Umzug
Neues Zuhause: Dach der ehemaligen Kuppel dient jetzt als Zirkuszelt

Das Dach der ehemaligen Kuppel an der Heuwaage hat eine neue Aufgabe im Zirkus. Die Geschichte dahinter klingt beinahe wie aus einem Abenteuerroman.

Olivia Meier
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«Schöne, einladende und inspirierende Atmosphäre»: Der Station Circus adoptierte das Dach der Kuppel.
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Neue Kuppel auf dem Dreispitz
Vom «Station Circus», der auf dem Areal beim Dreispitz weilt, wurde es vor zwei Jahren aufgenommen.
Die französische Compagnie Sacékripa soll der alten Kuppel den bestmöglichen Start in ein neues Leben ermöglichen.

«Schöne, einladende und inspirierende Atmosphäre»: Der Station Circus adoptierte das Dach der Kuppel.

Tilman Pfäfflin

Der Abschied von der Kuppel und von ihrem Dach war emotional und tränenreich. Das Kuppel-Team verabschiedete sich 2016 gebührend von ihr. Auf Facebook postete es einen Beitrag, den man so sonst nur bei zerbrochenen Beziehungen oder verstorbenen Promis sieht: «Die Kuppel ist abgeflogen» – schon der Titel ein Wechselbad der Gefühle. «Wir werden nun erst einmal ein bisschen Pause machen, Tränen trocknen, Gedanken sortieren, tief durchatmen und dann mit neuem Schwung in die Zukunft einkuppeln!» Das war der letzte Post auf der Facebook-Seite der Kuppel – danach wurde sie abgerissen.

Schon lange war geplant, im Nachtigallenwäldeli etwas Neues zu bauen. Seit Jahren vertröstete Betreiber Simon Lutz, er werde das Geld schon noch auftreiben. Mittlerweile hat eine Stiftung rund um den SP-Politiker Tobit Schäfer übernommen. Wann im Nachtigallenwäldeli was entstehen wird, ist aber bis heute unklar.

Dach wird umfunktioniert

Während der ganzen Überlegungen, Bauarbeiten und traurigen Momenten hat das Dach der Kuppel schon längst ein neues zu Hause gefunden. Es heisst heute die Passanten am Dreispitz willkommen. Vom «Station Circus», der auf dem Areal beim Dreispitz weilt, wurde es vor zwei Jahren liebevoll aufgenommen.

Die Geschichte dahinter klingt beinahe wie aus einem Abenteuerroman: Acht Freunde des Station Circus retteten das Dach vor seinem sicheren Tod. Ein Mitglied des Circus bekam mit, dass die letzte Gelegenheit bestand, «einen Teil der mit viel Nostalgie verbundenen Kuppel zu retten», erzählt Gianna Grazioli, Mitglied des Station Circus. Valentin Steinemann und Solvejg Weyeneth von Station Circus machten sich also mit sechs Leuten auf, bauten das Dach auseinander, hievten es auf einen Transporter und brachten es zum Dreispitz. Dort wurde es über den letzten Winter gelagert und umgenutzt: das Dach macht sich gut in seiner neuen Funktion als Zirkuszelt. Das möchte das Team des Station Circus feiern.

Heute und morgen weiht es das neue Zelt ein. «Das ehemalige Kuppeldach schafft eine schöne, einladende und inspirierende Atmosphäre», so Grazioli.

In dieser Atmosphäre soll die französische Compagnie Sacékripa der alten Kuppel den bestmöglichen Start in ein neues Leben ermöglichen. Die fünfköpfige Truppe hat das Stück «Vu» konzipiert. Der Objektzirkus zieht bereits seit 2003 rund um den Globus. Die Mitglieder des Station Circus haben sich «Vu» angeschaut und es als «perfekt passend» abgesegnet. Es sei wie gemacht für den intimen Rahmen im Kuppelzelt, in dem etwa 70 Personen Platz finden. «Der stumme Objektdompteur will sich eigentlich nur einen heissen Tee zubereiten. Doch Zuckerstücke, Zündhölzer, Messer und andere Objekte halten ihn ständig auf», beschreibt Grazioli das Stück.

Das gesamte Stück, welches jeweils um 20 Uhr beginnt, spielt Manceau auf einem Küchentisch – die Zuschauer müssen also nahe am Geschehen sein.

Compagnie Sacékripa «Vu». 23. und 24. März. 20 Uhr. Ab 7 Jahren. Station Circus, Walkeweg 1, Basel (www.stationcircus.ch)