Preisvergleich
Nicht in allen Fällen ist das Einkaufen in Deutschland billiger

Für Einkäufe ins grenznahe Deutschland zu fahren, lohnt sich nicht immer. Gewisse Produkte sind in der Schweiz billiger zu haben. Der Verband Handel Schweiz lanciert Liste für günstige Schweizer Produkte.

Peter Schenk
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Nicht immer lohnt es sich, für Einkäufe die Grenze zu überschreiten.

Nicht immer lohnt es sich, für Einkäufe die Grenze zu überschreiten.

Keystone

Das Einkaufen im nahen Deutschland lohnt sich nicht immer. Das möchte der Dachverband Handel Schweiz mit einer Liste von sogenannten «weissen Preisen» nachweisen. Demnach ist Mövenpick-Kaffee «Der Himmlische» in der Schweiz 79,8 Prozent billiger als in Deutschland. Bei Gewürzen wie Oregano oder Vanilleschoten schnellt die Differenz gar auf über 300 Prozent.

Schwarze Oliven sind in der Schweiz 37 Prozent günstiger, gemahlener Zimt 79,1 Prozent und Evian 60 Prozent. Bei elektronischen Geräten wie Apple iPhone 5 oder Apple iPad Mini schrumpft die Differenz auf 4,2 Prozent, aber die Schweiz bleibt immer noch günstiger als die deutschen Nachbarn. Allerdings wurde bei den ermittelten Preisen die Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer nicht berücksichtigt. Auf Facebook oder im Internet können billigere Produkte gemeldet werden und um die Liste weiter zu ergänzen, führt Handel Schweiz Umfragen in der Bevölkerung durch.

Agrarfreihandel fehlt

Das Thema «Hochpreisinsel Schweiz: Missverständnisse und Lösungsansätze» war gestern Teil einer Medienkonferenz von Handel Schweiz in Basel. Ein Grund für hohe Preise in der Schweiz ist für den designierten Präsidenten des Verbandes, Jean-Marc Probst, der fehlende Agrarfreihandel. «Je früher sich die Bauern auf den Agrarfreihandel einrichten, umso grösser ihr Erfolg im Export», appellierte er an die Bauern. «Ich verstehe die Haltung der Schweizer Bauern nicht: Der Agrarfreihandel kommt so oder so», führte Probst weiter aus.

Laut Kaspar Engeli, Direktor Handel Schweiz, sind die Probleme der Schweiz Euro-Probleme. Dennoch plädierte er dafür, dass sie ihre Hausaufgaben machen müsse. Darunter verstand er zum Beispiel, Parallelimporte zu ermöglichen, sowie technische Handelshemmnisse und Protektionismus konsequent abzubauen.

Fisherman’s Friend wird Arznei

So habe einer der Mitglieder des Verbands versucht, eine bestimmte Sorte «Fisherman’s Friend» aus Deutschland parallel zu importieren. «Da jedoch diese Bonbons mit der Auslobung ‹Pastillen bei Husten und Heiserkeit› beworben wurden, fielen sie als Arzneimittel unter die schweizerische Heilmittelgesetzgebung.» Da Arzneimittel in der Schweiz zulassungspflichtig seien, hätte ein Zulassungsgesuch bei Swissmedic eingereicht werden müssen, was unverhältnismässig gewesen sei.

Probleme gab es auch beim Import von Red Bull aus Österreich oder Frankreich, da die Beschriftungen nicht den Schweizer Sonderregelungen entsprochen hätten. So werde das Cassis-de-Dijon-Prinzip ausgehöhlt, kritisierte Engeli. Dieses sieht vor, dass Produkte, die in der EU zugelassen sind, auch in der Schweiz verkauft werden dürfen.

Als klassisches technisches Handelshemmnis bezeichnete er die in der Schweiz jahrelang vorgeschriebenen Partikelfilterpflicht für Baumaschinen, etwa 10000 Geräte. «Für die 180000 Traktoren mit identischen Motoren galt sie nicht.»

Eine Kartellgesetzrevision gegen unzulässige Preisdifferenzen, wie von der SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo verlangt, lehnte Engeli ab.

Weitere Informationen auf www.weissepreise.ch