Stadtentwicklung

Nordtangente wird oberirdisch «repariert»: Auf dem Horburgplatz steht bald ein Hochhaus

Räumliche und stilistische Nähe: Die beiden geplanten Gebäude neben ihren schutzwürdigen Nachbarn.

Räumliche und stilistische Nähe: Die beiden geplanten Gebäude neben ihren schutzwürdigen Nachbarn.

Buchner Bründler Architekten bauen im Kleinbasel zwei Wohntürme mit insgesamt 100 neuen Wohnungen. Damit füllen sie einen städtebaulichen Leerraum.

Der Bau der Nordtangente hat sich rückblickend als Segen für die Stadt erwiesen: Statt vollgestopfter Strassen zwischen Voltaplatz und dem Horburgquartier hat sich im öffentlichen Raum wieder das urbane Leben breitmachen können. An der Horburgstrasse jedoch, nahe der Abzweigung zur Brombacherstrasse, ist auf der Basis der damaligen oberirdischen Planung der unterirdischen Stadtautobahn eine eigenartige Leere entstanden, die Horburgplatz genannt wird. Diese Lücke wird nun in absehbarer Zeit geschlossen.

Eigentümerin der betreffenden Parzelle ist die CSA Real Estate Switzerland, eine Anlagegruppe der Credit Suisse Anlagestiftung. Sie hat schon vor einigen Jahren einen Architekturwettbewerb lanciert, aus dem Buchner Bründler Architekten in Basel 2017 als Sieger hervorgegangen sind.

Das betreffende Geviert ist für die Stadt Basel kein gewöhnliches. Statt der üblichen Blockrandbebauung des vorvergangenen Jahrhunderts, wie sie auch im benachbarten Matthäus-Quartier vorherrscht,  stehen dort vier Wohnhäuser, welche die damalige CIBA gegen Ende der vierziger Jahre als Arbeitersiedlung erstellen liess - nicht entlang der Strasse, sondern rechtwinklig dazu mit Grünräumen dazwischen.

Unterschutzstellung ist unbestritten

Die Eigentümerin will diese Gebäude mit rund 160 meist preisgünstigen Wohnungen stehen lassen. Ja, mehr noch: Mit ihrer Unterstützung läuft ein Unterschutzstellungsverfahren. Kantonsbaumeister Beat Aeberhard, der Vertreter der Eigentümerschaft, wie auch Architekt Andreas Bründler lobten an einer Medienkonferenz die innere und äussere Qualität der vom Basler Architekten Arnold Gfeller entworfenen Bauten. Dieser hatte unter anderem auch für die Entenweid-Hochhäuser beim Kannenfeldpark verantwortlich gezeichnet, die heute als geradezu vorbildliche Architektur jener Zeit gelten.

Zwar sei ursprünglich auch die Variante Abriss diskutiert worden, verriet Andreas Bründler. Man sei jedoch rasch zu einem anderen Schluss gekommen. Die gestern erstmals gezeigte Visualisierung der geplanten Bebauung vor den zwei «kürzeren» der bestehenden vier Gebäude und entlang von Strasse und Tramlinie, nimmt mit ihrer filigranen Fassadengestaltung deutlich Bezug auf die vierziger und fünfziger Jahre - und damit auf die Gfeller’sche Arbeitersiedlung.

«Quartierübliche» Preise 

Die Höhe der beiden Bauten wird mit 28 und 52 Metern beziffert. Um diese Höhe erreichen zu dürfen, muss ein entsprechender Bebauungsplan vorgelegt und vom Parlament verabschiedet werden. Der Plan ist ab kommender Woche beim Bauinspektorat öffentlich einsehbar. Der Schattenwurf des Hochhauses, so die Projektverantwortlichen, bewege sich im gesetzlich festgelegten Rahmen.

Das Erdgeschoss der Überbauung soll mit öffentlichen Nutzungen belegt werden. Preislich sollen die neuen Wohnungen «quartierüblich» ausgestaltet werden. Bei knapp der Hälfte wird es sich um 2,5-Zimmer-Wohnungen handeln. Lediglich in den obersten Geschossen werden grössere, aber auch deutlich teurere Mietwohnungen entstehen. Bezugsbereit sollen sie im Jahr 2025 sein. Die Eigentümerin wird für das Projekt rund 75 Millionen Franken investieren.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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