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Neustart bei Telebasel: Wie geht es mit dem Sender weiter?

Plätzli frei: Bei Telebasel sind zurzeit wichtige Stellen unbesetzt.

Plätzli frei: Bei Telebasel sind zurzeit wichtige Stellen unbesetzt.

Telebasel hat seit Monaten keinen CEO, und auch für die scheidende Chefredaktorin gibt’s noch keinen Ersatz.

Noch eine Woche hat Telebasel eine Chefredaktorin. Dann geht Karin Müller nach sechs turbulenten Jahren beim Sender zurück nach Zürich und übernimmt die Leitung des Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) in Meilen. Doch drei Monate nach ihrer Kündigung, die dem Vernehmen nach nicht sonderlich überraschend kam, ist die Stelle der künftigen redaktionellen Leitung von Telebasel noch nicht einmal ausgeschrieben worden.

Das bringt die Gerüchteküche zum Brodeln. Mehrere mögliche Kandidaten haben bereits abgewinkt. Neben Altbekannten aus der Medienszene taucht auch der Name Esther Keller immer wieder auf. Dazu passt auch die zeitliche Koinzidenz mit den Wahlen. Keller kandidiert aktuell für die Grünliberalen für das Regierungspräsidium. Ihre Wahl wäre allerdings eine mittelgrosse Überraschung.

Recherchen zeigen, dass Keller bei Telebasel ziemlich weit oben auf der Wunschliste steht. So wurde die 36-Jährige gemäss Quellen bereits informell von Telebasel angefragt, ob Interesse bestünde. Offenbar winkte Keller, die bis 2012 als Redaktorin, Produzentin und Moderatorin beim Sender im Einsatz war, aber ab. «Im Moment ist das gar kein Thema», sagt Keller auf Anfrage. Sie setze alles in ihre Regierungskandidatur. «Ich habe kein Dossier eingereicht und es laufen keine Gespräche», sagt sie.

Auch im Stiftungsrat ist man offenbar mittlerweile der Ansicht, dass Keller nicht passt. «Es ist fraglich, ob jemand, der die vergangenen Jahre aktiv Politik betrieben hat, ins Jobprofil passt», sagt Stiftungsratspräsident Nikolaus Tamm. «Unabhängigkeit ist unser grosser Trumpf.»

Überraschende Abgänge von Präsident und CEO

Allerdings ist der Chefredaktorposten nur der neuste von vielen freien Sesseln bei Telebasel. So ist auch die Stelle des Geschäftsführers seit drei Monaten vakant. Der umtriebige Michael Bornhäusser, der das grösste Medienunternehmen der Region über zwei Jahre ad interim führte und den Umbau vom Regionalsender zu einem Multi-Channel-Medium massgeblich verantwortet hatte, wurde anfangs Juli per sofort freigestellt. Zum Verhängnis wurde ihm ein Interview mit dem Messe-CEO Ueli Vischer, das mehr ein besserwisserischer Monolog als ein Gespräch war und für grossen politischen Unmut und Beschwerden sorgte. Die Geschäfte führt seit Sommer der langjährige Telebasel-Mitarbeiter Linus Pauls, ebenfalls interimistisch.

Kurz nach dem umstrittenen Interview hatte sich im Frühling bereits Stiftungsratspräsident Roger Thiriet überraschend verabschiedet. Und auch auf der Redaktion gaben sich die Mitarbeiter die Türklinke in die Hand. Bekanntester Abgang war News­chef Adrian Plachesi – ein Telebasel-Eigengewächs.

«Dringend notwendig, alles nochmals durchzudenken»

Stiftungsratspräsident Tamm sieht die doppelte Führungsvakanz als Chance: «Wir wollten bewusst nicht einfach die beiden Stellen neu besetzen», sagt er. «Es gab eine dringende Notwendigkeit, nochmals alles durchzudenken.» In den vergangenen Monaten habe man sich einen vertieften Einblick verschafft und den ganzen Betrieb durchleuchtet. Anschliessend wurde die weitere Strategie definiert. Wenig überraschend: Der Multi-Channel-Ansatz, also der Fokus auf das Online-News­portal, soll noch konsequenter weiterverfolgt werden.

Tatsächlich werden die kommenden Jahre für Telebasel zu einer Herausforderung. Immer mehr Zuschauer wenden sich vom traditionellen Fernsehen ab. Und ab 2028 fallen die Kabelnetzabgaben, die noch aus der Gründungszeit des Senders stammen, weg. Dem Sender fehlen dann auf einen Schlag rund 1,6 Millionen Franken – ein gutes Fünftel des Budgets. Eine Kompensation mit Werbegeldern dürfte schwierig werden.

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