Strafgericht

Nun steht das Urteil fest: Acht Jahre Gefängnis für den Klybeck-Schützen

Der 43-Jährige schoss drei mal auf das Opfer. Ein Schuss streifte seinen Scheitel, einer ging in den Rücken. (Symbolbild)

Der 43-Jährige schoss drei mal auf das Opfer. Ein Schuss streifte seinen Scheitel, einer ging in den Rücken. (Symbolbild)

Ende einer Gewaltspirale: Wegen einer Schiesserei in der Klybeckstrasse muss ein 43-jähriger Mann acht Jahre ins Gefängnis. Zuvor war abgeklärt worden, ob der Mann zur Tatzeit voll zurechnungsfähig war und ob er vom Opfer erpresst worden war.

Drei Schüsse fielen an einem Nachmittag im November 2014 in der belebten Klybeckstrasse. Zwei davon trafen das ins Visier genommene 37-jährige Opfer: Ein Schuss streifte seinen Scheitel, der zweite ging in den Rücken. Dennoch ging der Angriff ungewöhnlich glimpflich aus, das Opfer leidet allerdings noch heute unter Schmerzen.

Gestern wurde der 43-jährige Schütze nun verurteilt: Wegen versuchter vorsätzlicher Tötung muss er für acht Jahre ins Gefängnis.

Der Fall wurde bereits im September verhandelt, dann aber ausgesetzt. Zuerst sollten offene Fragen zur Diagnose des Mannes und dessen Schuldfähigkeit geklärt werden. Nun lag das Ergänzungsgutachten vor: Der Täter leide an einer schweren dissozialen Persönlichkeitsstörung, sei aber voll schuldfähig.

Insbesondere leide er im eigentlichen forensisch-psychiatrischen Sinne nicht an Wahnvorstellungen. Der Verteidiger kritisierte das Gutachten aber stark und warf der Gutachterin sogar vor, sich nicht an wissenschaftliche Normen zu halten. Er betonte, die Steuerungsfähigkeit seines Mandanten sei zur Tatzeit eingeschränkt gewesen.

Gerichtspräsident Dominik Kiener räumte ein, gewisse Schlüsse des Gutachtens hätten auch ihn überrascht, doch das Gericht sah keinen Grund, hier von der Meinung der forensischen Expertin abzuweichen. Auch von «Warnschüssen» wollte das Gericht nichts wissen, da der Täter direkt auf den Kopf und Oberkörper seines Opfers gezielt hatte.

Motiv: Verschwörungstheorien

Der 43-Jährige hatte bislang immer ausgesagt, er habe die Schüsse im November 2014 nur deshalb abgegeben, weil er sich vom 37-Jährigen bedroht fühlte. Er sprach von Erpressung, weil von ihm angeblich Sex-Videos kursierten. Laut Kiener schenkte das Strafgericht dieser Darstellung aber wenig Glauben, und auch eine Abrechnung wegen geschuldeter Drogengelder erschien dem Gericht als nur wenig glaubwürdig.

Tatsächlich war der Mann kurz vor der Tat in psychiatrischer Behandlung und erhielt auch antipsychotisch wirkende Medikamente. Den Revolver hatte der Mann am Tag zuvor von seinem Vater geliehen und dabei die Geschichte einer angeblichen Bedrohung für die gesamte Familie als Vorwand genommen. Seit jenem November befindet sich der Mann in Haft.

Auch das Opfer wurde verurteilt

Sein 37-jähriges Opfer erhielt bereits im September das Urteil: Er hatte den 43-Jährigen ein halbes Jahr zuvor in der Flamengo-Bar brutal mit einem Schlagring verprügelt. Wegen versuchter schwerer Körperverletzung wurde er damals zu 20 Monaten bedingt verurteilt, dieses Urteil ist inzwischen rechtskräftig. Als Opfer der späteren Schüsse erhielt der 37-Jährige ein relativ mildes Strafmass, nun kam noch eine Genugtuung von 5000 Franken dazu.

Gefordert hatte er 20 000 Franken, das Gericht kürzte aber die Summe vor allem wegen der früheren Schlägerei. Auslöser der verwirrenden Gewaltspirale war damals ein Angriff des 43-Jährigen in der benachbarten Tiffany-Bar wenige Stunden zuvor. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen Mordversuchs und ein Strafmass von 12 Jahren verlangt. Der Fall kann von beiden Seiten noch an die nächste Instanz weitergezogen werden.

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