Viele Doktoranden brechen ab, andere brauchen für ihre Dissertation an der Universität Basel eine halbe Ewigkeit. Diese Woche berichtete die bz über die unbefriedigenden Zustände. Am längsten brauchen die Doktoranden der Philosophisch-Historischen Fakultät für ihre Forschungsarbeit (12 Semester), gefolgt von denjenigen der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (10,3 Semester). In keiner anderen Universität der Schweiz dauern die Doktorarbeiten ähnlich lang.

An den meisten anderen Hochschulen müssen sich die Doktoranden an zeitliche Beschränkungen halten. Die Universität St. Gallen sieht beispielsweise für die Dissertation eine reguläre Studienzeit von zehn Semestern vor, wie aus einer Regierungsantwort auf die Interpellation des Baselbieter Grünen-Landrats Klaus Kirchmayr hervorgeht. Auch die ETH Zürich (zwölf Semester), die Universität Genf (sechs bis zehn Semester) und die Universität Lausanne (sechs bis zehn Semester für eine «Diss» in Wirtschaftswissenschaften) kennen Beschränkungen der Promotionsdauer. An der Universität Zürich sollte eine Dissertation «so angelegt sein», dass sie in drei Jahren abgeschlossen werden kann, wie der Regierungsantwort entnommen werden kann.

Die Baselbieter Regierung will über die Gründe der hohen Abbruchquote nicht spekulieren. Diese seien «nicht systematisch erfasst», heisst es. Bekannte Gründe für Exmatrikulationen seien neben den klassischen Abbrüchen aufgrund fehlender Erfolgsaussichten auch der Wechsel der Universität, ein anderes Stellenangebot, Finanzierungsprobleme oder eine geänderte Familiensituation. Eines der Kernprobleme spricht die Baselbieter Regierung damit nicht an. Eine Doktorandin der Universität Basel sagt gegenüber der «Schweiz am Wochenende»: «Die Betreuungssituation ist an einigen Fakultäten schrecklich. Statt sich um ihre Dissertation zu kümmern, müssen sich die Doktoranden in ihrer Rolle als Assistenten selber um die Studenten kümmern. Somit kommt die Arbeit zu kurz und dauert entweder viel zu lange – oder man kommt überhaupt nicht ans Ziel.»

Nur begründete Verlängerungen

Besonders von rechtsbürgerlicher Seite entflammt Kritik am «Larifari an der Universität Basel», wie ein Baselbieter SVP-Mitglied sagt. Die Reinacher Landrätin Caroline Mall (SVP) ärgert sich: «Für jedes zusätzliche Semester fallen Kosten beim Steuerzahler an.»

Uneins ist sich die Politik darüber, wie das Problem angegangen werden soll. Vonseiten der Ratslinken werden Rufe nach einem besseren Betreuungsverhältnis laut. Verbindliche Regeln hingegen hält beispielsweise Kirchmayr für übertrieben. In der bz sprach der Grüne stattdessen von «Richtlinien».

Die Bürgerlichen gehen nun aber weiter. Caroline Mall will zwar keine fixen Obergrenzen einführen, «weil während einer Doktorarbeit immer etwas dazwischen kommen kann.» Der Druck auf die Doktoranden, bei der Dissertation schneller vorwärts zu machen, sollte indes erhöht werden, sagt sie.

Die Bildungspolitikerin fordert deshalb, dass länger dauernde Doktorarbeiten begründungspflichtig werden sollen. «Wer überzieht, muss einen triftigen Grund geltend machen können. Das kann beispielsweise die Familiensituation oder Ähnliches sein», sagt Mall.

Bei der Uni will man von verbindlichen Beschränkungen nichts wissen. Mediensprecher Reto Caluori sagt auf Anfrage: «An der Universität Basel gelten grundsätzlich keine Studienzeitbeschränkungen, was es erlaubt, individuelle Lebenssituationen zu berücksichtigen.»