Teuerung
Nirgends steigen die Preise so stark wie in Basel – die Löhne könnten folgen

Im vergangenen Jahr hatte Basel seit acht Jahren erstmals wieder eine markante Teuerung zu verzeichnen. Schuld sind die Wohn- und Gesundheitskosten. Das ist Munition für die Gewerkschaften.

Leif Simonsen
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Der Basler Index der Konsumentenpreise geht von einem fiktiven Warenkorb aus, der abbildet, wie die Basler durchschnittlich ihr Geld ausgeben.

Der Basler Index der Konsumentenpreise geht von einem fiktiven Warenkorb aus, der abbildet, wie die Basler durchschnittlich ihr Geld ausgeben.

bz

In keiner anderen Schweizer Stadt ist das Leben so viel teurer geworden wie in Basel im vergangenen Jahr. Vorbei ist die Zeit, in der die Preise gleich bleiben – und sogar günstiger werden. Im vergangenen Jahr stiegen sie gleich um 0,8 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 2010, wie das Statistische Amt festhält. Den grössten Einfluss auf die schweizweit höchste Inflation haben die Kosten fürs Wohnen, wobei auch die Kosten für die Energie – etwa die Heizkosten – mit eingerechnet sind. Alleine in den vergangenen zwei Jahren stiegen diese Kosten in Basel um über drei Prozent. Über die vergangenen zehn Jahre stiegen die Mietpreise um knapp 15 Prozent, wie sich dem Mietpreisindex entnehmen lässt. Hans Markus Herren, Bereichsleiter Konsumentenpreise, sagt: «Ein Drittel der Differenz zwischen der durchschnittlichen Jahresteuerung im Landesindex der Konsumentenpreise und derjenigen des Basler Index’ erklärt sich durch die Wohnungsmieten.»

Statistik.bs.ch

Nachrichtenübermittlung günstiger

Im gleichen Stil schlagen die Energiepreise zu Buche. Sie machen ebenfalls ein Drittel der unterschiedlichen Teuerung zwischen Basel und der restlichen Schweiz aus.

Da hilft es nicht, dass das Leben in anderen Bereichen günstiger wird. Im Bereich der «Nachrichtenübermittlung», worunter das Telefonieren fällt oder die SMS, die mittlerweile fast von den kostenlosen Whatsapps abgelöst worden sind, sind die Preise seit Jahren am Fallen. In den vergangenen zehn Jahren haben die Mobilfunkanbieter ihre Angebote um über
20 Prozent gesenkt. Das alleine vermag die Portemonnaies der Basler nicht entscheidend zu entlasten – schliesslich geben sie prozentual viel mehr fürs Wohnen aus als fürs Telefonieren.

Bedeutend stärker ins Gewicht fallen aber die Gesundheitskosten, vor allem durch die steigenden Krankenkassenprämien. Mittlerweile geben die Basler 15 Prozent ihres Budgets für die Gesundheit aus, Tendenz jährlich steigend. Auch hier stellt Herren eine stark überdurchschnittliche Steigerung im Vergleich zur Restschweiz fest. Unaufhaltsam scheint zudem teurer zu werden, was Spass macht. Die Stange Bier kostet seit zwei Jahren über fünf Franken im Schnitt. Und 100 Gramm Schokolade sind seit der Jahrtausendwende um durchschnittlich 40 Prozent gestiegen. Heute zahlen die Basler exakt 1,97 Franken für eine Tafel Schoggi.

Munition für die Gewerkschaften

Kurzum: Das Leben wird wieder teurer. Das liefert den Gewerkschaften Munition für die Lohnverhandlungen. Thomas Leuzinger, Bereichsleiter Politik und Kommunikation der Unia Aargau und Nordwestschweiz, sagt, die Niedriglohnsegmente seien von den höheren Preisen besonders betroffen. Tatsächlich sind in vielen Bereichen die Löhne kaum gestiegen in den vergangenen Jahren. In der Produktion sind sie gar rückläufig. Hier sanken sie beispielsweise zwischen 2012 und 2014, als Basels Löhne zum letzten Mal erhoben wurden, von monatlich 6912 auf 6808 Franken – brutto. Gesunken oder zumindest gleich geblieben sind die Löhne auch in einigen den untersten Einkommensklassen. Im Gastgewerbe wurde vor fünf Jahren monatlich 4365 Franken bezahlt. Zwei Jahre später waren es 30 Franken weniger.

Leuzinger sagt: «Im Gastgewerbe und im Detailhandel kann die Lohnentwicklung nicht mit der Entwicklung der Lebenskosten mithalten. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet dies, dass sie sich trotz gleicher Arbeit weniger leisten können als noch vor einem Jahr.» Die Unia werde sich in den kommenden Lohnverhandlungen stärker dafür einsetzen, dass die Diskrepanz beseitigt werde.

Doch kämpft die Gewerkschaft nicht nur bei den untersten Einkommensklassen dafür, dass die Löhne erhöht werden. Gerade die Baubranche profitiere von der Konjunkturentwicklung. Allerdings nur die Arbeitgeber. Leuzinger: «Seit Jahren werden hohe Gewinne erzielt.» Die Arbeitnehmer hätten davon aber nicht viel. Die Lohnstatistik für die Nordwestschweiz stützt diese Einschätzung: Zwischen 2012 und 2014 sanken die Löhne in der Nordwestschweiz gar – von 6105 auf 6068 Franken monatlich. «Trotzdem weigern sich die Baumeisterverbände seit vier Jahren, die Löhne zu erhöhen – obwohl die Lebenshaltungskosten der Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter stetig steigen», empört sich Leuzinger.

Den Kampf um bessere Löhne will der Gewerkschafter nun bei den Bauarbeitern beginnen. «Bei den diesjährigen Lohnverhandlungen fordert die Unia eine generelle Lohnerhöhung um 150 Franken», sagt Thomas Leuzinger.