Verkehr
Nichts mit Tunneln: Basler Regierung beharrt auf umstrittener Osttangente

Statt Osttangente eine konsequente Untertunnelung: Davon will die Basler Regierung gar erst etwas wissen. Sie beantragt jetzt, dass der entsprechenden Vorstoss gar nicht erst überwiesen wird.

Daniel Ballmer
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Einer der meistbefahrenen Strassenabschnitte der Schweiz: Die Osttangente.
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So könnte es dereinst in der Breite aussehen: Eindeckelung der Aubrugg in Zürich-Schwamendingen.
Osttangente Basel
Nicht ohne: Der Regierungsrat will einen Ausbau der Autobahn nur mit Lärmschutz.
Ein häufiges Bild: Stau auf der Autobahn A2 im Stadtgebiet von Hagnau bis Gellert.
Die Basler Stadtautobahn ist schon seit Jahrzehnten ein Zankapfel zwischen Anwohnern und Behörden.

Einer der meistbefahrenen Strassenabschnitte der Schweiz: Die Osttangente.

Erich Meyer

Die Gruppe um den grünen Grossrat Thomas Grossenbacher hatte damit gerechnet, dass sie bei Bund und Kanton auf wenig Gegenliebe stossen wird. Und tatsächlich: Von einem Abriss der gesamten Osttangente will die Basler Regierung nichts wissen. Per Motion fordern die Parlamentarier aus dem mehrheitlich links-grünen Lager eine unterirdische Lösung, welche die bestehende Stadtautobahn ersetzen soll. Die Regierung solle sich beim Bund «behördenverbindlich und nachweisbar» dafür einsetzen.

Die Regierung beantragt dem Parlament nun, ihr den Vorstoss gar nicht erst zu überweisen – obwohl sie die Forderung der Motionäre als «grundsätzlich nachvollziehbar» bezeichnet. Denn Stadtautobahnen seien auf der ganzen Welt ein Problem, argumentieren die Befürworter. Sie würden die Stadtstrukturen zerschneiden und die Bevölkerung mit übermässig Lärm und Luftschadstoffen belasten. Oberirdisch gehöre keine Autobahn durch eine Stadt. Gerade in einem kleinräumigen Kanton wie Basel-Stadt brauche sie viel zu viel Platz. Die laufende Verdichtung verlange geradezu nach Rückbau und Umverteilung der Strassenfläche. Zum Schutz der Bevölkerung müsse die A 2 unter den Boden.

Umstritten und mit Lärmschutz versehen

Die Osttangente ist in Basel schon lange umstritten. Die geplante Erweiterung um zwei Fahrspuren scheiterte an breitem Widerstand, worauf der Bund 2014 mit den Rheintunnel-Plänen eine Alternative vorlegte, um den Engpass auf der Osttangente zu beseitigen. Bereits im vergangenen Frühling hatte der Grosse Rat mit deutlichem Mehr und gegen den Willen der Regierung eine teilweise Einhausung zum verstärkten Lärmschutz verlangt, um eine akzeptable Wohnqualität entlang der Osttangente sicherzustellen. Nun steht die Forderung nach einer «ganzheitlichen Tunnellösung» im Raum.

Für Grossenbacher wäre ein unterirdischer Ersatz der Osttangente aber nicht zusätzlich zum vom Bund geplanten Rheintunnel gedacht. Das 1,4-Milliarden-Projekt solle entsprechend redimensioniert werden, sodass dessen Kosten sinken würden und die Gesamtplanung keine zusätzliche Kapazitätserweiterung mit sich brächte.

Regierung: Engpass wird ohnehin reduziert

Bleiben die enormen Kosten, die mit dem Abriss der Osttangente und einer Tunnellösung entstünden. Zumindest teilweise seien sie durch die Neunutzung der hinzugewonnenen Fläche zu kompensieren, meinen die Befürworter. Ansonsten aber gelte es, bei geplanten Verkehrsprojekten Prioritäten zu setzen. So könne etwa auf den Bahnanschluss zum Euro-Airport oder auf den Gundelitunnel verzichtet werden. Damit sei viel Geld zu sparen.

Der Regierungsrat aber hält gar nichts davon: Aus verkehrsplanerischer und bautechnischer Sicht seien die Pläne schwer oder gar nicht umsetzbar. Aber: Mit dem Rheintunnel werde der Engpass auf der Osttangente ohnehin reduziert – gerade auch wegen ihres «vehementen Einsatzes», wirbt die Regierung in eigener Sache. Den Einsatz Dritter scheint sie daneben für unnötig zu empfinden.