Vorzeigeprojekt
Neues Wolf-Quartier: Denkmal- und Naturschutz haben in der Planung Priorität

Regionale Vereine und Organisationen für Denkmal- und Naturschutz unterstützen einstimmig die Umsetzung des neuen Stadtquartiers auf dem alten Güterbahnhof Wolf. Auf dem Areal sollen Wohnen, Arbeiten und Mobilität verknüpft werden.

Elodie Kolb
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Auf dem alten Güterbahnhof Wolf soll ein neues Quartier entstehen. In der Planung wurden auch Naturschutz und historische Gebäude miteinbezogen.

Auf dem alten Güterbahnhof Wolf soll ein neues Quartier entstehen. In der Planung wurden auch Naturschutz und historische Gebäude miteinbezogen.

Nicole Nars-Zimmer

«Ich finde es sehr begrüssenswert, dass der alte Bahnhof umgenutzt wird und er neue Funktionen erhält», sagt Simon Frommenwiler, der Vorsitzende des Bundes Schweizer Architekten in Basel, auf Anfrage. Dass die 1899 gebauten, «wunderschönen» Güterhallen und das Dienstgebäude miteinbezogen werden, halte er für «einen grossen Gewinn für den Stadtteil».

Die starke Identität der historischen Gebäude werde das Quartier prägen, so Frommenwiler. Nicht zu bauen, sei seiner Meinung nach ausserdem die nachhaltigste Variante. Indem alte Gebäude umgenutzt werden, könne man Ressourcen schonen. «Umnutzung wird deshalb in Zukunft wohl eine noch wichtigere Rolle spielen», so Frommenwiler. Dasselbe gelte für die Frage, wie Gebäude gebaut werden können, damit in Zukunft unterschiedliche Nutzungen möglich sind.

Verdichtung auf zentralen Achsen wichtig

Auch der Co-Präsident von Baukult, der ehemaligen Freiwilligen Denkmalpflege Basel, Michael Hug, findet es erfreulich, dass einige historische Bauten auf dem Areal bestehen bleiben und «sich so alt und neu gut ergänzen können». Er freut sich, dass auf diesem Areal etwas Neues entstehen soll. Auch die Arbeit zur Denkmalpflege hält der LDP-Grossrat für sauber gemacht.

Umnutzung wird in Zukunft wohl eine noch wichtigere Rolle spielen.

(Quelle: Simon Frommenwiler, Bund Schweizer Architekten)

Gerade auf dieser zentralen Einfallachse vom Gellert via Nauenstrasse in die Stadt sei es sehr wichtig, dass sich Areale schnell entwickeln und verdichtet werden. «Wo es niemandem wehtut, kann man nie genug verdichten», sei seine Devise. Er findet, dass in Bezug auf die Verdichtung beim Projekt auf dem Güterbahnhof viel rausgeholt wurde. Hug sieht im Wolf-Areal eine grosse Chance für Basel und hält es daher für wichtig, diese auch zu nutzen. Deshalb fragt er sich, weshalb die Pläne keine höheren Gebäude vorsehen, da es an diesem Ort wohl kaum stören würde und auf diese Weise noch stärker verdichtet werden könnte. Laut Planauflage hat «kein Vorschlag mit einem Hochhaus überzeugen sowie die umweltrechtlichen Rahmenbedingungen erfüllen» können. Aus diesem Grund sei kein Hochhaus vorgesehen.

Der Basler Heimatschutz ist ebenfalls zufrieden mit dem Projekt. Obmann Christof Wamister sagt: «Mit dem Schutzvertrag für die historischen Gebäude ist unser Kernanliegen eigentlich erfüllt. Sogar ein Verladekran wird erhalten. Solche Objekte sind auch industriegeschichtliche Denkmäler.» Bestehen bleiben laut Planauflage die Güterhallen 3 und 4 sowie das Dienstgebäude. Wamister ist der Meinung, dass historische Elemente in der Stadt nicht alle 20 bis 30 Jahre ausradiert werden sollten, «so verschwindet die ganze Geschichte».

Auch Naturschützer sind zufrieden

Mit dem Richtprojekt von 2019 ist Pro Natura Basel grundsätzlich einverstanden, «unter der bekannten Ablehnung des Gateways Basel Nord», sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Daniel Rüetschi. Die Kantonalsektion von Pro Natura habe die Ausarbeitung als sehr sorgfältig erlebt, sie seien zudem im Vorfeld in die Planung des Stadtteils miteinbezogen worden. «Die Anliegen des Naturschutzes wurden mitberücksichtigt», was nicht selbstverständlich sei, so Rüetschi. Laut Planauflage müssen zehn Lebensraumtypen und 25 Pflanzenarten geschützt werden. Für die rund 4430 Quadratmeter schutzwürdigen Lebensraum seien vor Ort «Ersatzleberäume» vorgesehen.