Raubüberfälle
Nicht mehr Überfälle, dafür brutalere

In Kleinbasel kam es am Wochenende gleich zu zwei brutalen Raubüberfallen mit Messerstechereien und Schlägen. Laut Polizei treten solche Gewalttaten in Wellen auf.

Fabian Muster
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Kleinbasel, letzten Sonntagmorgen, 0.30 Uhr: Im Restaurant Adler an der Ochsengasse geraten zwei Frauen aneinander und verlassen das Lokal. Kurz darauf kehrt die eine Frau mit Bauchschmerzen zurück und bricht in der Toilette zusammen. Mit Stichverletzungen wird sie in die Notfallstation gebracht. Die Frau ist mittlerweile ausser Lebensgefahr.

Kleinbasel, letzten Sonntagmorgen, 5 Uhr: Ein Mann wird an der Webergasse von drei Nordafrikanern zu Boden geschlagen und überfallen.

Beide Fälle ereigneten sich letztes Wochenende innert weniger Stunden. Beide im Rotlichtmilieu im Kleinbasel. Häufen sich dort die Fälle? Peter Gill, Mediensprecher der Basler Staatsanwaltschaft, dementiert: «Im Rotlichtmilieu hat es schon immer Auseinandersetzungen gegeben. Heute sind diese einfach brutaler. Doch das ist ein schweizweites Phänomen.» Man sei heute schneller bereit, eine Waffe einzusetzen oder weiter auf am Boden liegende Personen einzuschlagen.

Gewisse Unsicherheit bleibt

Für Gill treten die Fälle nicht häufiger auf, sondern wellenartig: etwa bei schönem Wetter oder nach einem Zahltag. «Am Wochenende vom 3. Oktober war es zum Beispiel ruhig.» Dies belegt auch das Archiv mit den Polizeimeldungen, in dem es in dieser Zeit keine Eintragungen gibt. Gill sieht zudem nicht nur das Kleinbasel, sondern die Achse Hauptbahnhof, Steinenvorstadt, Kaserne und Unterer Rheinweg als Hotspots für Raubüberfalle. «Wo viele Leute beim Ausgang zusammenkommen, ist mehr Geld vorhanden, und dann gibt es mehr Überfälle.»

Kritik an mangelnder Polizeipräsenz im Kleinbasel wehrt Martin Schütz ab. «Es ist schon jetzt ein Gebiet mit recht hoher Präsenz», sagt der Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements. «Aber wir können nicht an allen Ecken präsent sein, eine gewisse Unsicherheit bleibt bestehen.» Die Sache sei ähnlich wie beim Littering, dem Wegwerfen von Abfall: «Wenn ein Polizist vor Ort ist und büssen könnte, passiert nichts.» «Dass zwei Frauen streiten, kann man nicht Kleinbasel anhängen.

Kleinbasel ist nur einer der Hotspots

Das hätte auch im Gundeldingerquartier oder in Riehen passieren können», ist Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel überzeugt. Das Gebiet ziehe mit seinen Bars und Bordells Gäste aus der ganzen Region an und so könnten auch Vorfälle vorkommen. «Doch diese sind jüngst nicht häufiger geworden.»

Auch mit der Arbeit der Polizei ist Wernli zufrieden. Aber: «Wenn Politiker das Polizeikorps aufstocken wollen, müsste auch mehr Geld für Prävention vorhanden sein.» Etwa für die so genannten Mittler im öffentlichen Raum, die den Dialog mit den Drogenabhängigen suchen, «aber deren Auftrag auf andere Zielgruppen ausgedehnt werden sollte».