Verkehr

Nordtangente Basel: Zubringerprojekt Allschwil steht – für 370 Millionen Franken

Oft verstopft: Der Luzernerring in Basel. Der Zubringer Bachgraben soll nun Entlastung bringen – auf Kosten des Baselbiets.

Oft verstopft: Der Luzernerring in Basel. Der Zubringer Bachgraben soll nun Entlastung bringen – auf Kosten des Baselbiets.

Der Zubringer Allschwil soll per Tunnel von der Basler Nordtangente zur Hegenheimerstrasse führen und über französischem Boden offen weiter laufen. Die Kosten von 370 Millionen Franken soll Baselland tragen; dafür plant Basel-Stadt später das Bachgraben-Tram.

Auf die Linienführung für die neue Strasse, die am Mittwoch in Allschwil den Medien vorgestellt wurde, haben sich die Partner beidseits der Grenze geeinigt. Die Regierungen beider Basel haben das Vorprojekt am 28. Mai per Beschluss verabschiedet. Er sei stolz, dass innert nur zweieinhalb Jahren eine Lösung über die Landesgrenze gelungen sei, sagte der Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu.

Der Zubringer alias «Zuba» soll das boomende Allschwiler Wirtschaftsgebiet besser anbinden und angrenzende BaslerWohnquartiere sowie Elsässer Dörfer entlasten. Der Bachgraben ist laut dem baselstädtischen Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels "für die ganze Nordwestschweiz und das angrenzende Frankreich eines der wichtigsten Entwicklungsgebiete".

Unter der Stadt durch

Konkret soll ein Tunnel direkt beim A35/A3-Zoll auf Schweizer Boden mit einem Grosskreisel, der alle Lokalanschlüsse anbindet, von der Autobahn abzweigen. Der Tunnel soll bergmännisch in 10 bis 15 Metern Tiefe gebaut werden und unter den Universitären Psychiatrischen Kliniken durch bis zur Hegenheimerstrasse am Westrand Basels führen.

Dort taucht der Zuba im Bereich der Familiengärten aus dem Tunnel auf und führt – mit zwei Anschlusskreiseln zur Allschwiler Lachen- und Kreuzstrasse – auf der Rue de Bâle weiter, die auf Boden von Bourgfelden/Saint-Louis und Hégenheim liegt. Diese Lage ist indes noch mit französischen Partnern zu definitiv verhandeln, sagte die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektorin Sabine Pegoraro.

Eine Linienführung ganz auf Schweizer Boden würde das Projekt stark verteuern und auch verzögern: Wegen der Bodenpreise und Enteignungen bezifferte Sehu die Mehrkosten auf etwa 50 Millionen Franken. Dem ausgewählten Zuba-Projekt müssen übrigens 35 Familiengärten beim Tunnelende weichen; naher Ersatz ist versprochen.

Bundesgelder erhofft

Auf französischer Seite ist ferner eine Anschlussstrasse vom Zuba zur wichtigen Landstrasse RD 105 geplant; deren Kosten von 20 Millionen Euro sind indes derzeit noch nicht zugeordnet. Sie soll neben dem MIV auch dem Langsamverkehr dienen; längerfristig ist dabei eine separate Trassee für den ÖV angedacht.

Sehu rechnet mit rund 15'000 Fahrzeugen täglich auf dem Zuba; in Basel werde die Entlastungswirkung auf 30 bis 40 Prozent geschätzt. Der Zubringer soll für das vierte Bundes-Agglomerationsprogramm angemeldet werden, was einen Realisierungsbeginn ab 2024 bedeuten würde. Die Planauflage ist derzeit auf 2022 terminiert, der Realisierungs-Kreditbeschluss des Landrates 2023.

Die Gesamtkosten werden aktuell auf 370 Millionen Franken (mit MWSt) geschätzt, dies bei einer Unschärfe von 20 Prozent. Sofern der Landrat zustimmt, soll der Kanton Baselland diese Investitionskosten tragen. Sehu hofft auf den maximalen Bundesanteil von 40 Prozent, womit netto noch gut 220 Millionen auf den Landkanton entfielen. Den Schlüssel erklärte Pegoraro mit dem Nutzen, der primär beim Baselbiet liege.

Tramlinie und Autobahnring

Im Gegenzug soll Basel-Stadt die Federführung samt Planungskosten für die künftige Tramverbindung Bachgraben übernehmen. Diese hat noch nicht Form angenommen; realistisch ist ein Abzweiger von der heutigen 3er-Linie beim Zoll Burgfelden westwärts. Laut dem baselstädtischen Kantonsingenieur Roger Reinauer sind die Kosten noch offen; er geht von einem höheren zweistelligen Millionenbetrag aus.

Die neue Tramverbindung soll laut Wessels dereinst den Bachgraben mit dem Basler Bahnhof St. Johann verbinden, bei dem auch die Regio-S-Bahn-Linie ins Elsass hält. Sinn macht diese neue Tramlinie indes erst mit dem im S-Bahn-Ausbauschritt 2035 geplanten Angebotsausbau, weshalb sie erst später geplant werden soll.

Gemäss Sehu ist der Zuba als zweispurige Kantonsstrasse konzipiert, nicht als Bestandteil eines - im Stadtkanton hoch umstrittenen – Autobahn-Westrings samt Gundeldingertunnel. Die Kompatibilität werde jedoch gewährleistet. Zusammen mit einem zweiten Tunnel ergabe der Zuba allenfalls eine Umfahrung Allschwil.

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