Heuwaage

Nun liegt das Hochhaus-Projekt vor – doch die Verantwortlichen hüllen sich in Schweigen

Wird das Heuwaage-Hochhaus abgerissen oder saniert? Die Verantwortlichen halten sich noch bedeckt.

Ein unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführter Architekturwettbewerb ist beendet. Über das Ergebnis schweigen die Verantwortlichen noch. Mieter sind aufgebracht.

Es sah aus, als würden bald die Bagger auffahren. Passiert ist nichts. Seither sind zweieinhalb Jahre vergangen. Die Basellandschaftliche Pensionskasse bestätigte damals, dass sie ihre Liegenschaft an der Heuwaage totalsanieren oder abreissen lassen werde. Das erste Hochhaus der Innenstadt sei nicht mehr zeitgemäss, insbesondere, weil es nicht erdbebensicher gebaut sei. Ausserdem müsste die Heuwaage-Umgestaltung und die Aufwertung des Birsigparkplatz berücksichtigt werden.

Die Mieter waren aufgeschreckt durch den Artikel in der bz und befürchteten, bald die Zügelkisten packen zu müssen. Diese Angst begleitet jene Bewohner und Gewerbetreibende, die geblieben sind, heute noch genauso. Nach wie vor erfahren sie nichts. Alles basiert auf Treppenhaus-Gerüchten. Demnach soll das Haus nicht abgerissen, sondern nur saniert werden.

Nur noch befristete Mietverträge

Dies jedenfalls habe die Immobilienverwaltung Adimmo AG einem neuen Mieter gesagt. Dieser hat, wie alle Neumieter, einen befristeten Vertrag bis Ende 2018 erhalten. Schon vor zweieinhalb Jahren vergab die Verwaltung nur noch befristete Mietverträge. Zuerst bis Ende 2016, dann bis Ende 2017. Aktuell ist eine Wohnung ausgeschrieben. Sie ist nur bis Ende 2018 zu haben.

Die Zeit der Ungewissheit ist für die Hochhaus-Bewohner bald vorbei: Ein Architekturwettbewerb ist bereits abgeschlossen, eine fixfertige Projektstudie liegt vor. Das bestätigen die Verantwortlichen der Basellandschaftlichen Pensionskasse und des Basler Baudepartements auf Anfrage. Sie wollen Ende August über die Neuigkeiten informieren. Vorher sagen sie nichts. Grosse Architekturbüros wie etwa Diener& Diener oder Burckhardt+Partner haben nicht am Wettbewerb teilgenommen.

Die Geschäfte müssen ausziehen

Den Mietern ist egal, welcher Architekt zum Zug kommt. Sie sind aus einem anderen Grund aufgebracht. «Diese Ungewissheit ist furchtbar», sagt Marie-Rose Riviera von der Bijouterie Härry. Seit über 40 Jahren befindet sich der Laden im Parterre. Riviera hat ihn 2011 übernommen. Dies in der Annahme, bis zur Pensionierung dort arbeiten zu können. «Sonst hätte ich nicht so viel Geld in den Laden investiert.»

Sie hat sich geirrt: «Ich muss raus, wenn die Bauarbeiten beginnen», sagt sie. Mit ihrem Anwalt habe sie der Verwaltung einen Besuch abgestattet, um zu erfahren, was geplant sei. Als Antwort habe sie diese Information erhalten. Daraus schliesst Riviera, dass bereits ein konkretes Konzept für die Zukunft des Hochhauses vorliegt. «Ich würde mehr Zins zahlen, um bleiben zu können, aber was mit uns passiert, interessiert ja niemanden.» Sie sei sehr enttäuscht. Alle im Haus seien enttäuscht, denn es werde allen ergehen wie ihr: «Wir sind nicht mehr erwünscht.» Sie traue sich, dies öffentlich zu sagen, andere seien da vorsichtiger.

Markus Thommen vom Bistro Wulggegratzer erhält wie jeder Gewerbler alle sechs Monate ein Angebot zur Mietverlängerung. «Was Ende Jahr ist, weiss ich nicht.» Sein Lokal befindet sich seit 1987 dort. Das Jubiläum wird Thommen noch im Hochhaus feiern können.

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