Das letzte der diesjährigen Marktplatz-Konzerte am Sonntag war gut besucht. Bereits beim amerikanischen Funk-Sänger Amp Fiddler tanzen die ersten Leute: Die Stimmung ist prächtig. Fiddler, der selbst schon bei Soul-Grösse Prince als Backgroundsänger gearbeitet hat, verströmt ab der ersten Minute positive Energie beim bunt durchmischten Publikum. Nur einmal hapert es: Als der Sänger die Zuschauer zum Mitsingen auffordert, ist es erst einmal peinlich still.

Wie später auch Nneka scheint Fiddler dem Publikum eine pazifistische Botschaft mitgeben zu wollen. «What is war good for?», fragt er rhetorisch und gibt gleich selbst die Antwort: «Nothing!» Das Publikum johlt und applaudiert. Das Warten auf den Hauptact beginnt, und als die Band bereits auf der Bühne steht, ist Nneka selbst erst zu hören. Mit ihrer unverwechselbaren, durchdringenden Stimme fesselt sie das Publikum, um danach in ein grosses Tuch verhüllt die Bühne zu betreten. Mit gebückter Haltung schleicht sie herum, wirkt im ersten Moment wie eine zerbrechliche Bettlerin. Irgendwann nimmt sie den Vorhang ab und zeigt ihr Gesicht: Die Show kann losgehen.

Mal weinend, mal empört

Es sind nicht unbedingt die einzelnen Lieder oder die Ansprachen von Nneka, die diesen Abend so speziell machen. Es sind die Energie und die Wandelbarkeit der kleinen Sängerin, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen. Mal seufzt und weint Nneka ein herzzerreissendes Lied ins Mikrofon und begleitet sich selbst auf der Gitarre, mal rappt sie voller Wut und Empörung und streckt ihre Faust in die Luft. Dabei wirkt sie stets glaubwürdig und ungekünstelt. Die Ehrlichkeit, mit der Nneka ins Mikrofon schreit und heult, ist beeindruckend: Das Publikum scheint geradezu an ihren Lippen zu hängen, die Leute singen, klatschen, tanzen und fiebern mit.

«I decided not to be a militant»

Ab und zu hält sie inne und erklärt, wie sie zur Musik kam, was sie beschäftigt. Sie spricht die unsichere politische Situation in ihrem Heimatland Nigeria an, und ihre Betroffenheit ist echt, wenn sie Boko Haram erwähnt und gar nicht mehr dazu sagen möchte als «I decided not to be a militant» und dann anfügt: «So I decided to become a militant of love.» Dann schaut die Kämpferin für die Liebe und das gute Gewissen direkt ins stille Publikum, nur um Sekunden später mit dieser Ruhe zu brechen und erneut loszulegen. Musikalisch bewegt sich die Sängerin dabei stets in einer spannenden Mischung aus Hip-Hop, Soul und Reggae, die mit elektronischen Elementen gespickt ist (Nis Kötting am Keyboard) und sich gerade auch deswegen gut für ein Live-Konzert eignet. Zusammen mit Nnekas Energie und Songs mit pumpendem Rhythmus wie «Heartbeat» wird ein Konzert der Künstlerin zu einem Anlass, der auch die Leute überzeugt, die normalerweise andere Musikstile bevorzugen.