Exakt das Gegenteil hätte eintreten sollen. Nämlich, dass die Anwohner des Euro-Airports vom Lärm der Abflüge gen Süden entlastet werden. Ende Januar 2019 stellte der Flughafen von einem bodengesteuerten auf ein satellitengesteuertes Startverfahren um, das RNAV. Er versprach sich davon eine engere Bündelung der Flugspuren und eine präzisere Führung der Flüge über möglichst dünn besiedeltes Gebiet.

Doch das neue Verfahren funktioniert nicht wunschgemäss. Allschwil und Schönenbuch beschert es jetzt noch mehr Lärm. Eine vorgezogene Auswertung des RNAV nach drei Monaten zeigt: Die effektiven Flugspuren konnten zwar enger gebündelt werden, aber viele Flüge haben sich in einer Kurve nach dem Start «ungeplant» nach Süden verlagert.

«Dies führt in französischen Gemeinden wie Wentzwiller zwar zur gewünschten Entlastung, in den Gemeinden Allschwil und Schönenbuch allerdings zu einer Mehrbelastung,» stellte Flughafendirektor Matthias Suhr gestern an einer Medienkonferenz fest. «Wir sind den Hinweisen der Bevölkerung nachgegangen, dass der Lärm seit Jahresbeginn zugenommen hat, und liessen das Verfahren früher als geplant überprüfen. Das Resultat ist nicht akzeptabel und hat uns überrascht.» Suhr betonte, dass die Verschiebung Richtung Süden weder geplant noch beabsichtigt gewesen sei: «Das muss korrigiert werden.»

Fluglärmgegner fordern rasches Handeln

Von heute auf morgen geht das allerdings nicht. Bis im kommenden Jahr – wann genau, liess Suhr noch offen – müssen die Allschwiler mit der Mehrbelastung durch Südstarts leben. Denn, so der Flughafendirektor: «Wir müssen mit der französischen Flugsicherheitsbehörde DSNA zunächst herausfinden, was die Gründe für die Verschiebung sind. Um danach ein Abflugverfahren zu konzipieren, das die Anwohner tatsächlich entlastet.» Das neue Verfahren müsse dann vor der Inbetriebnahme getestet und von den Fluglärmkommissionen Frankreichs und der Schweiz konsultiert werden.

Möglich sei, so Suhr, dass die Übersetzung des Verfahrens in das Cockpit der Flugzeuge nicht funktioniert habe. Aber auch, dass ein Fehler bei der Festlegung der virtuellen Wegpunkte erfolgt sei. Diese Wegpunkte werden durch den Satelliten definiert, und die Maschinen richten sich danach.

Bei den Fluglärmgegnern sorgt die Zwischenbilanz des Euro-Airports zum RNAV für Unverständnis. «Man kann sogar sagen: Ich bin stinksauer», sagt Rahel Bänziger, Grünen-Landrätin und Vizepräsidentin des Schutzverbands. Sie habe in den vergangenen Jahren mehrmals darauf hingewiesen, dass sich die Startrouten nach Süden verschoben haben. «Dass dies nun beim neuen Verfahren endlich festgestellt wird, bestätigt meine früheren Statements.»

Bänziger fordert nun schnelles Handeln vom Flughafen. Es könne nicht sein, dass es ein Jahr dauere, bis die missliche Situation korrigiert sei. Sie betont aber: «Es freut mich, dass der Euro-Airport endlich auf die Anliegen der Bevölkerung reagiert und das neue Startverfahren aufgrund der Hinweise früher überprüft hat. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.»