Der langjährige Konzernchef und Präsident von Novartis war im Februar zurückgetreten. Seither unterstützt er seinen interimistischen Nachfolger an der Spitze des Verwaltungsrats, Ulrich Lehner. Auch dem künftigen Verwaltungsratspräsidenten Jörg Reinhardt, der sein Amt am 1. August antritt, wird Vasella zur Seite stehen. Für seine Dienste während der "Übergangsphase" bis Ende Oktober bezieht er rund 5 Mio. Franken, wie Novartis am Mittwoch mitteilte.

2,7 Mio. Fr. erhält Vasella in bar, hinzu kommen 31'724 Aktien, die gegenwärtig einen Marktwert von 2,2 Mio. Fr. haben.

Ausserdem wird der 59-Jährige ab kommendem Jahr als Berater und Redner an Anlässen für Novartis tätig bleiben. Er erhält pro Beratertag 25'000 Dollar, mindestens aber eine Viertelmillion Dollar pro Jahr bis 2016.

Im vergangenen Februar hatten Daniel Vasella und Novartis mit einem Konkurrenzverbot für öffentliche Empörung gesorgt: Das Versprechen, während sechs Jahren nicht für andere Pharmaunternehmen zu arbeiten, wollte sich der scheidende Verwaltungsratspräsident mit 72 Mio. Fr. entgelten lassen.

Schliesslich verzichtete er auf die Summe. Damit wurde auch das Konkurrenzverbot hinfällig. Die nun abgeschlossenen Vereinbarung ändert nichts daran, dass Vasella künftig wieder für Konkurrenten von Novartis arbeiten darf. Nach seinem Rücktritt verliess Daniel Vasella die Schweiz, er lebt heute in den USA.

Solides Ergebnis

Novartis konnte am Mittwoch solide Halbjahreszahlen vorweisen: Die Einnahmen stiegen gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 2 Prozent auf 28,50 Mrd. Dollar.

Der operative Gewinn lag kaum verändert bei 5,87 Mrd. Dollar. Unter dem Strich verdiente Novartis in den ersten sechs Monaten 4,97 Mrd. Dollar und damit 1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dabei entwickelte sich die Pharmasparte als wichtigster Geschäftszweig schwächer. Sie steuerte mit 16,0 Mrd. Dollar 1 Prozent weniger Umsatz bei. Das operative Ergebnis sank im zweiten Quartal deutlich, nachdem es im ersten noch gestiegen war. Über das gesamte Halbjahr gesehen ergab sich ein Rückgang von 1 Prozent auf 5,1 Mrd. Dollar.

Konkurrenz durch Generika

Konzernchef Joseph Jimenez führt das Minus insbesondere auf die Konkurrenz durch günstigere Generika-Medikamente zurück. Allein im zweiten Quartal gingen Novartis dadurch bei Produkten, deren Patentschutz abgelaufen ist, rund 700 Mio. Dollar Umsatz durch die Lappen, wie Jimenez an einer Telefonkonferenz ausführte.

Zu Kompensieren versucht der Konzern die Ausfälle mit Produkten, die noch patentgeschützt sind. Jimenez verwies auf steigende Umsätze mit so genannten Wachstumsprodukten. Diese definiert Novartis als Produkte, die 2008 oder später eingeführt wurden oder in den wichtigsten Märkten noch mindestens bis 2017 Patentschutz geniessen.

Wachstumsprodukte generierten im ersten Halbjahr Einnahmen von 8,7 Mrd. Dollar und damit 14 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Im zweiten Quartal legten sie um 13 Prozent an Umsatz zu. "Das zeigt, dass wir fähig sind, unser Portfolio zu verjüngen", erklärte Jimenez, der seit 2010 an der Spitze des Pharmakonzerns steht.

Der US-Amerikaner zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Halbjahresergebnis. Eine Entwicklung in diesem Rahmen erwartet Novartis nun auch für das gesamte Geschäftsjahr. 2013 soll der Umsatz im unteren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Damit passt der Konzern seine bisherige Prognose nach oben an. Bisher war er von einem Nettoumsatz auf dem Niveau von 2012 ausgegangen. Beim operativen Gewinn erwartet Novartis nun einen Rückgang im unteren (statt wie bisher im mittleren) einstelligen Prozentbereich.

Analysten hatten grösstenteils mit der Erhöhung der Guidance gerechnet. Erst am Vortag hatte der US-amerikanische Konkurrent Johnson & Johnson seine Prognose angehoben. Insgesamt bewerten die Analysten das Halbjahresergebnis als solide.

Der Aktienkurs von Novartis gab dennoch nach: Nach einem guten Auftakt rutschte er in die Verlustzone und schloss mit einem Minus von 0,4 Prozent. Der Gesamtmarkt, gemessen am Swiss Market Index (SMI), beendete den Handel mit 0,1 Prozent im Minus. Beobachter nannten die allgemeine Marktverunsicherung als Grund.