Für den Basler Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher ist die Forderung «nicht utopisch, sondern visionär». Vor allem aber wirkt sie spektakulär: So verlangt eine breit abgestützte Parlamentariergruppe aus dem mehrheitlich links-grünen Lager den Abriss der gesamten Osttangente. Ersetzt werden soll die Stadtautobahn durch eine unterirdische Lösung. Per Motion fordern die Grossräte die Regierung dazu auf, sich beim Bund «behördenverbindlich und nachweisbar» dafür einzusetzen.

Stadtautobahnen seien auf der ganzen Welt ein Problem, argumentieren die Befürworter. Sie würden die Stadtstrukturen zerschneiden und die Bevölkerung mit übermässig Lärm und Luftschadstoffen belasten. «Oberirdisch gehört keine Autobahn durch eine Stadt», findet Grossenbacher. Gerade in einem kleinräumigen Kanton wie Basel-Stadt brauche sie viel zu viel Platz. Die laufende Verdichtung verlange geradezu nach Rückbau und Umverteilung der Strassenfläche. Zum Schutz der Bevölkerung müsse die A2 unter den Boden.

Die Osttangente ist in Basel schon lange umstritten. Die geplante Erweiterung um zwei Fahrspuren scheiterte an breitem Widerstand, worauf der Bund 2014 mit den Rheintunnel-Plänen eine Alternative vorlegte, um den Engpass auf der Osttangente zu beseitigen. Bereits im Frühling hatte der Grosse Rat mit deutlichem Mehr und gegen den Willen der Regierung eine teilweise Einhausung zum verstärkten Lärmschutz verlangt, um eine akzeptable Wohnqualität entlang der Osttangente sicherzustellen. Nun wird gleich eine «ganzheitliche Tunnellösung» gefordert.

Für Grossenbacher wäre ein unterirdischer Ersatz der Osttangente aber nicht zusätzlich zum vom Bund geplanten 1,4-Milliarden-Rheintunnel gedacht. «Die Planung wollen wir aufgreifen», sagt er. Der Rheintunnel solle entsprechend redimensioniert werden, sodass dessen Kosten sinken würden und Gesamtplanung keine zusätzliche Kapazitätserweiterung mit sich brächte.

«Der Widerstand wird gross sein»

Die Befürworter verweisen darauf, dass sich immer mehr Städte wie Prag, München, oder Linz dazu entschieden hätten, ihre Stadtautobahnen unter den Boden zu verlegen. Auch in den USA planten viele Metropolen, ihre Stadtautobahn durch neue Wohnquartiere, Parks oder Gewerbegebiete zu ersetzen. Und die südkoreanische Hauptstadt Seoul habe dies bereits erfolgreich umgesetzt.

Bleiben die enormen Kosten, die mit dem Abriss der Osttangente und einer Tunnellösung entstünden. Zumindest teilweise seien diese durch die Neunutzung der hinzugewonnenen Fläche zu kompensieren, sind Grossenbacher und seine Mitstreiter überzeugt. Ansonsten aber gelte es, bei geplanten Verkehrsprojekten Prioritäten zu setzen. So könne etwa auf den Bahnanschluss zum Euro-Airport oder auf den Gundelitunnel verzichtet werden. Damit sei viel Geld zu sparen.

«Baudirektor Hans-Peter Wessels wird kaum begeistert sein. Und beim Bund werden wir zuerst auf völliges Unverständnis stossen», ist sich der Grünen-Grossrat bewusst. Tatsächlich zeigen sich Kanton wie Bund sehr zurückhaltend: Das Bau- und Verkehrsdepartement will sich vorerst nicht zum Vorstoss äussern. Ähnlich tönt es beim Bundesamt für Strassen. Sprecher Thomas Rohrbach verweist allerdings darauf, dass «auch in Basel der grösste Teil des Verkehrs regionaler Verkehr ist», womit er den Sinn eines solchen Projekts infrage stellt.

Für Grossenbacher kommt das nicht überraschend: «Der Widerstand wird gross sein», ist ihm klar. «Aber wir wollen es zumindest versuchen.»