Basel Tattoo

Nur das Raclette läuft – die Tattoo Street zieht Fäden

Leere Bänke und kaum Kunden an den Ständen: Die wenigen Regenpausen reichen nicht, um Leute anzuziehen.

Leere Bänke und kaum Kunden an den Ständen: Die wenigen Regenpausen reichen nicht, um Leute anzuziehen.

Das Basel Tattoo leidet unter dem schlechten Wetter. Die Standbetreiber an der Tattoo Street klagen über markante Umsatzeinbussen. Statt nach den Vorstellungen in der Ess-Meile zu verweilen, fliehen die Gäste vor dem Regen.

Dieses Jahr konnte Erik Julliard seine Schäfchen nicht ins Trockene bringen. Zumindest wettertechnisch: Nachdem es in Basel wochenlang heiss war, perfektes Open-Air-Wetter also, prasselt der Regen seit der Generalprobe des Basel Tattoo Tag für Tag nieder. Der Tattoo-Produzent Julliard gibt sich gelassen: «Da die Leute wissen, dass es eine Open-Air-Veranstaltung ist, kommen sie auch bei Regen gut ausgerüstet. Der Regen bildet zudem einen wunderschön glänzenden Boden, der die Lichteffekte zum Teil verstärkt», erzählt er.

Die Gäste, die ihre Karten bereits vor Wochen gekauft haben, geniessen die Veranstaltung wie immer – einfach mit Regenschutz. Doch ausgebucht waren dieses Jahr zum Tattoo-Start erst 85 Prozent der Vorstellungen, und sich spontan an der Abendkasse noch ein Billett zu besorgen, ist an einem sonnigen Sommertag sicher verlockender als an einem kalten Gewitterabend.

Kunden bleiben aus

Auch für die Stände, die an der Tattoo-Street für das leibliche Wohl der Gäste zuständig sind, ist das schlechte Wetter ein Problem. Es sind fast nur Fasnachtscliquen, die rund um das Kasernenareal Essensstände betreiben. Diese sind es sich gewohnt, auch bei strömendem Regen auf der Strasse zu stehen. Doch den Tattoo-Gästen geht es anders: Sobald der Applaus verklingt, zieht es sie nach Hause ins Trockene.

Die Tattoo-Street ist teilweise bis um 1 Uhr früh geöffnet und an heissen Sommertagen auch bis in die Morgenstunden belebt. Doch wer in den letzten Tagen nach der Abendvorstellung noch auf beim Kasernenareal vorbeischaute, traf auf ein ungewöhnlich leeres Bild. Bei der «Rätz Clique» merkt man im Vergleich zu den Vorjahren den Einbruch der Kundenzahlen deutlich: «Nicht nur die Tattoo-Besucher kommen pünktlich und gehen rasch nach der Vorstellung. Auch Basler, die sonst einfach die Stimmung hier genossen haben, möchten sich jetzt nicht mehr nach draussen setzen.» Weil zum Regen noch ausserordentlich kühle Temperaturen dazukommen, würden auch die ohnehin wenigen überdachten Sitzplätze nur noch knapp gefüllt.

Fondue, «Kääskiechli» und der schottische Hochlandeintopf: Das kulinarische Angebot an der Tattoo-Meile scheint ohnehin nicht von sommerlichen Temperaturen inspiriert zu sein. Aber ein winterliches Angebot hat trotz Sauwetter besonders Erfolg, berichtet der FC Amicitia Riehen: «Raclette läuft immer gut, bei 36 und bei 16 Grad.» Ob es trotz des Verkaufsschlagers zu merklichen Einbussen gekommen ist, können sie jetzt noch nicht einschätzen. Ohnehin stellen nicht nur die wetterbedingt schwankenden Einnahmen Basler Cliquen dieses Jahr vor die Frage, ob sie am nächsten Tattoo noch einen Stand betreiben wollen.

Basel Tattoo 2017: Dudelsäcke und Trumps Eskorte

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Widersprüche im Konzept

Bereits jetzt spüren die Standbetreiber die vier gestrichenen Vorstellungen. Und auch der Beschluss, dass sich die Standmieter ab nächstem Jahr am Verkauf der Tickets beteiligen müssen, stand bereits in der Kritik. Eine weitere Ankündigung Julliards könnte das Projekt Tattoo-Street 2018 zusätzlich ins Wanken bringen: Einige Abendvorstellungen werden dann nämlich auf 21 Uhr vorverlegt. «Diese Verschiebung soll die Rückreise für Besucher aus der Innerschweiz oder aus dem Ausland vereinfachen. Der Bahnhof kann so bereits gegen 23 Uhr erreicht werden, was die Heimreise attraktiver gestaltet», sagt er.

Das mag zwar für Besucher aus der ganzen Schweiz den Entscheid erleichtern, fürs Tattoo nach Basel zu fahren, verlockt aber auch dazu, das Areal direkt nach der Vorstellung zu verlassen. Ein Entscheid, der das Konzept, Verpflegungsstände bis in die tiefe Nacht für die Besucher offen zu halten, untergräbt. Bisher kann man aber erst über die diesjährige Tattoo-Street sagen: Sie ist ins Wasser gefallen.

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