Lange Jahre wollte die Lörracher Stadtverwaltung nichts von der Idee hören, das 6er-Tram von Riehen über die Grenze nach Lörrach weiter zu führen. Nun aber will sie selber eine Studie in Auftrag geben, die klären soll, ob eine Verlängerung des Trams sinnvoll ist, eine Konkurrenz zur S-Bahn darstellt und wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis aussieht. Der vorbereitende Hauptausschuss befürwortete die Studie mehrheitlich. Nächste Woche entscheidet das Stadtparlament darüber. Dessen Zustimmung gilt als sicher.

Ein Grund ist neues Klinikum

Hintergrund ist die Entscheidung, nördlich von Lörrach ein Zentralklinikum zu bauen. Darin werden die vier Kliniken des Landkreises zusammengefasst. Nach dem Willen des Kreistages, dem Parlament des Landkreises, soll das Zentralklinikum eine S-Bahn-Haltestelle bekommen.

Vorerst verschoben wird die geplante Mobilitätsdrehscheibe Am Zoll Riehen/Lörrach, die auch eine neue S-Bahnhaltestelle bekommen soll. Zwei neue Haltestellen auf der Wiesentalbahn aber sind aus Kapazitätsgründen nicht machbar – vor allem nicht, wenn die vom Schweizer Bund mitfinanzierte Taktverdichtung auf der Wiesentalbahn umgesetzt wird.

Das 30 Millionen Franken-Vorhaben Am Zoll war im Rahmen des 3. Agglomerationsprogramms des Bundes als A-Projekt eingestuft worden. Das bedeutet Baubeginn ab 2019. In der Vernehmlassung hatte Agglo Basel beim Bund eingegeben, das Vorhaben als B-Projekt zurückzustufen. Der Baubeginn liegt dann 2023/24.

In der Begründung von Agglo Basel heisst es: «Zudem hat eine im Jahr 2017 durchgeführte Simulation mit dem Gesamtverkehrsmodell Basel ergeben, dass die im Projekt vorgesehene Verlegung der Tramhalteschlaufe über die Grenze nach Lörrach kein ausreichendes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist.»

Viele weitere Planungsschritte könnten erst nach Beantwortung der Tramfrage durchgeführt werden, argumentiert die Stadt wiederum in ihrer Medienmitteilung. Darin heisst es: «Da Siedlungsentwicklung und Verkehrsinfrastruktur eng verbunden sind, hätte das Verkehrsmittel Strassenbahn auf die weitere Stadtentwicklung Lörrachs erheblichen Einfluss.»

Die Studie wird ausdrücklich als «ergebnisoffen» definiert. Sie soll die «möglichen Trassenvarianten, die städtebaulichen Potenziale und die zu erwartenden Kosten» aufzeigen. Finanziert wird sie durch das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, das der Stadt Lörrach 5,3 Millionen Euro für das Projekt Am Zoll zugesagt hat. Die Studie zum Tram kostet 100 000 Euro. Davon übernimmt der deutsche Bund 90 Prozent.

Den Schwung nutzen

Oberbürgermeister Lutz betont: «Es besteht damit die Chance, mit dem Schwung des IBA Projekts Am Zoll und der Rückendeckung des deutschen Bundes die notwendigen Grundlagen für ganz grundsätzlich Entscheidungen zur Stadtentwicklung Lörrachs und seiner Einbindung in den grenzüberschreitenden Siedlungszusammenhang zu schaffen.»

Laut Medienmitteilung werden die Internationale Bauausstellung Basel (IBA), das baden-württembergische Verkehrsministerium, der Landkreis Lörrach, der Kanton Basel-Stadt, Riehen sowie die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) bei der Studie einbezogen. «Eine Arbeitsgruppe aus den beteiligten Partnern soll daher das Aufgaben- und Pflichtenheft der auszuschreibenden Studie definieren und die Ausschreibung noch in diesem Jahr auf den Weg bringen.» BVB und Kanton beurteilten die Studie gegenüber der bz positiv.