarbeiten mittlerweile abgeschlossen sind.

 

Diese Frage dürfte noch für einige Diskussionen sorgen. Denn der Notfalleinsatz der BVB kommt den öV-Betrieb teuer zu stehen. Zwischen 300'000 und 400'000 Franken müssen für die Massnahmen aufgeworfen werden. Die Verantwortlichen des Kunstmuseum-Parkings weisen die Schuld allerdings von sich: Der verantwortliche Baukonzern Implenia überwache die Gleise bei der Baustelle kontinuierlich, so eine Sprecherin. Und weiter: «Wir haben dabei keine Anzeichen für Veränderungen im Untergrund festgestellt, und insofern besteht für uns da kein Zusammenhang.»

Zu den finanziellen Folgen kommen die Image-Probleme der BVB. Der öV-Betrieb hat seit Jahren mit grösseren und kleineren Krisen zu kämpfen. Vor knapp einem Jahr sorgte der sogenannte Schienen-Gau für Schlagzeilen. Schlecht gewartete Trams hätten die Gleise beschädigt, so die offizielle Version. Hinter den Kulissen laufen immer noch Untersuchungen über die Hintergründe. Sollte der aktuelle Vorfall ebenfalls auf Verfehlungen innerhalb des Unternehmens zurückzuführen sein, würden die BVB vor einer grossen Vertrauenskrise stehen.

BLT wusste von nichts

Der Entscheid der BVB war derart kurzfristig, dass selbst der Partnerbetrieb Baselland Transport AG erst sehr knapp informiert wurde. Die BLT erfuhren erst am Mittwochmorgen, dass ihre Tramlinien zwölf Stunden später nicht mehr über den Bankverein fahren können. Gemäss einem Bericht des Newsportals «Onlinereports» ist man in der Firmenzentrale in Oberwil «stocksauer» über die Notsperrung. «Mich besorgt die Häufung dieser Ereignisse», sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker auf Anfrage. «Wir muten unseren Fahrgästen viel zu. Es gab in letzter Zeit so viele Baustellen, dass sogar ich die Übersicht verliere, welche Trams wie fahren.»

Die Bautätigkeiten gingen nicht spurlos an den Fahrgästen vorbei. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht noch mehr Kunden verlieren.» Zumal sich der Mobilitätsmarkt wandelt und die öV-Betriebe mit sinkenden Kundenzahlen kämpfen. «Wir müssen alles unternehmen, dass der Zugang möglichst gut ist. Solche Vorfälle sind Gift für das Image des öffentlichen Verkehrs», sagt Büttiker.

Meistgesehen

Artboard 1