Seit Freitag ist klar: Die fünf Basler Gymnasien bleiben erhalten, das Schwerpunktfach Philosophie, Psychologie, Pädagogik (PPP) ebenfalls. In Zukunft wird das beliebte Fach sogar an zwei Orten angeboten. So kann das Erziehungsdepartement (ED) die Schülerzahlen besser steuern. Denn: An den einzelnen Standorten soll sich baulich nichts Grundlegendes ändern. Erziehungsdirektor Christoph Eymann sagte am Freitag: «Die Raumstandards müssen eingehalten werden.»

Damit ist Eymann schon bei seinem nächsten Problem: Die Schulbauten aus den 70er-Jahren sind sanierungsbedürftig. Die Renovation des 1974 erbauten Gymnasiums Bäumlihof hätte gemäss dem entsprechenden Ratschlag der Regierung für einen Projektierungskredit vom Juni 2010 bereits im Spätsommer vergangenen Jahres beginnen sollen. Passiert ist nichts. Es liegt noch nicht einmal ein Ratschlag für den Baukredit vor. Dies, obwohl das Zürcher Büro Enzmann Fischer Architekten den Projektwettbewerb bereits Ende 2011 für sich entscheiden konnte.

Das Vorprojekt sei Ende vergangenen Jahres abgeschlossen worden, erklärt Bernhard Gysin, Leiter Schulen beim Basler Bau- und Verkehrsdepartement. Die Idee der Gesamtsanierung sei durch die «Konkretisierung der Schulharmonisierung» weiter verdichtet worden. Das Bäumlihof solle nicht nur technisch, sondern auch «pädagogisch» und «inhaltlich» auf den aktuellsten Stand gebracht werden.

Baubeginn wohl 2014

Aus dem Umfeld der Schule ist zu vernehmen, dass für das neue Projekt 20 bis 30 Millionen fehlten. Im ersten Ratschlag sind rund 75 Millionen Franken für die Sanierung vorgesehen mit einer Abweichung von 25 Prozent. Gysin will die Zahl nicht bestätigen, sagt lediglich: Die entsprechenden Gremien seien daran, die «Investitionsmodule» auf Kosten und Nutzen zu prüfen, um den Gesamtrahmen definitiv festlegen zu können. Der Ratschlag für das Bauprojekt erfolge auf Basis dieser Berechnungen.

Die Verantwortlichen gehen heute von Baubeginn 2014 aus. Das decke sich mit der Verfügbarkeit der temporären Schulbauten. Diese würden bis dahin anderweitig verwertet. Zum Beispiel für die Schüler des Gymnasiums Kirschgarten, das ebenfalls saniert werden muss. Die grosse Frage, die sich derzeit stellt: Wo sollen die Container hin? Der ursprünglich angedachte Standort neben dem Wirtschaftsgymnasium wurde nach Widerstand aus dem Quartier wieder verworfen. Gemäss Informationen des «Sonntags» ist der Entscheid für einen neuen Standort mittlerweile gefallen. Am Freitag erhielten Mitarbeiter des Kirschgartens ein Schreiben, wonach der Entscheid voraussichtlich noch vor den Sportferien bekannt gegeben werde.

Bereits morgen Montag präsentiert Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) im Rahmen der Vernissage zur Ausstellung Projektwettbewerb Erlenmatt das neue Primarschulhaus, das im aufstrebenden Quartier entstehen soll. Es ist eines der vier neuen Schulhäuser, die im Zuge der Schulharmonisierung benötigt werden. Allerdings zeigen sich auch dort Probleme: Das Land, auf dem das Gebäude zu stehen kommen soll, gehört nicht dem Kanton, sondern der Vivico Real Estate GmbH mit Sitz in Frankfurt. Der Infamy-Blog und die «Tageswoche» berichteten bereits darüber. Thomas Riedtmann, Bereichsleiter Zentrale Dienste beim Erziehungsdepartement, räumt gegenüber dem «Sonntag» ein, dass die Verhandlungen noch immer nicht zum Abschluss gebracht werden konnten.

Schüler vorerst woanders untergebracht

Die «Tageswoche» machte vergangene Woche auch Schwierigkeiten bei der Planung des neuen Sekundarschulhauses Sandgrube publik: Der Bau verzögert sich um ein Jahr. Zu den Gründen will das ED kommende Woche eine offizielle Stellungnahme abgeben. Recherchen zeigen, dass auch hier die Kosten schuld sind an der Verzögerung. Die finanzielle Planung wurde durch die vielen Begehrlichkeiten erschwert.

Die Verschiebung hat Auswirkungen auf andere Vorhaben. Die Schüler müssen vorübergehend an einem anderen Ort als geplant untergebracht werden. Riedtmann bestätigt, dass eine Variante geprüft werde, bei der die Betroffenen in einem Teil des Theobald-Baerwart-Schulhauses unterrichtet werden könnten, der derzeit von FHNW-Studenten genutzt wird. Es gebe aber auch andere Möglichkeiten.

Die Beispiele zeigen: Harmos, das Organisationsmonster, fordert die Involvierten. Der Planungsaufwand ist immens, Verspätungen sind programmiert. Den Detailplan mit den entsprechenden Bauvorhaben und Verschiebungen rückt das ED nicht raus. «Sonst müssten wir uns bei jeder Änderung wieder erklären und begründen, was die Verschiebung verursacht hat», begründet Riedtmann.