In Basel dürfte die Weiler Entscheidung nicht nur auf Begeisterung stossen: Der Weiler Finanzausschuss und das Stadtparlament haben kürzlich eine weitere Verlängerung des 8er-Trams in der 3. Generation des Agglomerationsprogramms 2019 -2022 angemeldet. Das Vorhaben nennt sich Tram 8 plus. Es ist als A-Projekt – also in der höchsten Dringlichkeitsstufe – eingestuft und umfasst eine Strecke von 1,7 bis 1,8 Kilometern von der heutigen Endhaltestelle stets gerade aus bis zum Läuplinplatz. Dort beginnt Altweil und nach links geht es weiter zu Vitra. Vorgesehen sind drei bis vier Haltestellen. In einer Machbarkeitsstudie wurden die Kosten auf 18 Millionen Euro geschätzt.

Schon heute klagen in Basel Detailhändler und auch Politiker, dass der grosse Erfolg und der dichte Takt der 8er-Tramverlängerung den Einkaufstourismus begünstigen und somit Basel schaden. Zudem wurden Vorhaben im Rahmen des Agglomerationsprogramms vom Bund in der Regel bisher mit zur Hälfte der Kosten mitfinanziert – man finanziere diese Entwicklung also auch noch selber mit.

Meisten Geschäfte sind erschlossen

Christoph Huber, Weiler Baubürgermeister, betont, dass die meisten wichtigen Weiler Geschäfte wie Insel oder Rheincenter bereits heute durch das Tram zugänglich sind. «Durch die weitere Verlängerung erschliessen wir grosse Wohnbezirke und erwischen nicht wenige Pendler», ist er überzeugt. Weil hat 4500 Grenzgänger, die in der Nordwestschweiz arbeiten. Später könnte die Endhaltestelle bis zu Vitra weitergezogen werden. «Das wäre auch für Basel Tourismus interessant», glaubt Huber. Südlich von Vitra sollen in nächster Zeit Wohnungen für 1000 Menschen entstehen.

Huber verweist auch darauf, dass Weil sich am Parkhaus von Endress + Hauser in Friedlingen, in der Nähe vom Rheincenter, beteiligt habe und somit durchaus eine Park + Ride Möglichkeit zur Verfügung stelle, wie dies in Basel regelmässig gefordert wird. «Von den 600 Parkplätzen verfügt die Stadt über die Hälfte und hat davon wiederum unter der Woche einen Teil an Roche vermietet; aber das sind auch Pendler», berichtet Huber. Derzeit sei das Parkhaus noch nicht ganz ausgelastet.

Der Basler FDP-Grossrat Christophe Haller hört das erste Mal vom besagten Parkhaus. «Davon weiss niemand. Für den Umsteige-Effekt müsste sich eine Park & Ride Anlage aber beim Weiler Bahnhof befinden», ist er überzeugt. Mit der Inbetriebnahme der 3er-Tramverlängerung zum Bahnhof von Saint-Louis Ende 2017 liesse sich testen, ob der Umsteige-Effekt funktioniert. Dort befindet sich ein Parkhaus.

Salina Raurica sei wichtiger

Haller spricht sich beim Weiler Projekt für andere Prioritäten im Agglomerationsprogramm aus und verweist auf Strassenbauprojekte und im öV auf die Tramverlängerung nach Pratteln/Salina Raurica.

Im Agglomerationsprogramm der 2. Generation 2015–19 war mit der Tramverlängerung bis zur Sparkasse bereits ein Weiler Vorhaben als B-Projekt eingegeben. Da der Bau einer Wendeschleife über die dortige Tiefgarage teuer geworden worden wäre, haben sich die Weiler für die Eingabe des technisch einfacheren, aber weitereren Projekt bis zum Läuplinplatz entschlossen.

Dieses befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium. Die Vernehmlassung zum Agglomerationsprogramm 3. Generation ist gerade abgeschlossen. Jetzt wird es von der Agglo Basel überarbeitet und geht dann in der trinationalen Region in die politische Beschlussfassung, um Ende 2016 in Bern eingebracht zu werden. Dort wird die Prüfung 2017 dauern. Danach äussern sich noch die nationalen Parlamente zum Programm.

Es braucht verkehrlichen Nutzen

Alain Groff, Leiter des Basler Amts für Mobilität, äussert sich differenziert zum Weiler Projekt: «Es ist es natürlich erfreulich, dass das Tram so gut läuft, dass Weil jetzt an die nächste Etappe denkt.» Gleichzeitig sei die Erweiterung als wichtiger Teil des Basler Tramnetzes logisch. «Als wir vor Jahren erste Gespräche mit den Weilern über die Tramverlängerung führten, hat Basel immer gesagt, dass es für eine weitere Verlängerung offen ist.»

Offen sei allerdings die Finanzierung, insbesondere ein allfälliger Beitrag aus dem Agglomerationsprogramm. «Die neue Etappe muss dafür nachweislich einen verkehrlichen Nutzen für den Schweizer Teil bringen», so Groff. Ferner bestehe die Notwendigkeit, ein kohärentes Tarifsystem zu finden. «Wichtig ist es auch, die betrieblichen Schwierigkeiten zu lösen. Es gibt auf der Strecke zwischen der Grenze und Weil am Rhein zu oft Verspätungen. Mit der Verlängerung der Strecke wird es noch wichtiger, dass der Betrieb reibungslos läuft.»