«Die gefährlichste Tramhaltstelle der Schweiz». Diesen unrühmlichen Titel verlieh die «SonntagsZeitung» dieses Wochenende dem Basler Centralbahnplatz. Die Zeitung hatte die Ereignisdatenbank des Bundesamts für Verkehr ausgewertet und dabei festgestellt, dass Basler Trams landesweit das höchste Unfallrisiko im Verhältnis zu den zurückgelegten Strecken und dem Fahrgastaufkommen haben. Neben dem Centralbahnplatz, an dem alleine in den letzten zwei Jahren sechs Passanten von einem Tram angefahren wurden, rangieren auch der Barfüsserplatz und die Heuwaage unter den Top 5 der gefährlichsten Tramhaltestellen der Schweiz.

Nun fordern Politiker von links bis rechts, dass Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit ergriffen werden. Gestern lancierten sowohl Andrea Knellwolf (CVP) wie auch Beat Schaller (SVP) entsprechende Interpellationen, in denen sie von der Basler Regierung weitere Informationen fordern und wissen wollen, ob und welche Massnahmen geplant sind, um die Situation zu entschärfen.

«Ein Wunder, dass nicht mehr passiert»

Auch Heiner Vischer (LDP) findet, dass etwas geschehen muss. Sein Vorschlag: Entlang der Geleise sollen LED-Lampen eingebaut werden, welche aufleuchten, wenn sich ein Tram nähert. «Eine solche optische Hilfe würde mehr nützen als die hellen Streifen bei den Geleisen, die ja nicht einmal richtig unterhalten werden», sagt Vischer. Die Idee mit den «Warngeleisen» hatte vor sechs Jahren bereits SVP-Grossrat Bruno Jagher aufgebracht. Die Regierung hielt allerdings wenig davon. Das Lichtband könnte irrtümlicherweise als «Lichtinstallation» missverstanden werden oder gar die Aufmerksamkeit der Fussgänger beeinträchtigen. Die Kosten schätzte die Regierung auf rund eine Million Franken. «Man sollte den Vorschlag unbedingt nochmals prüfen», sagt Vischer.

Seine zweite Forderung: Zweiräder sollen den Centralbahnplatz nicht mehr oberirdisch queren dürfen. «Velofahrer müssen zwingend die Unterführung nehmen», sagt Vischer. «Dann hat man bereits ein Gefahrenpotenzial weniger.» Eigentlich sei es ein Wunder, dass nicht mehr passiere.

Diese Einschätzung teilt auch Beat Leuthardt, der im Teilzeitpensum als Tramführer arbeitet. Der Basta-Grossrat findet klare Worte: «Es ist eine verzweifelte Situation, es herrscht Notstand. Der Centralbahnplatz ist eine katastrophale Fehlplanung. Der Konflikt zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern ist vorprogrammiert.» Es komme nur deshalb nicht zu noch mehr Unfällen, «weil alle gegenseitig sensationell aufeinander Rücksicht nehmen». Für Tram, Velo und zu Fuss herrsche dort «jeden Tag eine Situation wie an der Fasnacht». Neben kleineren Verbesserungsmassnahmen sind seiner Ansicht nach grundlegende Massnahmen notwendig: «Es braucht unverzüglich einen Kredit, um den Platz umzugestalten, zu entflechten und die Konfliktzonen zu entschärfen», sagt Leuthardt. Ausserdem fordert er, dass auf Höhe Markthalle eine zweite Drehscheibe für Passagiere bestehender Tramlinien sowie einer neuen Tramlinie 30 etabliert und der Centralbahnplatz so vom Pendlerdruck entlastet werde.

«Nicht als Unfallschwerpunkt bekannt»

«Jeder Unfall ist einer zu viel», sagt Benjamin Schmid von der BVB. Gleichzeitig gelte es, die Unfallzahlen ins Verhältnis zu setzen zur Gesamtzahl Personen, Trams und Bussen, welche diesen Platz täglich queren: Mit rund 60 000 Einsteigern gehöre der Centralbahnplatz zu den am stärksten frequentierten Drehscheiben. An der Heuwaage und am Barfüsserplatz präsentiere sich ein ähnliches Bild, wobei dort zusätzlich noch Velo- und Autoverkehr vorhanden sei. Die BVB befände sich im regelmässigen Austausch mit den zuständigen Stellen und prüfe laufend Möglichkeiten zur Verbesserung der Sicherheit. «Zum Centralbahnplatz ist festzuhalten, dass beim Bau- und Verkehrsdepartement in den letzten Jahren kein Antrag auf Verbesserung der Sicherheit gestellt worden ist», sagt Sprecher André Frauchiger. Barfüsserplatz und Heuwaage seien ebenfalls nicht als Unfallschwerpunkte bekannt.

Neben der räumlichen Situation bestehe aber noch ein anderes Sicherheitsproblem, sagt Gewerkschafterin Toya Krummenacher: der zunehmende Druck auf die BVB-Angestellten. «Die Tramführer müssen immer für die Fahrgäste ansprechbar sein, das ist eine riesige Belastung.» Die Wagenführer seien in einem Clinch. «Sie verstehen sich zwar als Dienstleister, können aber nicht immer zur Verfügung stehen, ohne dass die Konzentration darunter leidet. Da würden sie sich mehr Unterstützung durch die BVB wünschen bei der Sensibilisierung der Fahrgäste.» Zusätzlich verschärft würde das Thema durch die Arbeitszeiten: «Die BVB ist gefordert, mit sozial- und gesundheitsverträglichen Dienstplänen dafür zu sorgen, dass die Sicherheit jederzeit bestmöglich gewährleistet ist.» Die BVB sagt, sie erkenne keinen Zusammenhang zwischen Unfällen, die in erster Linie durch Unaufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer zustande kommen und einer Unzufriedenheit bei den Mitarbeitenden.