Man könnte es unter dem Begriff «Spezialitätenchemie» zusammenfassen, was im Campus St. Johann der Novartis in einem Keller lagerte: Weine der edelsten und vor allem teuren Sorten, meist unter dem Label «Grand Cru». Zwei Kantinenangestellte bedienten sich dort fleissig und wollten offenbar einen regen Handel aufziehen. Doch nach einigen Wochen flog die Sache im August 2011 auf, und gestern gab es für die Schnapsidee vor dem Basler Strafgericht eine gesalzene Rechnung.

Konkret hatten die beiden Männer in vier Monaten insgesamt 234 Flaschen mitgehen lassen. Die Etiketten trugen geflügelte Namen wie Cheval Blanc, Latour, Haut-Brion, Angelus und Mouton Rothschild.

Auf die Idee seien sie gekommen, als sie spätabends im Catering arbeiten mussten und dabei offenbar auch Zugang zum Weinkeller hatten. Online suchten sich die beiden Elsässer einen Weinhändler und wurden in Frankreich auch bald fündig: Sie seien Brüder, behaupteten sie, und die Weine stammten aus dem Nachlass ihres verstorbenen Vaters. Der Weinhändler kaufte ihnen 167 Flaschen für rund 30'000 Euro ab. 60 Flaschen fand man später bei beiden Männern zuhause, als man ihnen auf die Schliche kam – der Wein wurde zurückgegeben. Die Männer sassen drei Wochen in Untersuchungshaft und waren durchwegs geständig.

Sieben Flaschen fehlen

Der Verbleib der restlichen sieben Flaschen blieb unklar. Der 49-jährige Sommelier der beiden gab zu, zwei oder drei der Flaschen selbst getrunken zu haben – der 41-jährige Kellner hingegen meinte, er mache sich nichts aus Wein, der sei ihm zu bitter. Der Klau diente einzig der Geldbeschaffung -- der 49-Jährige setzte es für den Hausbau ein, der 41-Jährige für Unterhaltszahlungen.

Einzelrichterin Kathrin Giovannone sprach sie gestern wegen banden- und gewerbsmässigen Diebstahls schuldig und setzte für beide Männer eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung fest. Der Verteidiger hatte vergeblich moniert, hier handle es sich weder um eine Bande, noch seien die beiden gewerbsmässig vorgegangen; er hatte eine Geldstrafe gefordert. Das Verschulden der Männer sei nicht besonders hoch – sie hätten lediglich eine Gelegenheit ergriffen.

«Sie haben ihre beruflichen Kenntnisse ausgenützt und es bestand ein direkter Zusammenhang mit ihrer Arbeit», sagte hingegen Giovannone, deshalb sei die Gewerbsmässigkeit klar gegeben. Durch den Auftritt als Brüder mit der angeblichen Erbgeschichte sei auch ein Merkmal für Bandenmässigkeit vorhanden.

Noch keinen Rappen beglichen

Giovannone berücksichtigte bei der Strafe hingegen, dass beide Männer bislang nicht vorbestraft waren und von der Kantinenbetreiberin danach fristlos entlassen worden sind. Auch lag die Anklage bei der Staatsanwaltschaft zwei Jahre lang in der Schublade.

Am härtesten trifft die beiden Männer wohl die Zivilforderung: Das Gericht setzte den Wiederbeschaffungswert der in Frankreich verkauften Ware auf 40 000 Franken, und für diesen Betrag haften beide Männer solidarisch. Kathrin Giovannone nahm gestern erstaunt zur Kenntnis, dass beide Männer bislang noch keinen Rappen der Zivilforderung beglichen haben. Sie betonten aber, sie würden ihre Schulden bezahlen. Beide können das Urteil noch weiterziehen.