Vandalismusgefahr
Nicht einmal die zuständige Kommission sollte es wissen: Grosse Sicherheitsprobleme im Museum

Eine unveröffentlichte Kunstmuseum-Analyse zeigt massive Mängel im Sicherheitsbereich. Der Kanton möchte das Thema nicht an die grosse Glocke hängen: Es drohen Probleme mit Versicherungen und Leihgaben. Nicht einmal die zuständige Grossratskommission hat bisher vertieften Einblick in die Analyse erhalten.

Daniel Ballmer
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Die zuständige Kommission hatte nur oberflächlichen Einblick in die Analyse.

Die zuständige Kommission hatte nur oberflächlichen Einblick in die Analyse.

Kenneth Nars

Schonungslos sollten Mängel aufgedeckt werden. Und die Betriebsanalyse der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG hat im Kunstmuseum Basel einiges zutage gefördert. Anfangs September präsentierten Kanton und Museumsleitung eine Zusammenfassung.

Diese zeigt: Das Museum ist personell unterdotiert und muss organisatorisch neu aufgestellt werden. Dazu beantragt die Regierung beim Grossen Rat, den jährlichen Staatsbeitrag um zwei Millionen Franken zu erhöhen. Bisher fehlten ein formales Betriebskonzept wie auch ein Businessplan, es gebe wenig dokumentierte Prozesse und auf vielen Ebenen seien Zuständigkeiten und Schnittstellen unklar geregelt.

Ein brisantes Thema ist vor den Medien aber ausgeklammert worden: Das Basler Kunstmuseum schlägt sich mit Sicherheitsproblemen herum. Das habe Co-Kulturchefin Sonja Kuhn an einer gemeinsamen Sitzung mit Museumsdirektor Josef Helfenstein und der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission (BKK) erwähnt, wie mehrere Mitglieder bestätigen. «Die Analyse zeigt, dass nicht alle Ausstellungsobjekte im Museum genügend geschützt sind», erzählen sie.

Es drohen Probleme mit Versicherungen und Leihgaben

Das Problem soll weniger das Risiko nächtlicher Einbruchsdiebstähle sein als vielmehr jenes von Vandalismus. So fehle nicht nur Sicherheitspersonal. Auch seien deutlich mehr Werke durch stosssicheres Glas zu schützen. Zwischenzeitlich seien gar Räume für die Besucher geschlossen worden.

«Der Kanton aber will das auf keinen Fall an die grosse Glocke hängen, sonst bekommt er Probleme mit Versicherungen und Leihgaben.» Kommt hinzu: Das Museum soll schon heute «massiv unterversichert» sein.

Kuhn vom zuständigen Präsidialdepartement versucht, den Ball flach zu halten: «Die Sicherheit im Museum ist für die Kunstsammlung garantiert, das Museum arbeitet aber an Optimierungen», sagt die Co-Kulturleiterin. Das Thema werde aber «aus verständlichen Gründen» nicht öffentlich diskutiert. Deshalb wurde es auch nicht mit der veröffentlichten Zusammenfassung der Betriebsanalyse bekannt gegeben.

Zwei Millionen zusätzlich sollen gesprochen werden - niemand hatte richtigen Einblick

Einen vertieften Einblick in die Betriebsanalyse hat bisher jedoch nicht einmal die zuständige Grossratskommission erhalten. Während der erwähnten Sitzung habe Kuhn das rund 80 Seiten starke Papier nur ein paar Minuten verteilen lassen – und dann gleich wieder eingezogen.

Wegen einer Vertraulichkeitsklausel im Vertrag mit KPMG solle unbedingt verhindert werden, dass die Analyse öffentlich wird. «In den paar Minuten hatten wir natürlich keine Chance, das Papier zu studieren», sagt ein Kommissionsmitglied. «Und es ist davon auszugehen, dass wir es auch nicht nochmals erhalten. Das wars, kanns aber nicht gewesen sein.» Immerhin soll der Grosse Rat aufgrund genau dieser Analyse über die zusätzlichen zwei Millionen fürs Kunstmuseum befinden.

Museumsdirektor Helfenstein selbst hat die Sicherheitsprobleme angedeutet. An der Medienkonferenz von Anfang Monat hatte er erklärt, dass der Grossteil der neuen Stellen im Bereich des Aufsichtspersonals geschaffen werden soll. Denn mit dem Erweiterungsbau hat sich die Fläche der zu überwachenden Kunsträume um einen Drittel vergrössert.

Einblick in die Analyse sei jederzeit möglich

Das Departement müsse der BKK die Analyse auf jeden Fall aushändigen, sind sich deren Mitglieder einig. «Es kann bei einer mit Steuergeld finanzierten Analyse nicht einfach auf eine Vertraulichkeitsklausel verweisen. Sonst könnte künftig ja jeder unangenehme Bericht zurückgehalten werden.»

Und erhalte die Kommission keinen umfassenden Einblick, könne das Parlament kaum guten Gewissens mehr Geld fürs Museum sprechen. Doch auch hier interveniert Kuhn: Die Kommissionen könnten jederzeit Einblick in die Betriebsanalyse haben, versichert sie. Auch stehe das Präsidialdepartement jeweils für Fragen zur Verfügung.

Im Parlament aber bleibt Skepsis. Die BKK habe das Thema an die Geschäftsprüfungskommission (GPK) übergeben, die weiterreichende Möglichkeiten hat. «Denn so wollen wir uns nicht abspeisen lassen.» Die GPK hat nun die Herausgabe der Analyse beantragt.

Eskalationsstufe: Klage gegen die Regierung

Präsident Christian von Wartburg will das nicht offiziell bestätigen. «Usanzgemäss äussert sich die GPK nicht zu allfälligen Untersuchungen.» Klar aber ist: Die Kommission ist bereits daran, ihre Möglichkeiten abzuklären, sollte sie die Analyse nicht freiwillig erhalten. «Notfalls müssten wir gar gegen die Regierung klagen, sonst wird die Oberaufsicht ad absurdum geführt», ist aus der GPK zu hören. «Wir können das nicht akzeptieren, sonst wird das Usus.»

Die zusätzlichen zwei Millionen Franken für das Kunstmuseum dürften im Grossen Rat dennoch nicht gefährdet sein. «Wir hoffen, dass mit den angestrebten Massnahmen die Sicherheitsprobleme bewältigt werden können», kommentiert ein BKK-Mitglied.