Jean-Marie Zoellé, Maire von Saint-Louis, lässt Dampf ab: «Es ist vollkommen ausgeschlossen, mit dem Bahnanschluss eine 200 Meter breite Schneise durch unser Entwicklungsgebiet zu schlagen. Das ist nicht verhandelbar.»

Der Bahnanschluss soll in zehn Jahren den Euro-Airport (EAP) mit der Bahnlinie Basel–Mulhouse verbinden. Er würde sie beim Bahnhof Saint-Louis verlassen und nördlich des Terminals wieder angeschlossen werden. Die Kosten werden auf 250 Millionen Euro geschätzt. Bis zum 12. Oktober fand dazu ein Mitwirkungsverfahren statt. Neben Saint-Louis haben sich sämtliche Vertreter des Zweckverbands Saint-Louis Agglomération kritisch geäussert. In Basel wird der Bahnanschluss als wichtiger Teil des Herzstücks Regio-S-Bahn gesehen. Fundamentale Kritik kommt vor allem von den Grünen.

Zoellé kritisiert: «Die Pariser Technokraten, die für die Planung zuständig sind, berücksichtigen nicht, dass hier Menschen leben, und haben sich die Situation wohl nur auf Google Maps angesehen.» Hintergrund: Zwischen Flughafen und Bahnhof von Saint-Louis sollen ein grosses Einkaufszentrum, Büros, ein Golf und Parks entstehen.

Mit Viadukt sicherlich teurer

Denkbar ist der Bahnanschluss für den Maire nur mit einem Viadukt. Dass das teuer wird, ist ihm klar. «Die 250 Millionen Euro dürften mit Sicherheit nicht reichen.» Sorgen macht ihm auch der Bahnlärm. «Es werden zusätzlich 154 S-Bahnzüge durch die Stadt fahren. Das scheint niemand zu beunruhigen.» Aber nicht nur die Pariser Behörden bekommen ihr Fett ab, Zoellé ist auch mit Basel nicht zufrieden. «Wir haben nie direkt mit den Basler Politikern über das Projekt gesprochen und uns ausgetauscht. Es wird über unseren Kopf hinweg geplant.» Er werde einen «tour de table», ein gemeinsames Gespräch, zum Bahnprojekt einfordern.

Beim Basler Wirtschaftsdirektor und Mitglied des EAP-Verwaltungsrats Christoph Brutschin rennt er offene Türen ein. «Wenn es Gesprächsbedarf gibt, werde ich mich dem nicht verschliessen.» Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD), weist darauf hin, dass es mit dem «Comité de Pilotage» bereits ein begleitendes Gremium zum Bahnanschluss gibt, in dem Frankreich, das Elsass, die Schweiz und auch Basel vertreten seien. Zudem liege die Planung bei den französischen Behörden.

Zoellé kritisiert, dass die meisten Passagiere aus der Schweiz kämen, aber Frankreich den Löwenanteil der Bahnanschluss-Kosten übernehmen soll. «Die Schweiz und Basel müssten mehr als vorgesehen bezahlen.» Brutschin hält es für wenig sinnvoll, bei den Kosten Vor- und Nachteile gegenseitig aufzurechnen. «Schliesslich kommen ja vier Fünftel der EAP-Mitarbeiter aus dem Elsass, und wir hoffen, dass auch sie den Bahnanschluss benutzen.»

Laut Bundesamt für Verkehr wird die Finanzierungsvereinbarung erst vorbereitet. «Über die Aufteilung der Gesamtkosten auf die beiden Staaten kann noch nichts gesagt werden», so die Medienstelle. Die Bereitschaft des französischen Staates, sich mit einem namhaften Betrag am Projekt zu beteiligen, dürfte mit den kritischen Stellungnahmen aus Saint-Louis nicht steigen.

Nicht überrascht von Kritik

Wessels zeigt sich nicht überrascht von dieser Kritik: «Schon Zoellés Vorgänger Jean Ueberschlag war skeptisch gegenüber dem Bahnanschluss. Dahinter steckt die Befürchtung, links liegen gelassen zu werden.» Zoellé bezeichnet sich nicht als grundsätzlicher Gegner des Bahnanschlusses. Schneller zu haben und viel günstiger sei aber, das 3er-Tram vom Bahnhof Saint-Louis zum EAP zu verlängern. «Es sind nur 1,6 Kilometer zum Flughafen, das Tram könnte im 7,5-Minutentakt fahren.»

Wessels äussert Verständnis für die Idee, sagt aber: «Das Einzugsgebiet des EAP ist viel grösser als Saint-Louis. Ein Bahnanschluss ist unverzichtbar.» Diese Auffassung würden die meisten Elsässer Politiker vertreten. «Saint-Louis ist mit seiner Haltung isoliert.»

Mit juristischen Schritten wird Saint-Louis den Bahnanschluss nicht verhindern können. Das Trassee ist bereits dafür reserviert. Als nächster Schritt folgt 2020 die öffentliche Anhörung zur Gemeinnützigkeit des Projekts. Ein Nein der Standortgemeinde wird da aber durchaus von Gewicht sein. Zumindest hat der Maire erreicht, dass es Anfang Dezember ein Treffen mit den zuständigen Planern der SNCF gibt.