Basel
Noch keine Lösung: Basler Muslime erhalten kein Kirchen-Asyl

An einer Sitzung vom Kanton und dem Betreiberverein der Moschee wurden Lösungen für die Zukunft der Kasernen-Moschee diskutiert. Die christlichen Kirchen reagieren skeptisch auf eine Mithilfe bei der Suche nach einem neuen Raum.

Nicolas Drechsler und Pascale Hofmeier
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Die Matthäuskirche wird wohl kaum von Muslimen mitgenutzt werden dürfen. Zu gross ist der Widerstand.

Die Matthäuskirche wird wohl kaum von Muslimen mitgenutzt werden dürfen. Zu gross ist der Widerstand.

Juri Junkov

«Es sind alle aufgerufen, Ideen für einen neuen Standort zu liefern, wenn sie welche haben.» Thomas Kessler, Basler Stadtentwickler, setzt auch auf die Mithilfe der Bevölkerung bei der Suche nach einem neuen Standort für die älteste Basler Moschee. Die Kasernen-Moschee muss ihre Heimat nach 43 Jahren verlassen, weil die Kaserne umgebaut wird und der Denkmalschutz mit seinen Anliegen die weitere Nutzung des Dachgeschosses verhindert.

In ihrer ersten Stellungnahme hatten sich die Basler Muslime, sekundiert von der «Tageswoche», auf den Standpunkt gestellt, der Staat wolle sie vom Kasernenareal vertreiben und helfe ihnen zu wenig bei der Suche nach einem neuen Standort. Gegen diese Unterstellungen verwahrte sich Kessler. Es sei schade, dass die Moschee nicht bleiben kann. Und der Staat könne für den Moschee-Verein nicht wesentlich mehr tun, als er es bereits tue.

Am Montagabend fanden erneut Gespräche zwischen dem Kanton und dem Betreiberverein der Kasernenmoschee statt. Dabei stellte sich offenbar heraus, dass die Betreiber in den drei Monaten seit der Kündigung per Juni 2015 noch nichts unternommen haben. «Wir haben ihnen nun nochmals erklärt, dass es an ihnen ist, einen neuen Standort zu suchen und wir sie nur unterstützen und beraten können», bilanziert Kessler die Gespräche. «Der Lead muss ganz klar bei ihnen liegen.»

Kessler sagt, er habe auch versucht, den Moslems seine Idee eines selbsttragenden Zentrums näher zu bringen, das neben einer Moschee auch Tagungsräume, Kulturbetrieb und Gastronomie anbietet. «Mit den jetzigen Mitgliederbeiträgen von zehn Franken ist eine Finanzierung wohl nicht möglich.»

Keine Gnade bei den Christen

Schwieriger wird es eine andere Idee haben, nämlich jene, dass die christlichen Kirchen ihren muslimischen Kollegen unter die Arme greifen. Bei den Christen stösst die Idee einer gemeinsamen Nutzung von Räumlichkeiten, die Kessler auch ins Spiel gebracht hatte, auf Skepsis. Christian Griss, Präsident der Römisch-katholischen Landeskirche Basel (RKK), erklärt auf Anfrage, die RKK verfüge über keinen leerstehenden Raum mit der gewünschten Grösse von rund 200 Quadratmetern. Erschwerend komme hinzu, dass gerade dort, wo die Muslime einen neuen Gebetsraum suchten, also im zentralen Kleinbasel, die RKK ihre Räume intensiv nutze.

Gemäss Kessler ist ein Standort im Kleinbasel ein Muss: «80 Prozent der Moschee-Nutzer wohnen hier.» Auch dass sich Christen und Moslems Räumlichkeiten regelmässig, teilen, wäre gemäss Griss schwierig: «Eine Doppelnutzung ist auch gemäss den Muslimen unmöglich.» Der Grund: Die muslimischen Gebetszeiten sind zwischen 5 und 24 Uhr. Das heisst, sie brauchen eigentlich einen Raum, der für sie 24 Stunden lang zugänglich ist.

Kein Asyl in Matthäuskirche

Bei der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK) war eine Umnutzung bisher noch kein Thema. «Die Umwidmung eines Sakralbaus zu einer Moschee ist innerhalb des laufenden Herrschaftsdiskurses wohl nicht sinnvoll und eher unmöglich», findet Münsterpfarrer Lukas Kundert. Er schätzt, dass es weniger problematisch wäre, einen Profanbau zur Verfügung zu stellen. Den Vorschlag, den Moslems die unlängst geschlossene Matthäuskirche abzutreten, lehnt Kundert vehement ab: «Wir benützen die Matthäuskirche weiterhin fast täglich für Abendgebete und Gemeindeanlässe, jeden Sonntag für den Gottesdienst sowie für das Projekt ‹Sonntags(z)immer›, das höchst erfolgreich ist.»

Dennoch sind nun zumindest die Katholiken aktiv dabei, den Moslems bei der Suche nach einem neuen Standort zu helfen: An der Sitzung vom Montag war auch der Pfarrer der Clarakirche, Ruedi Beck, anwesend. Er soll zusammen mit der staatlichen Religionsbeauftragten Lilo Roost Vischer zwischen der Kasernen-Gemeinde und potenziellen Vermietern vermitteln.