Dieses Kunststück scheint Elisabeth Ackermann nicht wiederholen zu können: Bei ihrer ersten personellen Amtshandlung drang bis zuletzt nicht nach aussen, dass Lukas Ott neuer Stadtentwickler werden soll. Doch die Nachfolge von Thomas Kessler ist nicht die einzige Pendenz. Auch die Stelle von Kulturchef Philippe Bischof muss Ackermann nach dessen Abgang neu besetzen. Und hier gibt es offenbar eine Kronfavoritin.

Mehrere Quellen aus dem Umfeld des Präsidialdepartements berichten der bz, dass die derzeit interimistische Leiterin Sonja Kuhn die Verantwortung für den Bereich Kultur auch längerfristig tragen soll. Von Behörden-Seite wird dies nicht bestätigt. «Der Auswahlprozess ist offiziell noch nicht abgeschlossen», sagt Sprecherin Melanie Imhof. Noch stehe nicht einmal der Termin fest, wann das PD die Personalie vorstellen möchte. Mit Kuhn zu sprechen war der bz diese Woche nicht möglich; sie weilt in den Ferien.

Ganz überraschend wäre die Wahl Kuhns nicht, sollte der Empfang auf dem Rathaus-Flurfunk tatsächlich klarer werden. Nach Ott ist allgemein damit zu rechnen, dass eine Frau diese wichtige Aufgabe übernimmt. Zudem hat Bischof Kuhn in den vergangenen Wochen zu vielen Treffen mit Basler Kulturschaffenden mitgenommen. Dies allerdings könnte auch lediglich der Vorbereitung für die interimistische Führung gedient haben, die Kuhn seit Anfang Monat innehat. Zuvor war sie Bischofs Stellvertreterin. Allerdings noch nicht lange: Erst seit etwas mehr als einem Jahr gehört sie der Abteilung Kultur an. Mit ihrem Einstieg wurde die damalige Stellvertreterin Jeanette Voirol zurückgestuft. Eine Kurzumfrage bei Basler Kulturschaffenden ergab ein positives Zeugnis, wenn sie auch bislang im Schatten von Bischof wenig in Erscheinung trat. Vor ihrem Amtsantritt war Kuhn Geschäftsführerin der Schweizerischen Management Gesellschaft (SMG). Davor hat sie den Berufsverband der visuellen Kunst visarte geleitet, war beim Fernsehen sowie in der Kulturvermittlung tätig.

Inhaltlicher Schwerpunkt von Kuhn ist die Museumspolitik. Auch dies kann als Zeichen gedeutet werden. Denn Ackermann betonte wiederholt, sie wolle die langersehnte Museumsstrategie noch vor Ende Jahr vorstellen. Das Papier hat nicht zuletzt dadurch an Bedeutung gewonnen, dass der Grosse Rat den Druck mittels Streik erhöhen will. Angesichts der aktuellen Diskussionen sind zwei Dinge kaum vorstellbar: Eine erneute Verzögerung der Publikation und dass sich jemand von extern so schnell in dieses Geschäft einarbeiten kann, das grossen Raum in der Arbeit einnehmen wird. Derweil wurden diese Woche mögliche Gründe für das bisherige Scheitern öffentlich: Wie das «Regionaljournal» aufzeigt, wollte Ackermann-Vorgänger Guy Morin eine Generaldirektion für die Basler Museen einführen und die Direktoren der staatlichen Institutionen herabstufen.

Harsche Worte aus Zürich

Der Job stellt eine grosse Aufgabe dar, das zeigt unter anderem die «NZZ am Sonntag»: Unter dem Titel «Basel in der Krise» zeichnete das Blatt ein düsteres Bild der aktuellen Debatte um die bekannten Probleme im Bereich Kultur. «Das Chaos angerichtet wurde unter dem grünen Stadtpräsidenten Guy Morin und seinem Kulturamtschef Philippe Bischof», wurde die Zeitung sehr deutlich. Doch auch Ackermann wird hart angegangen. Mit der Besetzung dieser Stelle macht sie sich nun zusätzlich angreifbar.

Denn es droht weiter Ungemach und dies hängt direkt mit der Person Kuhns zusammen. Ihr Ehemann ist ebenfalls Chefbeamter: Kuhn ist die Frau von Kantonsbaumeister Beat Aeberhard. «Ein Interessenkonflikt ist bei Projekten wie Museumsneubauten zumindest denkbar», sagt ein einflussreicher Basler Politiker. Andere reden unverblümt von «Filz». Politischer Widerstand ist damit programmiert. Das zumindest war schon bei der Nominierung von Ott der Fall. Und auch damals drehte sich die Kritik weniger um die Qualifikation Otts, sondern um seine Herkunft und seine Parteizugehörigkeit.