Flussreisen

Nicht nur ein Schiff wird kommen: Die Infrastruktur im Basler Hafen stösst an ihre Grenzen

Immer mehr Hotelschiffe legen am Klybeckquai an – nicht alle im Hafen haben Freude daran.

Die Passagierzahlen bei Flussreisen nehmen rasant zu. Die Infrastruktur im Basler Hafen stösst an ihre Grenzen und der Platz wird knapp.

Der erste Anblick, der sich den Touristen in Basel bietet, ist wahrlich keine Postkartenidylle. Auf der einen Seite Industrie, auf der anderen Lagerhallen, alte Geleise und dazwischen gewürfelt ein paar Gastrobetriebe. Immer mehr Touristen starten ihren Baselbesuch am Klybeckquai.

Knapp 1000 Hotelschiffe mit über 300'000 Betten sind es mittlerweile in Basel. Innerhalb von drei Jahren haben sich die Zahlen verdoppelt. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: Die Reiseunternehmen haben in den vergangenen Jahren ihr Angebot stark ausgebaut. Bisher kommen die Touristen hauptsächlich aus Nordamerika, Grossbritannien und Holland. Mit China verspricht ein neuer, riesiger Markt weiteres Wachstum.

Die schwimmenden Hotels sind für Basel eine Goldgrube, ohne dass man viel dafür tun müsste. André Auderset von der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft sagt: «Die Flusskreuzfahrtbranche bildet mittlerweile einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor. Sie bietet tausende von Arbeitsplätzen an und bezahlt rund 70 Millionen Franken an Steuern und über 30 Millionen Franken Sozialabgaben.»

Da viele Kreuzfahrtreisen in Basel starten oder enden, würden die Schiffe auch hier betankt und mit Lebensmitteln und Getränken beliefert, was wiederum dem heimischen Gewerbe zu Gute komme. Dazu kämen Gebühren für den Euro-Airport durch An- und Abreisende, Arbeit für Car-Unternehmen und Einnahmen für Basler Geschäfte und Restaurants: «Im Schnitt gibt jeder Passagier auf Landgängen 65 Franken für Verpflegung oder Souvenirs aus», sagt Auderset – mittlerweile ebenfalls ein Millionengeschäft.

Infrastruktur am Anschlag – Ideen für ein Busterminal

Das rasante Wachstum der Branche stellt den Hafen vor ein Problem. Die Infrastruktur genügt den Anforderungen nicht mehr. «Platzmässig kommt man langsam an den Anschlag», sagt Auderset. Die insgesamt 13 Liegeplätze beim Klybeckquai, Dreiländereck und im St. Johann seien praktisch ausgelastet. Zumal die Anlegestelle St. Johann für Auderset «das Äusserste» ist, was touristisch Sinn macht. «Die Leute haben wenig Zeit und wollen die Altstadt sehen. Da sollten sie nicht in Kleinhüningen starten müssen», sagt Auderset. «Die Anlegeplätze sind dort wirklich nicht besonders schön.»

Als Reaktion auf den Boom der Hotelschiffe wälzen die Verantwortlichen schon länger Ausbaupläne für die Anlegestelle Klybeck. Eine Idee ist ein Busterminal, damit die Touristen einfacher in die Innenstadt gelangen. Diese Pläne stossen nun auf politischen Widerstand. In einer Interpellation will Michelle Lachenmeier, Grossrätin der Grünen, von der Regierung nun wissen, wie weit die Pläne fortgeschritten seien und ob damit nicht ein Präjudiz geschaffen würde.

Lachenmeier geht es dabei vor allem um die Zukunft des ehemaligen Esso-Areals, das direkt neben dem Schiffsanleger liegt. «Dort bietet sich die einmalige Chance für den Kanton, ein innovatives und nachhaltiges Quartier entstehen zu lassen, in welchem neue Wohn- und Lebensformen Platz finden und das auch ökologisch vorbildlich ist», sagt sie. «Aufgrund seiner Lage am Wasser drängt sich der Ort für das erste autofreie Quartier der Stadt geradezu auf. Wenn nun ein Busterminal gebaut wird, schafft man Fakten.»

«Der Hafen hat viel von seinem Charme verloren»

Auch Caroline Rouine, die 2011 mit der Bar Marina den ersten Farbtupfer am Klybeckquai setzte, hat die Nase voll von den Shuttlebussen für die Schiffstouristen: «Sie stinken, machen Lärm und Staub», sagt sie. An Sonntagen würden teilweise über ein Dutzend Cars direkt vor ihrer Bar kehren. «Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Das ist nicht mehr schön.»

Rouine geht davon aus, dass sie in zwei Jahren den Platz räumen muss, wenn ihr Vertrag ausläuft. «Das ist einerseits schade. Aber der Hafen hat auch viel an Charme verloren.»

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