Sanierunsplanung

Niemand will die Elisabethenkirche retten: Während sie zerfällt, streiten sich Regierung und Kirche ums Geld

Alt trifft auf Neu: Drohnen vermessen die Elisabethenkirche. (zvg)

Alt trifft auf Neu: Drohnen vermessen die Elisabethenkirche. (zvg)

Während die Elisabethenkirche zerfällt, streiten sich der Regierungrat und die Kirche ums Geld. Jetzt ertönt auch Kritik aus dem Parlament.

Der Sandstein bröckelt, die Glocken bimmeln schon lange nicht mehr und der Kirchturm darf aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Hochmoderne Drohnen kontrastierten Anfang des Jahres die zerfallende Elisabethenkirche. Sie schwirrten um das neugotische Bauwerk und schossen rund 17'000 Fotos der Fassade.

Das Planungsunternehmen HMQ vermass damals die Elisabethenkirche, um für die Sanierunsplanung realistische Bilder digitalisieren zu können. Nun sei die riesige Datenmenge verarbeitet und übermittelt worden, wie HMQ-Geschäftsführer Christian Vesch bestätigt. Die Regierung und die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt (ERK) streiten sich derweil immer noch um die Finanzierung der dringend benötigten Renovation.

Auch im Grossen Rat werden Stimmen laut

Gestern reichte die LDP-Grossrätin Catherine Alioth eine Interpellation bezüglich der Sanierung ein. Sie will wissen, ob die Regierung überhaupt an der Rettung der Kirche interessiert sei und wie sie gedenke, das Projekt zu finanzieren. Schon seit längerer Zeit ist der Handlungsbedarf bekannt. Jetzt sei es aber an der Zeit, das Projekt endlich ernsthaft anzustossen. «Die Sanierung ist eine Priorität, die auf der Liste auch aus Sicherheitsgründen nach oben gerutscht ist», sagt Alioth gegenüber der bz.

In der Mitverantwortung sieht sie die Christoph-Merian-Stiftung (CMS). Diese habe das Bauwerk als Stifterin errichtet und stehe deshalb «in einer moralischen Verpflichtung, Mittel für den Unterhalt beizusteuern». CMS-Sprecherin Elisabeth Pestalozzi erwidert auf Alioths Vorwurf, dass die Stiftung die ERK bereits 2015 mit dem Abkauf des Elisabethen-Pfarrhauses unterstützt habe. Der Erlös von 2,5 Millionen sei schon damals für die anstehende Sanierung gedacht gewesen. Ausserdem sprach die Stiftung dieses Jahr nochmals zwei Millionen.

Doch das reicht bei weitem nicht aus: Rund 13,2 Millionen Franken soll das Projekt kosten. Wer für den Rest aufkommt, ist weiterhin unklar. Die Mittel der ERK seien aufgrund des andauernden Mitgliederschwunds knapp, kommentiert Mediensprecher Matthias Zehnder. Das Projekt könne aber sowieso noch nicht starten: Erstens laufe die Diskussion zwischen CMS, Kanton und Kirche betreffend der Finanzierung nach wie vor. Zweitens sei auch der Umfang der nötigen Reparaturen noch nicht abschliessend geklärt. Gesetzt sei bisher lediglich die Schätzung, dass die Renovation von Turmhelm und Oktogon rund 7,2 Millionen Franken kosten solle.

Im Zweifelsfall gegen den Grundbucheintrag

Im Moment ist die Elisabethenkirche im Besitz der ERK, genutzt wird sie vom ökumenischen Verein «Offene Kirche Elisabethen». Im Extremfall stünde der ERK ein letzter Ausweg aus dem finanziellen Dilemma offen. Die Ultima Ratio spricht Alioth in der letzten Frage ihrer Interpellation an: Falls sich die ERK gezwungen sieht, könnte sie die Eigentumsrechte an der Kirche an den Kanton übergeben. Somit wäre sie nicht mehr für die Instandhaltung verantwortlich. Zehnder legt die Erwägung dieser Option mit seiner Aussage nahe: Die Offene Kirche sei ein wichtiges Projekt – aber nicht an die Kirche gebunden.

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