FC-Basel-Anhänger kennen das Problem: Kaum ist das Spiel abgepfiffen, drängt alles aus dem Stadion – rasch ist praktisch kein Durchkommen mehr. Die Druggede bei der Haltestelle St. Jakob könnte bald noch grösser werden.

Geht es nach der Basler Regierung, werden die Abstellgleise vor dem St. Jakob-Park verkürzt. Auf ihnen hätten künftig nur noch vier Tramzüge Platz statt wie heute sechs. So steht es im Ratschlag des Regierungsrats zum Geschäft Erneuerung St. Jakobs-Strasse. Teil davon: Die Neuorganisation der Bus- und Tramhaltestellen St. Jakob und der Tram-Abstellanlage Schänzli.

Zwar plant die Regierung, im Gegenzug die Abstellanlage Schänzli auszubauen, um den Wegfall der Gleiskapazitäten vor dem Fussballstadion wenigstens teilweise zu kompensieren.

Doch für Grossrat Beat Leuthardt ist das nicht genug. In einem Anzug beschreibt er das Vorhaben der Regierung als «mutlos, kleinlich und uninspiriert». Die Schänzli-Anlage könne aus verschiedenen betrieblichen Gründen den Wegfall nicht genügend kompensieren. Die Tram-Einsatzbereitschaft in Richtung Stadt werde somit klar verschlechtert.

In seinem Vorstoss fordert der Basta-Politiker, dass die Regierung beziehungsweise die zuständige Kommission prüft, ob der Abtransport per Tram «nicht wie im Ratschlag vorgesehen verschlechtert, sondern in beide Richtungen verbessert wird.» Die Gleise vor dem Stadion seien «matchentscheidend». Der Vorstoss wurde – eine Seltenheit – von acht Grossräten von fünf der sechs Fraktionen im Basler Kantonsparlament unterzeichnet, darunter auch von Thomas Gander. Der SP-Politiker war Co-Leiter der Fanarbeit Basel.

Regierung will die Haltestelle in Richtung Osten verschieben

Leuthardt sagt zur bz, er kenne die Situation seit Kindheit bestens. Zudem fahre er heute als Teilzeit-Wagenführer selber Einsatzkurse an Fussballspielen. «Man will die Kapazität ohne Not um ein Drittel reduzieren», sagt Leuthardt. «Wird dieses bürokratische, am Schreibtisch ausgeheckte Vorhaben umgesetzt, verlängert das die Wartezeit der Matchbesucher. Das macht die Leute hässig.» Er ist überzeugt: Die Abstellgleise vor dem Stadion könnten gleich lang belassen werden: «So hätten auch künftig sechs Tramzüge Platz.»

Der Regierungsrat begründet die Verkürzung der Geleise mit dem Behinderten-Gleichstellungsgesetz. Bei der Tramhaltestelle St. Jakob müssten die Bordkanten erhöht werden. Das sei aber nur mit einer geraden Linienführung möglich – heute sind die Geleise entlang der Haltestelle leicht gekrümmt. Wegen des Umbaus verschiebe sich die Haltestelle «um einige Meter in Richtung Muttenz». Dieser Platz fehlt dann wiederum bei den Abstellgleisen.

Schon zuvor war die Höchstzahl der Einsatzkurse reduziert worden, von elf auf gegenwärtig neun Tramzüge. Im Ratschlag begründet der Regierungsrat diese Reduktion mit neuen Schienenfahrzeugen. «Zu den Zeiten, in denen ausschliesslich mit den alten, kürzeren und heute kaum mehr im Einsatz stehenden Trams verkehrt wurde, standen Abstellmöglichkeiten für elf solcher Tramzüge zur Verfügung»: sechs bei der Abstellanlage St. Jakob, fünf beim Schänzli. Die neuen Trams seien jedoch länger, maximal 43,2 (Modell Flexity) und 42,9 Meter (Combino).

Grossrat fordert neue Gleise entlang St. Jakobs-Strasse

Leuthardt widerspricht. Schon die Kompositionen mit Schindler-Motorwagen und zwei Anhängern hätten über 42 Meter gemessen. «Das kann also nicht der entscheidende Faktor für die Reduktion der Einsatz-Kurse sein.»

Leuthardt fordert aber noch etwas anderes in seinem Vorstoss. Nach Spielen fahren auch Einsatzkurse in Richtung Muttenz-Pratteln. Es sind maximal sechs Kompositionen. Doch es fehlt an Abstellgleisen, die Trams müssen vom Depot in Richtung St. Jakob geführt werden, was viel Zeit kostet und unflexibel ist. So können die Wagenführer etwa nicht auf Spielverlängerungen reagieren. Laut Leuthardt gebe es ein Areal, das sich für Abstellraum eignen würde: Der Grünstreifen neben den Tramgeleisen entlang der St. Jakobs-Strasse, vis-à-vis der St. Jakobs-Kirche. «Dort könnten maximal zwei Geleise gebaut werden, die wiederum lang genug wären für zwei bis drei Tramzüge.»

Mit diesen neuen Kapazitäten würde sich, ist Leuthardt überzeugt, auch die Personenmassen, die in Richtung Muttenz gelangen wollen, eher auflösen als heute – spricht: Die Druggede wäre auch auf der Seite St. Jakobshalle weniger schlimm als heute.

Leuthardts Anzug könnte bereits an der ersten Grossratssitzung nach den Sommerferien am 11. September behandelt werden. Das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement will einer möglichen Beantwortung der Regierung nicht vorgreifen und enthält sich einer Auskunft.
Die Basler Verkehrs-Betriebe schreiben auf Anfrage, die Haltung der BVB wäre Teil der Stellungnahme der Regierung zum genannten Anzug. Diese Stellungnahme könne man jedoch nicht vorwegnehmen.

Der FC Basel wiederum teilt auf Anfrage mit, man sei in die Planungen bisher nicht miteinbezogen worden. Der FCB sei jedoch «an Lösungen interessiert, die einen möglichst geregelten, effizienten und nicht zuletzt sicheren An- und Abtransport für die Besucherinnen und Besucher im Joggeli ermöglichen.»

Die Wartezeiten der Matchbesucher aus dem Raum Muttenz-Pratteln könnten die BVB auch mit Rückwärtsfahrmanövern reduzieren. Dann würden die Extra-Kurse aus dem Schänzli-Areal rückwärts in Richtung Haltestelle geführt. Derartige Manöver sind aber kaum mehr zu beobachten. Die BVB-Medienstelle schreibt jedoch: «Diese Praxis gibt es auch heute noch, wenn eine betriebliche Notwendigkeit besteht und die Sicherheit für ein solches Rückwärtsmanöver gewährleistet ist.»