Neugierig kommen die beiden jungen Gemsen in die Nähe des Zauns, zuerst eine, die zweite folgt zögerlich. «Die Jungtiere sind Weibchen», sagt Bruno Ris, Tierparkleiter der Langen Erlen. Die Tiere leben in einem Kindergarten. «Sie werden innerhalb von der Gruppe aufgezogen», sagt Ris. Jeweils ein erwachsenes Tier schützt die Jungen.

«Es ist toll, dass der Nachwuchs gemeinsam aufwachsen kann.» So würden die Tiere ihre Fähigkeiten spielerisch aneinander messen - ein gutes Training für das spätere Leben.

Ein Zuchterfolg und Neuheiten

Ein Besuch im Tierpark lange Erlen lohnt sich in den nächsten Tagen gleich mehrfach: Verschiedene Arten haben Jungtiere.

Einen Zuchterfolg verzeichnen kann der Tierpark bei den mesopotamischen Damhirschen. «Wir haben das erste Mal Nachwuchs bei dieser gefährdeten Art», sagt Ris. Ursprünglich seien es zwei Kieze gewesen, doch ein Fuchs habe eines gerissen.

«Die Art existiert in freier Wildbahn nicht mehr», erklärt der Tierparkleiter weiter. Man gehe davon aus, dass die letzten frei lebenden Tiere, die im Gebiet des Iran und Iraks heimisch waren, dem Krieg zum Opfer gefallen sind.

Der Tierpark Lange Erlen ist Partner der Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, dass vom Zoo Berlin koordiniert wird. «Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg», sagt Edwin Tschopp, Geschäftsführer des Erlen-Vereins Basel.

Auch bei den Kapuzineräffchen gibt es ein Junges. Noch klammert es sich auf den Rücken der Mutter fest. «Es befindet sich jetzt in einer kritischen Phase», sagt Ris. Verliert das Kleine den Halt, ist es stark gefährdet. Dies könne passieren, wenn ein ranghöheres Weibchen eifersüchtig werde und den Nachwuchs stehlen wolle. «Bei diesen Rangeleien sind die Kleinen in Gefahr», sagt Ris.

Das Kapuzineräffchen wurde letzte Woche geboren, am Sonntag kam es bei den Wildschweinen zum zweiten Wurf Frischlinge in diesem Jahr. «Die jungen Säue sind noch bei der Mutter im Stall und werden erst in etwa zehn Tagen im Aussengehege zu sehen sein», sagt Ris.

Neuerungen bei den Gehegen

Suchen muss man den Nachwuchs in der Voliere neben dem Restaurant. «Die Zwergtaucherküken sind nur unwesentlich grösser als Hummeln», sagt der Tierparkleiter lachend. Sie befinden sich noch auf dem Rücken der Mutter oder des Vaters. «Die Eltern fungieren im Moment als Boot», sagt Ris. Wenn es kalt wird, verstecken sich die Küken unter den Flügel der Eltern, weil es dort warm ist.

In der Langen Erlen kann man nicht nur den Nachwuchs bestaunen, sondern auch neue Gehege. Auf der Anlage der Fehkaninchen ist der mittlere Käfig komplett eingezäunt. «Wir mussten die Kaninchen bisher am Abend immer in den Stall sperren, um sie vor Füchsen und Mardern zu schützen», sagt Ris. Das sei besonders in den Sommermonaten störend gewesen. «Dank dem Drahtgeflecht können die Tiere abends länger draussen bleiben, denn die sechs Ställe sind miteinander verbunden.»

Der neue Käfig konnte anhand von Spenden realisiert werden. «Uns ist es wichtig, auch Personen, die gerne eine kleinere Spende machen möchten, konkrete Projekte anbieten zu können, an denen sie sich beteiligen können», sagt Tschopp.

Dank einer solchen Spende des Ehepaars Hunzikers stehen heute im ganzen Park Wegweiser. «Sie sind grün, damit sie als Orientierungshilfe dienen, ohne zu sehr aus der Umgebung herauszustechen», sagt Tschopp.