Ausstellung
Niklaus Troxler: «Jazz und Bild – mich fasziniert beides»

Eine Auswahl von Niklaus Troxlers Jazzplakaten ist im Rappaz-Museum in Basel ausgestellt.

Christoph Dieffenbacher
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Mit der Erfindung des Jazzfestivals Willisau, seiner Programmarbeit und seiner Plakatgestaltung schrieb Niklaus Troxler ein Stück Schweizer Jazzgeschichte.

Mit der Erfindung des Jazzfestivals Willisau, seiner Programmarbeit und seiner Plakatgestaltung schrieb Niklaus Troxler ein Stück Schweizer Jazzgeschichte.

Nicole Nars-Zimmer

Willisau — das ist seit einem halben Jahrhundert ein Markenzeichen für zeitgenössischen Jazz auf hohem Niveau. Konzertveranstalter und Grafiker Niklaus Troxler, der bald 70 wird, hat die ganze Zeit über die Plakate für das Festival gestaltet. Früher von Sammlern von den Plakatwänden gerissen, geniessen sie heute auch bei Museen Kultstatus. «Einen typisch eigenen Stil wollte ich immer vermeiden», sagt der international bekannte Gestalter in seinem weichen Innerschweizer Dialekt, während die Ausstellung im Basler Rappaz-Museum vorbereitet wird. Er erinnert sich meist noch, wann und wie seine Plakate entstanden sind. In seiner Jugend in Willisau spielte er selber Trompete und Posaune, doch zum Jazzfan wurde er vor allem als Zuhörer.

Niklaus Troxler, wenn Sie nach über 50 Jahren Jazzkonzerten zurückschauen: Gab es in dieser Zeit einen besonderen Moment?

Niklaus Troxler: Der Höhepunkt war für mich der Durchbruch zum Festival im Jahr 1975, nachdem die Einzelkonzerte neun Jahre lang zunehmend Erfolg hatten. So hatte ich zum Beispiel schon Anfang der 1970er-Jahre Musiker wie Keith Jarrett und Chick Corea mit sensationellen Einzelauftritten auf der Konzertbühne. Wichtig war vor allem der damalige Entscheid, ein Festival zu organisieren. Es konnte bis heute seinen guten Ruf behalten.

Dazu haben Sie von Anfang an die Plakate selbst geschaffen ...

Als ich zu Beginn die Plakate gestaltet habe, steckte ich ja noch in der Typografen-Ausbildung in Luzern. Schon für das erste Konzert im «Kreuz»-Saal in Willisau, das ich zusammen mit Pfadikollegen organisierte, entwarf ich einen Linolschnitt. Von da an liefen die Organisation von Jazzkonzerten und die Gestaltung der Plakate immer nebeneinander her — von Beruf war ich zwar Grafiker, aber gleichzeitig immer auch Konzertveranstalter.

Sein eigener Auftraggeber zu sein, war das eine gute Kombination?

Ja, aber ich war mir selbst gegenüber immer ein sehr anspruchsvoller Auftraggeber. Denn ich hatte für mich immer den Anspruch, Plakate zu machen, die den Konzerten auch entsprachen, die ihre Atmosphäre adäquat wiedergaben.

Wie ging das genau vor sich?

Immer wieder anders. Oft gab der direkte Kontakt oder der Bandname den Anstoss für eine Plakatidee. So führte ich mit dem Jazzer George Coleman endlos lange Telefongespräche, bis es mit seinem Auftritt endlich klappte. Auf dem Plakat sieht man ihn als «Call-Man» mit einem stilisierten Telefon. Ein anderes Plakat hat die Form eines Luftpostcouverts. Oder ich liess mich von der Herkunft eines Stils inspirieren und machte ein Plakat, das an Brasilien erinnert.

Es gibt Elemente, die Musik und Bild miteinander verbinden, wie Rhythmus, Struktur, Klangfarbe, Abstraktion, Variation. Wie sind Sie konkret bei der Plakatgestaltung vorgegangen?

Dieser Prozess verlief auf verschiedenen Wegen. Ein Vorteil war natürlich, dass ich das Programm bereits kannte und auch eine direkte Beziehung zu den Jazzern hatte. In den Anfangsjahren gab es ja noch keine Agenturen, man verhandelte mit den Musikern
direkt. Ein Konzept für die Jazzplakate hatte ich nie, und darüber bin ich heute sehr froh. Ich habe mir früh angewöhnt, immer wieder zurück auf null zu gehen und es nicht gleich zu machen wie in den Jahren vorher.

Welchen Bezug hatten Sie zur Musik?

Nicht, dass ich die Töne direkt umsetzen wollte, das war gar nicht möglich. Wichtig war für mich die Herausforderung, in den Plakaten so frei und offen zu sein, wie es der Jazz für mich ist. Ich wollte die Verschiedenartigkeit der Musikszene selbst wiedergeben. Die Bands und die einzelnen Musiker haben alle eine andere Ausdrucksweise, und auch der Jazz verändert sich laufend. Alles, was ich an ihm spannend finde, fasziniert mich auch am Bild: die Mischung aus Komposition und Offenheit, damit auch die Improvisation und der Zufall. In der zweidimensionalität ist in Farbe und Form alles möglich. Dabei habe ich mir einige Einschränkungen selbst auferlegt. So habe ich immer darauf verzichtet, auf den Plakaten Fotos zu verwenden. Und: Wenn ich mit einem Musiker gut befreundet war, hat mich das eher etwas behindert und eingeengt als befreit.

Ausstellung

Niklaus Troxler Jazz-Plakate. Rappaz-Museum, Klingental 11, Basel. Vernissage heute Donnerstag, 6. April, 18 bis 21 Uhr. Mit Urs Blindenbacher, Meinrad
Buholzer, Niklaus Troxler und dem David-Klein-Trio.

Ausstellung bis 20. Mai. Geöffnet Freitag, 11 bis 18 Uhr, Samstag/Sonntag 11 bis 17 Uhr. In Kooperation mit dem Offbeat-Jazz-Festival Basel, 14. bis 18. Mai. www.rappazmuseum.ch.

Auffallend ist die Ähnlichkeit des modernen Jazz zum Stil Ihrer Plakate, die in ihren Anfängen am ehesten der Pop Art nahestehen. Wie hat sich Ihre Plakatgestaltung im Lauf der Zeit entwickelt?

Man lebt immer in einer bestimmten Zeit, und das gilt für mich als Plakat-
gestalter ganz besonders. Grafik und Design sollen ja auch auf die Gegenwart reagieren, auf sie einwirken oder wenn möglich sogar Dinge vorwegnehmen. Wo ich früher eine stilisierte Bassschnecke oder ein Saxofon gestaltete, war es später eine abstrakte Fläche, auf der sich Schrift abzeichnet oder noch entziffert werden muss. Meine Plakate sind mit der Zeit abstrakter geworden. Aber es war immer der Anspruch da, auf Routine zu verzichten und möglichst offenzubleiben.

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