Bagger, Staub, Kabel und herumliegendes Gestein - im Schmiedenhof ist der Rückbau der GGG Stadtbibliothek in vollem Gang. In ziemlich genau einem Jahr soll dort die vierstöckige und mit 2000 Quadratmetern doppelt so grosse neue Stadtbibliothek eröffnen.

Die Vorfreude bei den Verantwortlichen ist bereits spürbar: «Es ist toll, nach der Übergangsphase im Kirschgarten wieder zurück an den zentralen Ort zu kommen», sagt Heinz Oehen, Leiter der Stadtbibliothek Schmiedenhof. Stadtbibliothek-Direktor Klaus Egli rechnete im Provisorium im Kirschgarten während der eineinhalb Jahre mit einer Kundenabnahme von gegen 25 Prozent. «Bisher sind es nur gegen 15 Prozent weniger», so Egli erfreut. Heinz Oehen berichtet von neuer und vor allem von mehr junger Kundschaft, die den Weg in den Schmiedenhof nicht gefunden hatte.

Speziallift für alle Niveaus

Der Neubau im Schmiedenhof stellt für die Planer eine grosse Herausforderung dar. Die drei integrierten aber verschiedenen Gebäude haben historische Bedeutung für die Stadt Basel. Im Innern muss teilweise das Dachgebälk eingepackt werden, damit dieses die intensiven Bauarbeiten unbeschadet übersteht.

Die unterschiedlichen Niveaus der drei Häuser, die sich in jedem Stockwerk bemerkbar machen, werden mit einem Speziallift überwunden. Dieser wird behindertengerecht jedes Niveau - sind es auch nur zwanzig Zentimeter - per Ausstieg bedienen. Insgesamt werden in der neuen, L-förmigen Stadtbibliothek acht Ebenen bespielt.

Die thematische Einteilung der vier Stockwerke steht dabei schon fest. Dabei wird nach dem Prinzip «von laut zu leise» eingeteilt. «Für die Belletristik im vierten Stock stellen wir Sofas und Sessel hin, damit man es sich beim Lesen gemütlich machen kann», verrät Klaus Egli. Im Erdgeschoss im Eingangsbereich warten Aktualitäten und Bestseller auf die schnelle Kundschaft, die nur kurz vorbeischauen will. Die acht Ebenen werden komplett bespielt. Ausnahmen bilden das historische Vorgesetztenzimmer und der Zunftsaal. Das im Schmiedenhof entstehende «Café 1777» übernimmt Teufelhof-Inhaber Raphael Wyniger als Pächter.

Längere Öffnungszeiten

An der heutigen Jahres-Medienkonferenz zogen die Verantwortlichen auch zahlenmässig Bilanz. Die Ausleihen gingen 2013 im Vergleich zum Vorjahr auf 1,226 Millionen leicht zurück. Die Besucherzahl konnte stabil gehalten werden. Stark am Abnehmen seien DVD's und CD's.

Zum ersten Mal nahm die GGG Stadtbibliothek von ihren Kunden eine Million Franken im Jahr als Umsatz ein. Vom Kanton Basel-Stadt erhält sie fünf Millionen Franken Subvention pro Jahr. Im vergangenen Herbst wurden erstmals Online-Medien in Form von E-Books und Zeitungen ins Angebot aufgenommen, die von den Kunden auf die eigenen Geräte heruntergeladen werden können. Auf Kundenwunsch hin und aufgrund des veränderten Nutzungsverhalten in den insgesamt acht angeschlossenen Bibliotheken wurden und werden noch die Öffnungszeiten verlängert.

«Die Bibliotheken werden immer mehr zum Aufenthaltsort», weiss Klaus Egli. «Gerade bei Kindern und Jugendlichen im Bläsiquartier haben wir das gespürt.» Der Direktor und sein Team wollen dieser Nachfrage gerecht werden. Im Herbst beginnt eine Veranstaltungsreihe im Mediencoaching für Eltern, die wissen wollen, in welchem Alter man den eigenen Kindern welche Grenzen der Internetnutzung setzen soll. Neben diesen positiven Aussichten macht sich Direktor Egli auch Sorgen. «Die Gemeinde Allschwil, die uns jährlich finanziell unterstützt, gedenkt, diese Beiträge zu streichen, um selber zu sparen.» Darüber werde im Juni der Einwohnerrat entscheiden. «Dies hätte zur Folge, dass unsere Allschwiler Kunden mehr zahlen müssten.»