Ein leichtfüssiger, eleganter und kraftvoller Auftritt. Keine Schwächen an den Tag gelegt, die ganze Erfahrung ausgespielt. Das Publikum war begeistert. Von welchem Tennisspieler die Rede ist? Von keinem. Es geht um Paul Anka, den unverwüstlichen Charmeur, den König des Swing, der heute Abend die Swiss Indoors eröffnete.

Mit seinem zwölfköpfigen Orchester nahm der klein gewachsene Entertainer die Tennisfans 45 Minuten lang mit auf eine kleine Tour durch die Musikgeschichte. Acht Lieder schmetterte er dem Publikum um die Ohren, darunter nicht weniger als drei absolute Welthits. Angefangen beim Paul-Anka-Klassiker «Diana», welcher den heute 75-Jährigen zu Teenager-Zeiten weltberühmt machte. Das Lied, das noch heute zu den zehn meistverkauften Singles überhaupt zählt, war der Türöffner. Swiss-Indoors-Organisator Roger Brennwald hatte Anka in seiner Eröffnungsrede noch in den allerhöchsten Superlativen vorgestellt. Nötig gewesen wäre es gar nicht. Das Publikum frass Paul Anka quasi aus der Hand – auch jene, die zuvor noch nie von ihm gehört hatten.

«My Way» mit neuem Text

«Super Monday» nannten die Veranstalter den heutigen Abend. Sicherlich eine clevere Marketing-Strategie, die Tennis-Ikonen Rafael Nadal und Stanislas Wawrinka nacheinander ihre Erstrunden-Duelle auszutragen. Es ist denn auch schon fast ein Muss für die Würdenträger in Basel, sich hier blicken zu lassen. Der Basler Regierungspräsident Guy Morin drängelte auf die Tribüne, in unmittelbarer Nähe tummelten sich die Baselbieter Regierungsräte Sabine Pegoraro und Anton Lauber. Auch FCB-Trainer Paulo Sousa liess sich blicken.

Für den Glamour sorgte aber der Mann im altmodisch geschnittenen Anzug. Paul Anka tänzelte, klatschte, flirtete und winkte in alle Richtungen. Mal klaute er einem den Stuhl eines Linienrichters und kletterte darauf, mal holte er sich von einer Dame im Publikum ein Küsschen ab. Als wärs das Normalste der Welt, kalauerte Anka: «Diesen Song habe ich für Frank Sinatra geschrieben. Ich singe ihn jetzt mal selbst.» Es folgte eine schnell gespielte Version des Klassikers «My Way», gesungen von Anka mit samtweicher Stimme und mitgegrölt von Tausenden Sportfans.

«Seid stolz auf Euer Land»

Wer gedachte hatte, dies sei das Highlight gewesen, hatte sich getäuscht. Leise und nur vom Klavier begleitet sang Anka eine neu getextete Version von «My Way». In dieser ging es um Tennis, die Swiss Indoors und Roger Brennwald. «Yes Sir, a lightning blur, with Federer» (Ja Monsieur, ein verschwommener Blitz, mit Federer) hauchte er in die Basler St. Jakobshalle hinein. Als er dann noch Frank Sinatras «New York, New York» aufs blaue Tennisparkett schmetterte, stand und schunkelte die ganze Halle. «Ihr solltet sehr stolz auf Euer Land, Eure Stadt und diesen Anlass sein», flötete Anka, der Basel schon von der Baloise Session kennt und dessen Tochter in der Schweiz wohnt.

Die süffigen Big-Band-Balladen des kanadischen Altmeisters hallten noch in der Halle nach, als Paul Anka längst wieder unter den Tribünen hindurch verschwunden war. Nadal, Wawrinka, Federer? Die grossen Namen müssen diese Woche erst noch beweisen, was sie können. Paul Anka muss das längst nicht mehr.