Fernverkehr

Nicht wirtschaftlich genug: Aus für den Nachtzug nach Kopenhagen

Der letzte Pfiff: Morgen fährt der Nachtzug um 18.26 Uhr noch einmal von Basel nach Kopenhagen ab. Dann ist Schluss.

Der letzte Pfiff: Morgen fährt der Nachtzug um 18.26 Uhr noch einmal von Basel nach Kopenhagen ab. Dann ist Schluss.

Es ist das letzte Mal, dass der Nachzug um 18.26 Uhr ab Basel Reisende nach Kopenhagen bringt. Auch der in der Schweiz beliebte Autoreisezug von Lörrach nach Hamburg wird bald definitiv abgeschafft. Kritiker werfen der Bahn Versagen vor.

Morgen Sonntag fährt um 18.26 Uhr das letzte Mal der Nachtzug von Basel nach Kopenhagen – Ankunft in der dänischen Hauptstadt ist um 10.08 Uhr. «Der Zug wurde auch gerne und oft von Familien mit kleinen Kindern benutzt. Nun werden wir buchstäblich auf die Strasse gestellt», schreibt uns eine Leserin und verweist damit auf die Fernbusse.

Die Entscheidung der Deutschen Bahn (DB) und der Dänischen Staatsbahn (DSB), die Verbindung wegen fehlender Wirtschaftlichkeit einzustellen, stösst auch beim VCS beider Basel auf Kritik. «Daran scheint die Bahn nicht unbeteiligt zu sein. Viele Reisende beklagen sich seit längerem über den sukzessive vernachlässigten Service in den Nachtzügen», bemängelt der VCS in einer Medienmitteilung. Gemeint sind: fehlende Velowagen, hoffnungslos veraltetes Rollmaterial, teilweise defekte WCs, zwölfstündige Reisen ohne Speisewagen, schlechte Kommunikation.

Fantasielose Bahn

«Die Bahn ist fantasielos und gibt gegenüber der Konkurrenz widerstandslos Terrain her», kritisiert VCS-Geschäftsführerin Stephanie Fuchs. Sie spricht damit Billig-Airlines und Fernbusse an. Wochenendaufenthalte würden für ökologisch bewusste Zugreisende nur Sinn machen, wenn man bequem über Nacht reisen könne. Der VCS befürchtet, dass bald weitere Nachtzugverbindungen wie Basel–Hamburg und Basel–Amsterdam eingestellt werden.

Laut DB-Sprecher Werner Graf stehen diese ebenso wenig zur Disposition wie der Nachtzug Basel–Berlin. Aber an der Entscheidung, die Linie nach Kopenhagen einzustellen, hat auch eine Internetpetition, die bisher 8960 Personen unterzeichnet haben, nichts geändert. Kopenhagen gehört zu den drei unwirtschaftlichsten Nachtzugverbindungen, die gekürzt oder eingestellt werden. Die DB hat 2013 auf diesen bei einem Umsatz von 48 Millionen Euro Verluste von 12 Millionen Euro gemacht. «Der Grossteil der Verbindungen bleibt bestehen», verspricht Graf und betont, dass die frei werdenden Wagen die Verfügbarkeit auf den übrigen Verbindungen erhöhen. «Wir arbeiten an einem Konzept für die Zeit ab Dezember 2015, um dieses Geschäft zukunftsfähig zu machen», fährt er fort, ohne weitere Details mitzuteilen.

2017 Schluss für Autoreisezug

Beschlossen ist hingegen das Aus für die Autoreisezüge. So wird die in der Schweiz beliebte Verbindung Lörrach–Hamburg auf Ende 2017 endgültig eingestellt – 75 bis 80 Prozent der Nutzer kommen aus der Schweiz. Andere Autoreisezüge werden schon vorher gestoppt. «Das klassische Autozug-Geschäft hat sich international überlebt. Die DB ist einer der letzten Anbieter. Der Verkehr mit Autozügen ist sehr schwer wirtschaftlich zu gestalten, da es bei der Nachfrage extreme saisonale Schwankungen gibt», argumentiert Graf und betont, dass 80 Prozent der Kunden in den Sommermonaten von Mai bis Oktober verreisen. Ausserdem müssten viele Transportwagen erneuert werden, was sich aufgrund der geringen Wirtschaftlichkeit nicht rechne. Im «Pilotprojekt Auto+Zug» will die DB Passagiere im Zug und ihre Fahrzeuge auf einem Camion transportieren. Gegen die Aufgabe des Autoreisezugs formiert sich Widerstand. In Südbaden engagiert sich «Pro Schiene Dreiland» gegen das Vorhaben. Auf einer Internetseite zur Rettung des Autoreisezugs heisst es, dass es für die 80 Fahrzeuge auf dem Zug 15 Camions brauche.

Bei der Kritik gegen das Aus für den CNL nach Kopenhagen bekommt auch die SBB ihr Fett ab. So beklagt sich der VCS, dass sich die SBB nicht für ihre Kunden einsetzen. «Der VCS erwartet von den SBB kein Lamento über die Fernbusse, sondern eine engagierte Zusammenarbeit mit CNL», heisst es in der Medienmitteilung.

Bei SBB-Mediensprecher Christian Ginsig stösst das auf Unverständnis. Er verweist auf die DB und ihre Tochter CNL, die ihr Angebot selber definiere.

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