Für die Choreografin war der Samstagabend in der Kaserne Basel ein Heimspiel: Die Baslerin Tabea Martin gehört bereits seit Jahren zur hiesigen Tanzszene und erhielt dieses Jahr den Spartenpreis Tanz Baselland. Dass die Premiere ihres neusten Stücks «Beyond Indifference» für minutenlangen Applaus sorgte, liegt aber nicht am wohlgesinnten Publikum oder am Ruf der Choreografin, sondern an der unterhaltsamen Darbietung der sechs Performer.

Eine Band folgt auf die andere

Es sind drei Frauen (Maria Demandt, Paula Alonso Gomez, Tamara Gvozdenovic) und drei Männer (Kiyan Khoshoie, Carl Staaf, Donath Weyeneth), die den Tanzabend mit ihrer Energie in eine einstündige Party verwandeln. Martin setzt das attraktive Sechsergespann nicht nur tänzerisch, sondern vor allem auch musikalisch geschickt in Szene und schafft somit den nötigen Rahmen der Performance. Immer wieder und in unterschiedlichen Konstellationen verwandelt sich die Gruppe in neue Bands mit klingenden Namen wie «Percussion brothers», «El toro rojo» oder «The electric candles». Nicht nur die schrillen Outfits, auch die Musikstile ändern ständig. Tanzbar sind alle davon, und genau davon lebt das neue Stück von Martin: Die Musik (Donath Weyeneth) sorgt für eine Ausgelassenheit, die spürbar auf die Zuschauenden überschwappt.

Das heisst nicht, dass der Abend nicht auch tänzerisch zu überzeugen vermag. Gerade in den Momenten, wo die Musik kaum oder gar nicht eingesetzt wird, schaffen die Tänzer und Tänzerinnen mal befremdliche, mal berührende Bilder. In flüchtigen Momenten bilden sich Paare, die sich leidenschaftlich lieben und dann wieder abgrundtief hassen. Dann setzt wieder die Musik ein, die Discokugeln werfen Lichter in den Raum und lassen die Kleider der Performer glitzern.

Stete Suche nach Inhalt

So hinreissend Martins Stück auf musikalischer und tänzerischer Ebene ist, so merkwürdig ist der inhaltliche Bezug, der während des Abends mehrmals herzustellen versucht wird. Gleich zu Beginn der einstündigen Performance schreibt ein Tänzer in Grossbuchstaben «liar» an die hintere Bühnenwand und die Lügner werden auch in diversen Songs angesprochen. Songzeilen wie «we pretend we do it for you» oder «it is always just a show, it is always just a lie» gehen dann auch auf die angekündigte Thematik des Abends – die Manipulation des Einzelnen durch Medien und Politik – ein, dies allerdings derart oberflächlich, dass der an sich interessante inhaltliche Leitfaden zuweilen nicht fassbar ist.

So spiegelt sich der Inhalt des Stücks vor allem in der Musik oder in der Choreografie wider, für die Martin die Manipulation in tänzerische Elemente überträgt: Marionettenartig steuern sich die Tänzer und Tänzerinnen gegenseitig, geben ihre Kontrolle an die anderen ab. Und als sich die Darsteller zu Beginn vorstellen, stellt sich unweigerlich die Frage, wie viele der erzählten Details aus ihrem Leben der Wahrheit entsprechen und wie viele davon frei erfunden sind. Tiefer wird auf die Thematik der Manipulation nicht eingegangen. Aber das ist auch gar nicht nötig. Denn das Tanzstück entfaltet seine Kraft nicht im Inhalt, sondern in der Kombination von feiner Ironie, herrlicher Musik und nicht zuletzt energiegeladenem Tanz. Ein grosses Vergnügen!

Aufführungen bis 14. Dezember in der Kaserne Basel.