Restauration

Nicht für draussen gemacht: Das «Monstrum» ist doch eine zarte Blume

Die auf der Heuwaage aufgestellte grellbunte Skulptur "Lieu dit" von Michael Grossert löste 1976 eine heftige politische Debatte über aktuelle Kunst aus.

Die auf der Heuwaage aufgestellte grellbunte Skulptur "Lieu dit" von Michael Grossert löste 1976 eine heftige politische Debatte über aktuelle Kunst aus.

Das Kunstwerk an der Heuwaage muss nach 40 Jahren abgebaut und restauriert werden.

Basler Kinder nutzen das Kunstwerk für Kletterübungen, ältere Basler setzen sich für eine Verschnaufpause drauf, Autofahrern zeigt es an: Jetzt folgt die Innenstadt. Das Werk «Lieu dit: Heuwaage» von Michael Grossert ist stadtbekannt. Nun ist es aber in die Jahre gekommen: Seit mehreren Wochen ist es abgesperrt. Dem Grund dafür ging Telebasel Ende August nach. Damals teilte der Kanton dem Lokalsender mit, die Plastik sei brüchig. Dies sei bei einer routinemässigen Untersuchung erkannt worden. Die Sperrung sollte bis Ende September dauern.

Zwischen Parkhaus, Pub und Tramhaltestelle

Doch auch jetzt, nach Weihnachten, ist das «Monstrum», wie das Kunstwerk mehr oder weniger liebevoll genannt wird, noch von einem Zaun umgeben. Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement teilt auf Anfrage mit, dass derzeit umfassende Abklärungen mit Restauratoren laufen würden.

Seit 1976 steht die bunte Plastik aus Kunstharz zwischen Parkhaus und Tramhaltestelle an der Heuwaage. Die Plastik hat laut den Basler Behörden in den vergangenen vierzig Jahren gelitten, schliesslich sei es eigentlich nicht dafür gemacht, so lange Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Der Plan lautet deshalb, das Kunstwerk im kommenden Jahr zu demontieren und einer kompletten Restauration zu unterziehen.

Ursprünglich war das Kunstwerk zur Verschönerung der Heuwaage gedacht. Schon damals war die Kreuzung von Autos, Trams und Betons beherrscht und galt weder als gemütlich noch hübsch. Als man die Plastik 1976 aufstellen wollte, gab es aber einen Aufschrei: Im Grossen Rat sprach man von einer «Verschandelung» der Stadt. Das «Monstrum» wurde nicht als Kunst anerkannt.

Noch heute erhitzt der «Lieu dit» die Gemüter der Baslerinnen und Basler – auch wenn sich viele mittlerweile an den Anblick der auffälligen Plastik gewöhnt haben. Vielleicht wird das Kunstwerk während seiner Restaurationszeit ja sogar von einigen vermisst.

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