Historisches Museum

Nietzsche und die Brandstifter: Ein Fehlalarm, ein Playboy und die Wirrungen der Basler Justiz

Das Historische Museum in Basel. (Archivbild)

Das Historische Museum in Basel. (Archivbild)

Die Basler Nietzsche-Ausstellung wurde durch einen Wasserschaden beendet und die Justiz fahndet nach dem Auslöser eines Fehlalarms.

Am Anfang stand die Idee. In Basel soll zum 175. Geburtstag des Philosophen Friedrich Nietzsche und zu dessen Ehre eine grosse Ausstellung stattfinden. Der Anlass schien doppelt passend, da genau 150 Jahre verstrichen waren, seit Nietzsche noch als Student eine Professur der Universität Basel angeboten erhielt. Diese war finanziert von der besseren Basler Gesellschaft, die auch noch regelmässig Geld überwies, als der Denker schon in die geistige Umnachtung fiel. Nietzsche wurde dadurch integraler Teil der Basler Geistesgeschichte.

So grossartig die Idee im kleinen Kreis des Historischen Museum empfunden wurde, so bescheiden war die Resonanz, als sich Museumsdirektor Marc Fehlmann auf Geldsuche machte. Was folgte, war eine Serie von Pleiten, Pech und Peinlichkeiten.

Pein 1: Das Historische Museum zeigt sich käuflich

Durch Vermittlung eines Philosophenfreundes landete Fehlmann beim exzentrischen Playboy-Millionär und Nietzsche-Fan Peter Buser. Dieser rettete die Ausstellung, indem er 400000 Franken frei machte. Allerdings unter der Bedingung, das Museum habe ihm bei einem Symposium zur Seite zu stehen. Dessen Titel «Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne» war nicht nur Provokation, sondern auch Programm – und damit wäre der Sponsor als Geldgeber für das staatliche Museum eigentlich disqualifiziert gewesen. Doch Fehlmann brauchte das Geld und nahm es.

Das Symposium, das im Vorfeld schon umstritten war, fand am 7. Dezember in der Aula des Naturhistorischen Museums statt. Die Polizei war vorgewarnt und hatte nach Auskunft des Veranstalters Zivilfahnder unter das Publikum gemischt. Die Überraschung war denn auch mehr gespielt, als rund zwanzig junge Linksaktivisten mit einem Banner den Saal enterten und gestottert ein Manifest verlasen, das zuvor auf rosa Papier verteilt worden war.

«Endlich passiert etwas Spannendes», sagte eine der Podiumsteilnehmerinnen, um enttäuscht feststellen zu müssen, dass die intellektuelle Performance der Demonstrierenden jene des Geldgebers nicht übertraf. Der Spuk hatte nur knapp drei Minuten gedauert, dann war er vorbei. Buser sagte lakonisch, dies sei wohl eine Demonstration des modernen Zeitgeistes gewesen.

Der Gastgeber war immer noch daran, seine Symposiumsgäste vorzustellen, als der Feuermelder sechs Minuten später loshornte. «Achtung, Achtung – die Liegenschaft muss evakuiert werden», hallte es von einem Band und in englischer Übersetzung. Es dauerte weitere Minuten, bis der Aufforderung Folge geleistet wurde. Zu offensichtlich handelte es sich um einen Fehlalarm. Draussen wurden die Gäste von der Feuerwehr und der Polizei erwartet, die sich besonders um jene kümmerte, dessen Outfit sie als mögliche Demonstranten kennzeichnete.

Pein 2: Die Polizei ermittelt gen einen Journalisten

Von zehn Personen erfasste die Polizei die Personalien, unter ihnen war auch der Berichterstatter dieser Zeitung. Dieser hatte sich zu den Demonstranten gesellt, um mit ihnen zu sprechen, so wie er zuvor mit den Gästen des Symposiums gesprochen hatte. Für die Polizei gehörte er dadurch jedoch zu den Verdächtigten. Die Polizisten wurden zwar noch vor Ort über die Funktion des Journalisten aufgeklärt, doch dies kümmerte sie ebenso wenig wie ein zusätzliches Schreiben der Zeitung am Folgetag. Mehr noch, die Akte wanderte als Anzeige zur Staatsanwaltschaft, die den Journalisten als Beschuldigten befragte.

Pein 3: Ein Wasserschaden beendet das Schauspiel

Offenkundig meint ein Zeuge einen Hinweis gegeben zu haben, der einen Verdacht gegen den Medienschaffenden überhaupt erst erlaubt. Die Ermittler hätten allerdings auch – wie die Redaktion – die Videoaufnahmen des Anlasses sichten können. Und diese zeigen mehrfach, dass der Journalist vor wie nach den Demonstranten im Saal war und nach dem ausgelösten Feueralarm weiterhin am gleichen Platz in der ersten Reihe seiner Arbeit nachging.

Es hätte des Belegs nicht noch bedurft, um das Projekt Nietzsche als Abfolge von Chaos und Ungenügen darzustellen. Doch am 23. Februar musste das Historische Museum die Ausstellung im Untergeschoss der Barfüsserkirche vorzeitig abbrechen. Bauarbeiten beim benachbarten Stadtcasino führten zu einem Riss in der Decke und zu einem Wassereinbruch. Statt eines vermeintlichen Feuerschadens beim Symposium war es nun zu einem tatsächlichen Wasserschaden gekommen.

Immerhin 22'000 Besucher hatten davor gesehen, was von der grossen Nietzsche-Idee geblieben war.

Autor

Christian Mensch

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