Uni Basel
Nun soll eine Fakultät ins Baselbiet umziehen

Laut ertönt der Ruf nach der Ansiedlung einer bedeutenden Institution im Baselbiet – nicht nur aus politischen, sondern auch aus Kostengründen.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen
Uni Basel (Archivbild).

Uni Basel (Archivbild).

Nicole Nars-Zimmer

In einem einzigen Punkt sind sich Baselbieter Bürgerliche und Basler Linke in der Kontroverse um den Universitätsvertrag einig: Die Universität Basel sollte eine oder zwei Fakultäten in den Kanton Baselland zügeln, der seit 2007 gemeinsam mit Basel-Stadt die Uni mitträgt. So wäre es laut der Basler SP deutlich günstiger gekommen, die Wirtschaft- oder Jura-Studierenden am Bahnhof Muttenz einzuquartieren als vor wenigen Jahren im Jakob-Burckhardt-Haus am Basler Bahnhof SBB.

Aktuell beherbergt das Baselbiet «nur» zwei Uni-Institute: das Departement für Sport (St. Jakob-Areal, Münchenstein, wobei der Institutssitz auf Basler Seite liegt) sowie das kürzlich eröffnete Department of Biomedical Engineering (Bachgraben Allschwil). 2019 kommt am selben Ort das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut hinzu.

Immobilienvertrag: Ist Basel Profiteur?

Die Baselbieter SVP ist nicht zufrieden mit den Regelungen zu den Immobilien im gemeinsamen Univertrag. Baselland hat zuletzt Neubauprojekte wie das neue Biozentrum paritätisch mitfinanziert. Basel-Stadt ist Eigentümer etlicher Uni-Bauten. Ein Teil der Mieten, die Basel-Stadt als Uni-Träger aus der einen Tasche bezahlt, fliessen als Einnahmen wieder in seine Rechnung zurück. Im Baselbiet ist das nicht der Fall. Aus Sicht der SVP sind die der Uni verrechneten Mieten zu hoch, was dazu führe, dass Baselland als Uni-Mitträger mit überproportional hohen Kosten konfrontiert sei.

Teure Mieten in der Stadt

Studienrichtungen, die wenig standortgebunden sind, in die Agglomeration zu zügeln, wo die Mietpreise günstiger als im Stadtzentrum sind – das entspricht ganz der Meinung des Bottminger SVP-Landrats Hanspeter Weibel. «Man muss sich schon fragen, ob es sinnvoll ist, dass die Uni an bester Lage in der Stadt teure Räumlichkeiten belegt.» Schliesslich würden diese bei einer Vermietung im freien Markt massgeblich zur Wirtschaftsleistung der Stadt beitragen.

Dass dies heute nicht der Fall ist, erklärt Weibel so: Weil der Kanton selber Eigner vieler Uni-Liegenschaften sei und diese zu relativ hohem Preis an die Uni vermieten könne, sei der Anreiz gering, diese effizienter zu nutzen. Laut Weibel müsste deshalb der Immobilienvertrag, der parallel zum Universitätsvertrag geschlossen wurde, ersatzlos gekündigt werden (Kasten rechts). Damit würde der Druck steigen, dass die Uni vermehrt mietgünstige Liegenschaften belege sowie ein Interesse habe, Institute im Baselbiet zu domizilieren.

Die Baselbieter Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer hat sich über das schlechte Zeichen geärgert, das der Landrat mit seiner Forderung ausgesandt hat, den Uni-Vertrag neu zu verhandeln. Doch zur Standortfrage sagt auch sie: «Es ist ganz wichtig, dass nun intensiv darüber diskutiert wird, eine Uni-Fakultät im Baselbiet anzusiedeln.» Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) schreibt, dass im Kontext der «Weiterentwicklung der Uni-Trägerschaft» auch die Interessen des Kantons hinsichtlich verstärkter Mitsprache sowie als künftiger Standortkanton zu berücksichtigen seien.

Der Basler CVP-Grossrat Oswald Inglin fordert hingegen Gelassenheit. «Es bringt nichts, jetzt wegen der politischen Stimmung etwas übers Knie zu brechen.» Schlecht fände er es, wenn nun ohne klares Konzept und inhaltlichen Zusammenhang Institute gezügelt werden, «nur» damit die Uni auf Baselbieter Boden stärker präsent sei. «Wenn wir einzelne Fakultäten und damit die Uni auseinanderreissen, dann wird sie geschwächt.» Dies könne nicht im Interesse der beiden Trägerkantone sein, sagt Inglin, Präsident der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission. Bei einer grösseren Erweiterung der Uni sollte laut Inglin ein Standort im Baselbiet bevorzugt werden.

«BL hat keine Angebote gemacht»

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann (LDP) stellt auf Anfrage der bz klar, dass im Rahmen einer Standortevaluation für die Uni in partnerschaftlichen Verhandlungen 2008 (!) von einer Erschliessung in Muttenz die Rede gewesen sei. Diese Option sei aber von Baselland nicht weiterverfolgt worden. «Baselland hat keine ernsthaften Angebote für konkrete Areale gemacht», kritisiert Eymann. Positiv sei einzig, dass Lukas Ott, der Stadtpräsident von Liestal, sich immer wieder bemüht habe, im Gespräch mit der Uni zu bleiben.

Die Basler Regierung habe immer Offenheit gegenüber der Ansiedlung von Teilen der Uni im «geschätzten Partnerkanton» gezeigt, sagt Eymann abschliessend. Ähnlich äusserte sich gestern dessen Parteikollege und Universitätsrats-Präsident Ueli Vischer in der «Schweiz am Sonntag»: «Wir sind offen, im Landkanton eine Fakultät zu eröffnen – auch wenn es die Studenten wahrscheinlich nicht so gerne hätten.»