Galas, Feste und Hochzeiten mag er gar nicht. Seit 40 Jahren lehnt Emil Steinberger konsequent jede Anfrage ab. Und ist froh, dass er das tut. Der Kabarettist weiss nämlich, was ihm blühen würde: Ewiges Warten in irgendeiner Hotelküche, weil das Dessert garantiert Verspätung hat. Statt einer Bühne bekäme er ein Podestli. Auch Scheinwerfer gäbe es nicht, weil Lampen doch reichen. «Nein, nein, bitte nicht», sagt er bestimmt. Er brauche Bühne, Scheinwerferlicht und ein konzentriertes Publikum. Das sei das Schönste für ihn. Und natürlich das Lachen der Leute, «diese Begeisterung, ist schon wahnsinnig», sagt er und kann es selber nicht glauben, dass Emil so gut ankommt. Seit 1963 war kein Stuhl mehr leer, wenn er auf der Bühne stand.

Dabei wollte Emil Steinberger gar nie Kabarettist werden. Obwohl er schon immer ein Talent hatte, Leute zum Lachen zu bringen – auch unabsichtlich. Er erinnert sich an eine Schulstunde. Der Lehrer stand an der Tafel, referierte über das Sonnensystem. Plötzlich klopfte er Emil auf die Stirn und schickte ihn vor die Tür. Seine Begründung nach der Stunde: «Ach Emil, weisst Du, wenn ich Dich anschaue, muss ich einfach immer lachen.» Ein besseres Zeugnis gebe es eigentlich nicht, findet Emil Steinberger heute.

Nein zu sagen, fällt ihm schwer

Ab dem 14. März steht Emil Steinberger mit seinem Nostalgie-Programm «Emil – no einisch!» in Basel und anderen Schweizer Städten auf der Bühne. Noch einmal. Vor knapp zwei Jahren hat er nach 28 Jahren Bühnenpause sein Comeback gegeben mit einem Best-of seiner Nummern. Er kann einfach nicht aufhören. Und er kann sich nicht so gut abgrenzen. «Die Wünsche der Leute sind so menschlich, da fällt es mir schon schwer, zu sagen, dass es keine Vorstellung mehr gibt», sagt er. Die Theater in der ganzen Schweiz wollen ihn und das Publikum will ihn auch. Viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft. «Das ist schon ein Druck», gibt er zu. Immerhin ist er unterdessen 84 Jahre alt – aber darüber redet er eigentlich nicht gerne. Viel lieber spricht er über seine Frau Niccel, die ihn Tag für Tag unterstützt und ihm hilft, auch einmal Nein zu sagen.

Früher meisterte er die Tournee alleine. Requisiten ausladen, aufbauen, wieder abbauen und einladen. Er kurvte von Theater zu Theater, «ohne GPS». Nach der Vorstellung durch den Hinterausgang raus, ganz alleine zurück ins Hotel, vielleicht noch auf ein Bier an der Hotelbar. «Abends im Zimmer fühlt man sich leer», sagt Emil Steinberger. Obwohl er auf der Bühne mit unglaublich viel positiver Energie überschüttet werde. «Das ist wie Medizin», sagt er. Kränkelt er vor einem Auftritt, ist das nach der Aufführung alles wie weggeblasen. «Ein schönes Gefühl.»

Ohne Niccel an seiner Seite, wäre er gar nie auf die Bühne zurückgekehrt und vielleicht immer noch in New York. Dorthin hat er sich 1993 zurückgezogen, weil er einfach mal «Mister Nobody» sein wollte. Ohne Begleitung wurde und wird er in der Schweiz immer und überall angesprochen. «Wenn du aber eine Frau dabei hast, ist etwas Distanz da.»

Vergessene Komik

Die Nummern von Emil sind zeitlos. Sie begeisterten das Publikum damals in den 70er-Jahren und sie begeistern es heute. Ein Vorbild hatte Emil Steinberger nie. Er mochte andere Künstler, aber so sein wie sie, wollte er nicht. Seine Texte sind auf ihn zugeschnitten. «Deshalb hat mich wahrscheinlich auch noch niemand kopiert. Ich bin eine Eigenmarke.»

Die heutigen Formen des Kabaretts findet er gewöhnungsbedürftig. Die Texte der Slam Poeten seien zum Teil «sensationell». Mit den aus Amerika importierten Stand-up-Comedians hingegen wird er nicht warm. Er nervt sich sogar, dass ein «ganz schlimmer deutscher Comedy-Star» immer in Interviews erwähnt, Emil sei sein grosses Vorbild. «Ich dachte nur, ‹Nein, was macht denn der Schlimmes am TV?!›, aber anscheinend war ich sein Vorbild.»

Steinberger macht sich Sorgen, dass zukünftige Generationen Komik nicht mehr verstehen. «Viele kennen ja nicht einmal Chaplin.» Im Fernsehen gehe es vor allem um ein flinkes Mundwerk: «Die Theater-Atmosphäre ist Vielen unbekannt.» Und Comedians, die mit Witzen unter der Gürtellinie arbeiten, müssten immer noch tiefer gehen, damit das Publikum noch lacht. Das habe ihm ein Comedian gestanden. Dieses Problem kennt Emil nicht. Wenn er auf dem Polizeiposten das Telefon abnimmt, sind ihm die Lacher sicher.