Wagenplatz
Nun müssen die Wagenbewohner endgültig das NT-Areal verlassen

Ein runder Tisch mit den Wagenbewohnern und der Stadt hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Entweder die Besetzer gehen freiwillig, oder der Grundstückeigentümer lässt das Areal räumen.

Pascale Hofmeier
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Die Bewohner des Wagenplatzes schreiben ihren Standort, auf dem Naturschutzgebiet scherzhaft als Wagenschutzgebiet aus.
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Die Situation ist aber ernst.
Die Wohnwagen sollen bis Ende Februar vom nt-Areal verschwinden.
Ein neuer Standort ist noch nicht gefunden.
Die Wagenplatz-Bewohner appelieren an die Stadt.
Der Wagenplatz auf dem Basler nt-Areal

Die Bewohner des Wagenplatzes schreiben ihren Standort, auf dem Naturschutzgebiet scherzhaft als Wagenschutzgebiet aus.

Kenneth Nars

Das Ultimatum der Basler Regierung an die Wagenbewohner auf dem NT-Areal ist abgelaufen. Die Nachricht, die der Kanton gestern den Besetzern überbracht hat, ist unmissverständlich: Zieht die Wagenburg nicht freiwillig aus dem Naturschutzgebiet ab, wird der Grundeigentümer Anzeige erstatten. Und dann wird das Areal von der Polizei geräumt.

Von der Grundeigentümerin, der Bricks Immobilien AG, war gestern keine Auskunft erhältlich, bis wann sie den Wagenbewohnern Gnadenfrist gewähren will. Am runden Tisch nahmen neben Vertretern der Regierung auch Befürworter der alternativen Wohnform teil.

Begrenzter Stadtboden

«Es ist nicht die Aufgabe der Verwaltung, einen Platz zu suchen», sagte Regierungsratspräsident Guy Morin. Die Verwaltung habe sich ein halbes Jahr lang bemüht, einen Standort zu finden und gemacht, was möglich sei. «Es gibt in einem kleinflächigen Kanton Einschränkungen.»

Zum Beispiel sei der Wunschstandort der Wagenbewohner neben dem Horburgpark keine Lösung: «Das ist ein öffentlicher Park, den können wir nicht exklusiv einer kleinen Gruppe überlassen.» Die Alternative, die das Präsidialdepartement als Wagenplatz anbietet, ist die Freiburgstrasse. Innerhalb der Stadt Basel gebe es keinen anderen Standplatz, sagt Guy Morin: «Das ist innerhalb der Stadt die einzige Möglichkeit.»

Hohe Anforderungen

Damit schickt die Behörde die Wagenburg an den Standplatz zurück, den diese nach einem kurzen Intermezzo Mitte Dezember in Richtung Erlenmatt verlassen haben. Dies mit der Begründung, der Hinterhof eigne sich nicht für das alternative Wohnprojekt, weil er zu klein und zu dunkel sei.

Denn die Anforderungen, die die Wagenbewohner an einen Standplatz stellen, sind gross: mindestens 1500 Quadratmeter Fläche, am liebsten an der Sonne. Ob die Wagenbewohner das Angebot der Stadt nutzen und wirklich von der Erlenmatt abziehen werden, ist unklar. Gestern waren die Wagenburger nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Naturschutz war treibende Kraft

Verlassen müssen die Wagenbewohner die Erlenmatt, weil das Gebiet unter Naturschutz steht und Pro Natura sich gegen die Wagenburg gewehrt hatte. «Das Areal ist im kantonalen Inventar als bedeutendes Naturschutzgebiet ausgeschieden», sagt Thomas Schwarze von Pro Natura Schweiz. Es gebe auch keinen Verhandlungsspielraum, nur einen Teil des verbleibenden Gebietes als Wohnraum zu nutzen.

Die Wagenbewohner suchen seit Anfangs August 2011 nach einem Standplatz. Unterstützung haben sie unter anderem von der SP erhalten: «Es ist ein enttäuschendes Resultat», sagt Grossrätin Kerstin Wenk über den Ausgang des runden Tisches. Die Stadt sei keineswegs gegen alternative Wohnformen, sagte Thomas Kessler, Leiter der Stadtentwicklung, auf Anfrage. «Aber auf privatem Boden ist viel mehr möglich, als auf öffentlichem.»