Der Neubau des Biozentrums der Universität Basel steht unter keinem guten Stern. «Dass man ein Jahr nach der eigentlich für den Herbst 2018 geplanten Fertigstellung nicht in der Lage ist, die Kostenüberschreitung zu benennen, ist ein Zeugnis von Unfähigkeit und Überforderung sondergleichen», kritisiert der Baselbieter Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr.

Von Anfang an schlugen sich die beiden Basel mit Problemen mit Generalplaner und Architekten herum. Mehrfach ist es zu Wasserschäden gekommen. Neue Storen müssen bereits wieder saniert werden. An allen Ecken und Enden treten Probleme mit der Haustechnik auf. Bis im April sollen 43 Schadenfälle registriert worden sein. Es wurde eigens ein Schadenmanager eingesetzt.

Verzögerungen kommen die Uni teuer zu stehen

Zuletzt wurde der Eröffnungstermin des rund 330 Millionen Franken teuren und 73 Meter hohen Turms vom Herbst 2018 um ein Jahr auf Herbst 2019 verschoben. Doch auch dieser Termin kann nicht eingehalten werden, wie die Baselbieter Regierung nun in ihrer Antwort auf einen Vorstoss von Grünen-Fraktionschef Kirchmayr einräumt.

Neu sollen erst Ende Jahr alle Bauarbeiten abgeschlossen und die Tests von Haustechnik und Sicherheit abgeschlossen sein. Anschliessend soll die Übergabe an die Universität erfolgen. Doch selbst dieser Termin scheint mittlerweile unsicher zu sein. Gemäss beteiligten Handwerkern wird es voraussichtlich eher bis Mitte 2020 dauern.

Das hat höhere Kosten zur Folge. Mittlerweile beträgt das Darlehen der beiden Kantone an die Uni 337,8 Millionen Franken. Das ist aber nicht das Ende der Fahnenstange. Die beiden Basel gehen heute davon aus, «dass sich die Überschreitung der Gesamtprojektkosten im zweistelligen Prozentbereich bewegen wird». Genauer aber sei das auch knapp ein Jahr nach der ursprünglich geplanten Fertigstellung nicht zu sagen.

Klar ist: Die höheren Kosten führen zu einer höheren Belastung der Erfolgsrechnung der ohnehin unter Spardruck stehenden Universität mit zusätzlichen Abschreibungen und Zinszahlungen. Denn sobald der Bau übergeben ist, muss die Hochschule das geliehene Geld an die beiden Kantone zurückbezahlen.

Top-Professor kann Forschung nicht aufnehmen

Das ist noch immer nicht die ganze Wahrheit. Denn auf die Uni kommen weitere Mehrkosten zu: Je länger der Neubau auf sich warten lässt, desto länger sind Parallelbetriebe mit höheren Energie- oder Wasserkosten aufrechtzuerhalten. Dazu kommen Mehrkosten für Provisorien für die Kälte- und Dampfversorgung im alten Biozentrum. Das macht nochmals einen «unteren einstelligen Millionenbetrag» aus.

Gleichzeitig können heute vom Biozentrum belegte Flächen nicht rechtzeitig für die Medizinische Fakultät freigegeben werden. Diese braucht die Räumlichkeiten wegen der von den Regierungen beschlossenen höheren Studentenzahlen in der Humanmedizin. Konsequenz: Es braucht provisorische Ersatzflächen, was ebenfalls Geld kostet. «Die Universität Basel ist daran, die Konsequenzen der Verzögerungen auf Forschung und Lehre zu eruieren», kommentiert Uni-Sprecher Matthias Geering. «Wer die Mehrkosten zu tragen hat, ist noch nicht geregelt.»

Und die Probleme nehmen kein Ende. Weil sich der Neubau nochmals verzögert, kann die Uni pendente Neuberufungen wegen fehlender Flächen nicht planmässig 2019 und 2020 durchführen. Auch der neue Direktor des Biozentrums, Alexander Schier aus Harvard, kann seine Forschung nicht wie vereinbart aufnehmen.

«Das sind sehr schlechte Nachrichten»

Dieser noch sehr rudimentäre Überblick über die Folgen der Verzögerungen lässt die Kantonsparlamente unbefriedigt zurück. Für Grünen-Fraktionschef Kirchmayr ist das nicht weniger als «eine Geringschätzung des Parlaments». Die Regierungen könnten ja nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob wirklich alle Handwerker- und Planer-Rechnungen bezahlt worden seien. «Die Prozesse rund um die Immobilien der Uni sind offensichtlich in einem üblen Zustand und bedürfen einer gründlichen Untersuchung», fordert der Unternehmensberater. «Ich befürchte sehr, dass die Uni finanziell für das Unvermögen der Bauverantwortlichen bezahlen muss.» Das könne sie aber kaum so einfach aus der eigenen Tasche zahlen.

Eigentlich bestehe eine Pflicht der Regierungen, die Parlamente detailliert über grössere finanzielle Zusatzbelastungen zu informieren. «Für mich sieht es so aus, als ob der Neubau alles in allem zwischen 60 und 100 Millionen Franken mehr kosten wird als ursprünglich geplant», sagt Kirchmayr. «Kurz und bündig: Das sind sehr schlechte Nachrichten.»