Der Juchz der Stadt-Jodler Basel-Riehen ist schon von weit weg her zu hören. Zuerst noch aus den Mikrofonen, dann wenige Gehminuten von der Autobahn und dem Badischen Bahnhof entfernt im Schatten des Roche-Turms auf dem Sandgrubenareal direkt vor Ort. Im urbanen Basel eher ungewohnt, gehört der Jodelgesang an einem Schwingfest zum guten Ton. Das wissen all jene, die jeweils am Auffahrtsdonnerstag den baselstätischen Schwingertag besuchen.

Doch am Nordwestschweizer Schwingfest vom Sonntag, das nach 16 Jahren erstmals wieder in Basel stattfand, war alles noch eine, wenn nicht zwei oder sogar drei Nummern grösser. Das Kleinbasel wurde für einen Tag zum Nordwestschweizer Schwingermekka, das Sandgrubenareal zu einer Oase des urchig-ländlichen Nationalsports.

Anzug statt Schwingerhosen

Der Schwingerfamilie, die in den vergangenen Jahren grossen Zuwachs erhielt, ist es egal, ob sie von Bauernhöfen, Bergspitzen oder Pharmariesen umgeben sind. «An einem Schwingfest ist die Stimmung immer ähnlich. Man setzt sich an einen Tisch und kommt ins Diskutieren», schwärmt Sandro Pianta aus Bubendorf, der seit 1995 jedes Eidgenössische und während zwanzig Jahren den Brünig-Schwinget besucht hat.

Schwingen sei längst nicht mehr nur der Sport der ländlichen Schweiz. Das findet auch sein Kollege Roland Murbach aus Breitenbach. «Aber natürlich hat es sonst nicht so viele Städter wie hier. Aber ich finde dieses Zusammenkommen schön.»

Die besten Bilder vom Nordwestschweizer Schwingfest 2018:

Roland Murbach ist im Kleinbasel aufgewachsen und ging unweit des Festplatzes zur Schule. Für ihn war das Teilverbandsfest quasi ein Heimspiel. Er mag die friedliche Stimmung an den Schwingfesten. Da störe es auch nicht, wenn die Leute mal einen über den Durst trinken. «Es gibt diese spezielle Festmoral. Es haben oft ein paar Besucher einen in der Kappe. Aber man merkt es ihnen nicht an oder die Kollegen schützen sie.»

Die friedliche Stimmung freute auch Sicherheitsdirektor und Ehrenpräsident Baschi Dürr (FDP), der in Anzug und Krawatte overdressed war. Er schätze am Schwingen das Zusammenkommen von Sport und Tradition. Selber stieg er aber noch nie in die Zwilchhosen. «Da habe ich wohl auch nicht die passende Postur dafür», sagte er schmunzelnd, bevor er begleitet von Tambouren mit OK-Präsident Rolf Klarer, Ehrendamen, Alphornbläsern und Jodelchörli den Festplatz für den Festakt betrat.

Regierungsrat Baschi Dürr (l.) mit OK-Präsident Rolf Klarer und Ehrendamen.

Regierungsrat Baschi Dürr (l.) mit OK-Präsident Rolf Klarer und Ehrendamen.

Zügeln dem Schatten nach

Schwingfans aus der ganzen Schweiz kamen nach Basel. Der Bündner Umberto Derungs besucht seit gut fünfzig Jahren rund dreissig Schwingfeste pro Jahr. Bereits am Samstagabend reiste er an. Um sieben Uhr, eine gute Stunde vor dem Anschwingen, war er bereits auf dem Schwingplatz. «Mir gefällt es hier prima. Die Stimmung ist gut, das Gelände schön. Es passt zu einem Schwingfest.» Es sei wichtig, dass das Schwingen auch in die Städte getragen wird. «Schwingen muss kein Sport fürs Land sein, sondern für alle.»

Weit gereist nach Basel war auch Marc Graven aus Zermatt. Er besuchte zum ersten Mal ein Schwingfest und gab offen zu, nicht wirklich Ahnung vom Sport zu haben. «Ein Gestellter ist ein Unentschieden, oder?», fragte er scheu in die Runde am Tisch. Bei Bratwurst und Bier liess er sich von der «ganz besonderen Stimmung» inspirieren. Wie viele andere auch suchte auch der Walliser nach kurzer Zeit auf der Tribüne einen Platz im Schatten.

Mike Müllestein freut sich über seinen Lebendpreis, den Muni Basileo.

Mike Müllestein freut sich über seinen Lebendpreis, den Muni Basileo.

Fröhliches Juchzen in der Hitze

Nicht wenige verbrachten mehrere Stunden auf den begehrten Sitzbänken unter den Föhren, die dem Schattenverlauf nach regelmässig gezügelt werden mussten. Die zwei Tribünen in der prallen Sonne waren oft nur spärlich besetzt. Die Hitze tat der Stimmung unter den 3000 Besuchern keinen Abbruch. Und wenn die Stadt-Jodler Basel-Riehen eine ihrer spontanen Gesangseinlagen zum Besten gaben, war es den Festbesuchern sowieso zum Juchzen zumute.