Wenn man den dramatischen Worten der Veranstalter glaubt, dann drohte das Kulturfloss Anfang dieses Jahres unterzugehen. So bäumte sich vor einigen Monaten eine «grosse Wasserhose auf», kündigte sich ein «heftiges Unwetter» an, um nur zwei der vielen Bilder zu nennen, die bei der Programmpräsentation heraufbeschworen wurden.

Konkreter wurde Tino Krattiger erst auf Nachfrage: Sponsoren drohten abzuspringen, es habe viel Überzeugungskraft erfordert, um das notwendige Geld (Gesamtbudget: 450'000 Franken) aufzutreiben, damit das Festival «Im Fluss» 2017 nicht ins Wasser fiel.

Denn was das Programm anging, so hatte man sich bereits für «volle Kraft voraus» entschieden. Statt wie bisher im fünfstelligen Bereich wurde das Gagenbuget erhöht. Neu beläuft es sich auf 120'000 Franken. Es habe einfach zu viele grosse Künstler gegeben, die man in diesem Jahr angeln konnte.

Tatsächlich fällt auf, wie viele bekannte Namen das Programm zieren, das erstmals die Handschrift von Gaetano Florio trägt. Der 47-jährige Basler beerbt den langjährigen Booker Heinz Darr, der sich im letzten Jahr aus dem Festivalgeschäft zurückzog. Florio hat langjährige Erfahrungen als Projektleiter, Tourkoordinator und auch als Agent für Bands. Dass die Booking-Tätigkeit für ihn Neuland bedeutet, lässt er sich nicht anmerken.

«Ich überlegte mir, wen ich gerne auf dem Floss sehen möchte und setzte eine Liste auf mit Künstlern, zu denen ich persönliche Kontakte hatte.» So kennt Florio etwa den Tontechniker von Edoardo Bennato, dem italienischen Cantautore, der mit «Viva la Mamma» oder «Un estate italiana» Musikgeschichte geschrieben hat. «Über seinen Tontechniker habe ich vorsondiert, ob ein Konzert möglich wäre. Anfänglich hiess es: Vergiss es! Bennatos Festivalgagen bewegen sich im sechsstelligen Bereich, das Konzert hätte fast unser ganzes Gagenbudget ausgereizt», sagt Florio. Mit Verhandlungsgeschick und vielen Telefonaten nach Neapel vermochte er den Traum eines Konzerts voller Italianità schliesslich zu realisieren.

Ähnlich verhielt es sich mit Element of Crime, Nits und Eluveitie, allesamt Acts, die eigentlich fürs Kulturfloss eine Nummer zu gross sind. Und, im Fall von Eluveitie, auch eine Nummer zu laut. Die Band, die mit ihrem keltischen Metal von der Schweiz aus die Welt erobert hat, wollte unbedingt auf dem Rhein spielen. «Zuerst sagte ich nein. Ein Konzert von ihnen würde das Boot versenken», sagt Florio. Die Band insistierte, weil sie mit einem Unplugged-Programm unterwegs sei – und sich für Basel Spezielles ausgedacht habe. «Da merkte ich: Die wollen wirklich unbedingt hier spielen. So konnten wir uns einig werden.»

Zahlreiche dieser bekannten Bands haben ihre Gagenforderungen nach unten geschraubt, ansonsten wäre das schillernde Programm 2017 nicht möglich geworden. «Eines der Managements beharrte darauf, für seinen Künstler 25 Freitickets einzufordern. Das sei nicht möglich, teilte ich ihnen mit … es dauerte dann einige Zeit, bis man seitens Management verstand, dass die Fluss-Konzerte allen Menschen zugänglich sind und wir dafür keinen Eintritt verlangen, sondern eine Kollekte.»

Die Plätze entlang des Kleinbasler Ufers sind gratis, abgesehen von den Logenplätzen für Sponsoren. Zusätzlich richtet Tino Krattiger heuer einen Floating Golden Circle ein, wie man es nennen könnte: Plätze in der ersten Reihe, auf dem Fluss. So bietet die Konzertreihe neu die Möglichkeit, sich einen Sitzplatz in einem Weidling zu sichern und die Bands aus nächster Nähe, vom Wasser aus zu erleben. Kostenpunkt pro Person: 99 Franken. 

Was auch 2017 auffällt: Da ist kaum ein regionaler Act auf der Affiche. Bleu Roi bilden die Ausnahme: Ausgerechnet die ruhigsten Klänge im gesamten Programm kommen aus Basel. Dass keine weiteren regional verankerten Musiker verpflichtet wurden, hängt damit zusammen, dass der RFV seine Unterstützung (20'000 Franken) einstellte. Dadurch sieht sich das Floss-Team auch nicht mehr verpflichtet, regionale Musiker zu engagieren.

«Die Nachwuchsförderung fällt weg», kommentiert Tino Krattiger. Das wolle man nutzen, und sich ein internationaleres Profil verleihen. Dafür sprechen die Engagements von Holly Golightly (England), Nits (Holland), Lola Marsh (Israel), Blues Pills (Schweden) oder Ray Wilson (Schottland). Die Schweiz ist mit Pippo Pollina, Ritschi und Troubas Kater vertreten.

Letztere beide traten schon einmal auf dem Floss auf, allerdings bei dermassen schlechten Witterungsbedingungen, dass sie Tino Krattiger zurückholt - in der Hoffnung, dass ihnen 2017 die Sonne hold ist.