Mit der Erweiterung des Biotechnikums im elsässischen Huningue wird die Anlage zu einer der weltweit grössten biotechnologischen Produktionsstätten. Wenige Hundert Meter von der Grenze zu Basel und in Sichtweite des Novartis Campus stellt Novartis derzeit vier Medikamente her: Xolair gegen Asthma, ein Mittel gegen Psoriasis, die Schuppenflechte, entzündungshemmende Mittel und ein Medikament, das bei Nierentransplantationen eingesetzt wird. Ein weiterer Wirkstoff befindet sich in den klinischen Tests.

«Mit der Investition von 100 Millionen Euro wird die Kapazität der Anlage um 70 Prozent erhöht», sagt Direktor Stéphane Piquand. Die tierischen Zellen vervielfachen sich in Bioreaktoren zunehmender Grösse. Die grössten fassen 15 000 Liter. Von ihnen gibt es bisher sechs, zu denen zwei hinzukommen. Die Gesamtkapazität steigt also von 90 000 Liter auf 120 000 Liter.

Eine vollständige zweite Reinigungslinie wird hinzugefügt, einschliesslich einer zweiten Zentrifuge. «Unser Ziel ist, die Proteine wiederherzustellen, die uns interessieren», erklärt Piquand. Für die weiteren früheren Produktionsphasen, die in kleineren Bioreaktoren laufen, ist der Standort Huningue genügend ausgestattet.

Gefroren nach Stein

Derzeit werden die neuen Geräte in dem Erweiterungsbau installiert. 2018 laufen erste Testphasen, 2019 beginnt die Produktion. Die in Huningue gewonnenen Antikörper werden gefroren ins 40 Kilometer entfernte Stein (AG) transportiert, wo die Medikamente verpackt werden. Das Werk von Huningue erzeugt pro Jahr ein Äquivalent von fast 6 Millionen Dosen. «Das entspricht allerdings nicht einer Behandlung. Etliche Patienten benötigen mehrere», präzisiert Piquand.

Derzeit arbeiten 470 Personen im Biotechnikum Huningue. Mit der Erweiterung kommen 100 Arbeitsplätze dazu. Die Tätigkeit ist anspruchsvoll. «Neue Mitarbeiter werden vier bis sechs Monate ausgebildet, ehe sie eigenständig in der Produktion arbeiten», sagt der Direktor. 30 Prozent der Beschäftigten hätten einen Universitätsabschluss, der fünf Jahren Studium entspricht oder wären doktoriert.

Piquand geht davon aus, dass der Markt für biotechnologische Medikamente bis 2020 im Jahr um sechs Prozent wächst. Da ist es wichtig, mehrere Standorte zu haben, falls einer ausfällt. Neben Huningue produziert Novartis auch in Deutschland, Österreich und Slowenien biotechnologisch.

Eine grössere Anlage entsteht in Singapur. Der Standort Klybeck in Basel, an dem zurzeit klinische Studien durchgeführt werden, wird laut Medienstelle kommerzieller Standort. Detaillierte Informationen zur Produktionskapazität oder zu den Zellbank-Produktionsstätten teilt Novartis nicht mit. Diese seien vertraulich.
Die Grundsatzentscheidung für den Standort in Huningue fällte 1993 noch Ciba-Geigy. Ursprünglich sollte das Biotechnikum in Basel gebaut werden, stiess dort aber aufgrund der Kritik an der Gentechnik auf Widerstand. In Frankreich war dies nie gross Thema und Piquand betont, dass höchste Sicherheitsstandards eingehalten würden. «Ausserdem arbeiten wir nicht mit krankheitserregenden Zellen.»

Der Start für das Biotechnikum in Huningue gestaltete sich dennoch schwierig. Das Gebäude war 1996 fertig, stand aber bis 2003 leer. Ursprünglich hätte hier Hirudin produziert werden sollen – es fiel aber durch die klinischen Tests. Die Produktion wurde dann 2005 mit dem Asthma-Mittel Xolair aufgenommen. Zwischen 2003 und 2015 hat Novartis 266 Millionen Euro in den Standort Huningue investiert.

Hohe Erfolgsquote

Die Entscheidung, hier weitere 100 Millionen zu investieren, fiel auch, weil es in Huningue bereits eine gut funktionierende Anlage mit ausgebildeten Mitarbeitern gab. «Wir haben eine Erfolgsquote von mehr als 96 Prozent. Das ist ausgezeichnet», freut sich Piquand. Positiv wirke sich auch die Nähe zu Forschung und Entwicklung und Konzernspitze auf dem Campus aus.