«Der Neubau für das Naturhistorische Museum wäre nur der erste Dominostein», meint der Basler FDP-Präsident Luca Urgese. Und SVP-Grossrat Joël Thüring spricht gar von der «Mutter aller Entscheide, die in der Basler Museumspolitik alles verändern wird». Ein Referendum gegen das 225-Millionen-Projekt sei deshalb definitiv ein Thema, sind sich die beiden einig.

Immerhin seien aus allen Parteien skeptische Stimmen zu hören. Deshalb solle das Basler Stimmvolk das letzte Wort haben angesichts der Folgekosten von alles in allem rund einer halben Milliarde Franken.

Bereits einen Vorentscheid gefällt haben die vorberatenden Grossratskommissionen: Wie die bz schon anfangs November berichtet hat, stimmt sowohl die Bau- und Raumplanungskommission (BRK) als auch die Bildungs- und Kulturkommission (BKK) dem Ratschlag der Regierung zu. Am Freitag sind die beiden Berichte offiziell veröffentlicht worden.

Die beiden Kommissionen beantragen dem Grossen Rat mehrheitlich, dem Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv zuzustimmen. Das Kantonsparlament wird im Januar über die Vorlage befinden.

Vorteile würden überwiegen

Für die BRK überzeugt die Vorlage planerisch und städtebaulich. Das neue Kulturgebäude werde einen wichtigen Beitrag leisten zur Lebensqualität im St. Johann-Quartier sowie im angrenzenden zukünftigen Stadtquartier Volta Nord. Gleichzeitig könnten das Staatsarchiv und das Museum von baulichen, betrieblichen und inhaltlichen Synergien profitieren. Und dann sei der neue Standort erst noch besser erreichbar als der bisherige Museumsstandort.

Der Auszug des Naturhistorischen Museums ermögliche weiter die ohnehin nötige Sanierung des Berri-Baus. Danach soll das Antikenmuseum einziehen. Auch diese von der Regierung favorisierte Rochade stösst bei der Baukommission auf Zustimmung.

Kontrovers diskutiert hat die BRK dagegen die letztlich beantragte Bausumme von 214 Millionen Franken. Es habe sich gezeigt, dass eine namhafte Reduktion dieses Betrags nicht realistisch sei, schreibt Kommissionspräsident Jeremy Stephenson (LDP). In der BKK dagegen bleibt eine Minderheit kritisch. Sie bemängelt den Leistungsausbau und die Mehrkosten im Vergleich zum Vorprojekt. Aus diesem Grund spricht sie sich für eine Rückweisung der Vorlage aus mit dem Antrag, ein Projekt vorzulegen, welches den 2013 geäusserten politischen Willen des Grossen Rats einhalten soll.

Endlich Schwerpunkte setzen

Grundsätzliche Bedenken zur kantonalen Finanzplanung für die Basler Museen äussert aber auch die Baukommission. Bereits jetzt zeichne sich ab, dass bei weiteren Museen bauliche Massnahmen nötig werden. Konkret: Der Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs kostet total 225 Millionen Franken, die Sanierung des Berri-Baus 120 Millionen.

Saniert werden soll auch das Haus zum Kirschgarten für 35 Millionen, genauso wie der Altbau des Kunstmuseums für nochmals 100 Millionen. Heisst: In den nächsten zehn Jahren stehen Umbauten für rund eine halbe Milliarde Franken an. «Die BRK erachtet es deshalb als zwingend notwendig, dass das Präsidialdepartement Lösungen aufzeigt und der Kanton in Zukunft kulturpolitische Schwerpunkte setzt», kommentiert die Baukommission.

Gerade die hohen Kosten liegen auch den Kritikern auf dem Magen. «Wir können nur über den Museumsneubau frei entscheiden, alle weiteren Schritte sind dann zwingend», gibt SVP-Grossrat Thüring zu bedenken. «Und bisher zeigte das Präsidialdepartement keinerlei Bereitschaft, irgendwelche Schwerpunkte zu setzen», ergänzt FDP-Präsident Urgese.