Dienstag, 2. Oktober, 12.30 Uhr. In der Basler Markthalle herrscht gähnende Leere. Das im April mit Pomp eröffnete neue Shoppingcenter beim Bahnhof SBB funktioniert nicht. Daran ändert auch die Event-Veranstaltung «Schatzkammer von Marrakesch» nicht viel. Die Aussteller verlieren sich in der Halle, ein paar Kinder spielen, ein Gast sitzt einsam an der neuen Bar. Tristesse pur.

Auch mit der nächsten Veranstaltung harzt es. Vom 15. bis 20. Oktober soll der Kuppelbau in Zusammenarbeit mit dem Boxclub Basel in eine Box-Arena verwandelt werden. Höhepunkt ist am 20. Oktober ein Kampf mit dem 27-jährigen Prattler Profiboxer Arnold Gjergjaj, dem Aushängeschild des Boxclubs Basel. Der neue Markthalle-Center-Leiter Philipp Schoch spricht von einer «hochkarätigen Boxnacht mit nationalen und internationalen Boxgrössen».

Zu wenig Vorlauf?

Das ist hoch gegriffen. In sechs Amateurkämpfen wird sich der Boxclub Basel mit dem russischen Boxclub Dynamo Moskau messen. Auch die Berner Profi-Boxerin Anya Seki hat einen Auftritt. Zum im Juli im «Sonntag» angekündigten Intercontinental-Titelkampf – es wäre der erste in Gjergjajs Karriere – wird es höchstwahrscheinlich aber nicht kommen. Manager Angelo Gallina, auch Präsident des Boxclubs Basel, konnte sich bisher mit keinem der unzähligen Verbände einigen, die einen solchen Titel im Angebot führen. «Wahrscheinlich hat er viel zu spät angefangen zu suchen», vermutet Peter Stucki, Präsident der Berufsbox-Kommission von Swiss Boxing, dem Schweizerischen Boxverband. «Das braucht ein halbes Jahr Vorlauf.»

Gallina, der gemäss eigenen Angaben seit April am Verhandeln ist, setzte ursprünglich auf den World-Boxing-Forum-Verband. Diese Kooperation zerschlug sich aber ebenso wie später die mit der Global Boxing Union, bei der Stucki laut Gallina sein Veto eingelegt habe. Zerschlagen hat sich auch die Zusammenarbeit mit der Union Francophone de Boxe mit dem in Deutschland lizenzierten Ghanaer Ben Nsafoah. Stucki, gleichzeitig Präsident dieser Union Francophone de Box, habe Nsafoah abgelehnt, sagt Gallina. Der Manager ist mit Gjergjaj bei Swiss Boxing lizenziert und auf das Einverständnis des Schweizerischen Boxverbands angewiesen. «Es ist nicht einfach, sich in der Schweizer Boxszene einen Durchblick zu verschaffen und gewisse Ziele zu erreichen», sagt er.

Kampf-Niveau erforderlich

Stucki, der in Bern als Anwalt tätig ist, lässt diese Kritik nicht unwidersprochen. «Wir wollen das Boxen fördern, wir wollen aber nicht jedes Boxen fördern», sagt er. «Die Kämpfe sollten ein gewisses Niveau aufweisen. Und das können sie nicht mit allen Verbänden und allen Boxern.» Die Global Boxing Union sei «unter aller Würde», sagt Stucki. «Das sportliche Niveau ist zu tief.» Und zum Ghanaer Nsafoah sagt er, dieser sei «nicht klassiert» bei der Union Francophone de Box. «Ich bin zwar Präsident. Ich befehle aber nicht. Es war ein Mehrheitsbeschluss.»

Gallina wirkt nach der langwierigen Suchaktion etwas ratlos. «Ein Titelkampf hätte Sinn gemacht», sagt er. Gjergjaj sei «gut unterwegs». «The Cobra», wie Gjergjaj geheissen wird, hat seine 17 Kämpfe alle gewonnen. Elf durch Knockout. Zuletzt am 15. September im Grand Casino Basel, als er den Deutschen Alexander «den Grossen» Kahl nach einer Minute und 18 Sekunden bezwang.

Für Gallina geht die Welt ohne Titelkampf nicht unter. «Wir müssen Geduld haben», sagt er. Er habe immerhin wertvolle Erfahrungen gesammelt und Kontakte geknüpft. Bei einem Titelkampf hätte er zudem tief in die Tasche greifen müssen. Es ist mit Kosten von 20000 bis 30000 Franken zu rechnen.

Auch noch Doping

Im Falle, dass es mit dem Titelkampf nicht funktioniert, sucht Gallina parallel einen Gegner für einen «gewöhnlichen» Kampf in der Markthalle. «Die Hauptsache ist, dass Arnold kämpft», sagt er. Gjergjaj bereitet sich seit längerem intensiv auf den Event in der Markthalle vor, auch mit Sparringpartnern im Ausland. Diese Woche, schien es, als habe Gallina endlich einen Gegner gefunden. Den Ukrainer Oleksiy Mazikin. Doch auch dies zerschlug sich vor Vertragsunterzeichnung. Er habe Hinweise erhalten, dass Mazikin womöglich auf die Dopingliste komme, sagt Gallina. «Dieses Risiko war mir zu gross.» Gallina, der von «Irrwegen» und einem «Wirrwarr» spricht, hat die Hoffnung nicht aufgegeben. «Ich habe noch Optionen», sagt er. «Der Kampf findet statt.»

Stucki von Swiss Boxing versucht zu beschwichtigen. Er finde es «nicht schlimm», wenn es in der Markthalle nun nicht zu einem Titelkampf komme. «Vielleicht zieht Gallina ja seine Lehren und es klappt beim nächsten Mal.»

Ein nächstes Mal mit Swiss Boxing gibt es womöglich gar nicht. «Wir müssen uns Alternativen zum Schweizer Verband überlegen», sagt Gallina. Die Einwände von Stucki hätten eine «gewisse Berechtigung». In anderen Ländern, etwa Deutschland oder Österreich, sei es jedoch bedeutend einfacher, Boxveranstaltungen durchzuführen. Er möchte den Schwarzen Peter nicht hin- und herschieben, sagt Gallina. Er könne aber «keine Garantie abgeben», ewig bei Swiss Boxing lizenziert zu sein.

Markthalle-Center-Leiter Schoch ist überzeugt, dass der Kampf mit Gjergjaj am 20. Oktober stattfindet. «Sein Gegner wird mit dem Start des Ticketverkaufs am 8. Oktober bekannt gegeben», sagt er. Das ist morgen Montag.