Rechnet man alle Frauen zusammen, die es in Basel-Stadt und Baselland je in die Kantonsregierung schafften, kann man sie an einer Hand abzählen: Es waren drei im Stadtkanton und zwei im Baselbiet. Das ist eine äusserst dürftige Bilanz, wenn man über die Region hinaus schaut. Kantone wie Zürich, Bern oder Waadt (alle sechs) sind weit voraus.

In den Bundesrat haben es bisher sieben Frauen geschafft. Mehrere von ihnen verdanken ihre politische Karriere dem Regierungsratsamt in ihrem Heimkanton – etwa Micheline Calmy-Rey in Genf oder Eveline Widmer-Schlumpf in Graubünden. Die Region Basel stellte noch nie eine Bundesrätin.

In Basel-Stadt wird am 18. Mai der Nachfolger von Gesundheitsdirektor Carlo Conti gewählt. Mit Martina Bernasconi stellt sich wieder mal eine Frau. Schafft sie es, wäre sie die erste Nicht-SPlerin in der Basler Regierung. Doch das wäre eine Überraschung. Lukas Engelberger von der CVP gilt als Favorit und wird auch von zahlreichen Linken unterstützt.

Bürgerliche waren untätig

«Frau sein ist eine willkürliche Eigenschaft», stellt Andrea Strahm, Vizepräsidentin der Basler CVP klar. Es ist nicht überraschend, dass sie «ihren» Kandidaten Engelberger unterstützt. Strahm räumt aber ein: «Bürgerliche Parteien haben sich nicht durch grosse Frauenförderung ausgezeichnet.» Sie bedauert das. «Es schadet uns Bürgerlichen», sagt sie.

Die Linken hätten es einfacher, weil es bei den Bürgerlichen immer auch konservative Überzeugungen zu überwinden gelte – nicht zuletzt bei den Frauen selber. Zum Beispiel was die Vereinbarkeit von Beruf von Familie angeht. Dabei: «Ich habe auch immer gearbeitet und hatte Kinder. Das ist kein Problem», sagt Strahm. Dass im Kanton Baselland beispielsweise Sabrina Mohn als CVP-Präsidentin zurücktrat, als sich Nachwuchs ankündigte, scheint Strahms Theorie zu bestätigen.

Patricia von Falkenstein, Präsidentin der Basler LDP stellt ebenso fest: «Bürgerliche haben mehr Mühe mit Frauen.» So würden linke Männer eher als bürgerliche Männer Frauen wählen. Gleichzeitig weist von Falkenstein darauf hin, dass im Kanton Baselland die beiden Regierungsrätinnen bürgerlich sind. Tatsächlich gab es im Baselbiet noch nie eine linke Frau in der Regierung. Immerhin steht mit Regula Nebiker eine aussichtsreiche Kandidatin für die Wahlen 2015 bereit.

SP-Patron rügt linke Frau

Die Basler SP – die erfolgreichste «Frauenpartei» der Region – sagt, sie schaue für sich und sonst niemanden. «Wir machen unseren Job. Die Bürgerlichen sollen ihren machen», sagt Präsidentin Brigitte Hollinger. Wichtig sei, dass das Thema auf der Agenda stehe.

Doch auch bei den Basler Genossen wehte schon ein anderer Wind. Folgende Anekdote wird herumgereicht: Als im Jahr 2000 der nun zurücktretende Carlo Conti gewählt wurde, trat Rita Schiavi von der Linkspartei Basta gegen ihn an. Dafür soll sie vom ehemaligen Parteipräsidenten und SP-Doyen Helmut Hubacher unfreundlich zusammengestaucht worden sein.

Ob die schlechte Frauenquote in den Exekutivgremien der Region nun – wie einige Bürgerliche behaupten – Zufall ist, oder ob doch mehr dahinter steckt, ist gar nicht entscheidend. Fakt ist, dass die Bevölkerung eine Sensibilität dafür hat. So wurde Anfang Jahr in Basel eine Geschlechterquote mit grosser Mehrheit angenommen. Es spielt deshalb auch keine Rolle, welchem politischen Lager man angehört: In der Region Basel regierten bisher 5 Frauen und 161 Männer. Das sollte zu denken geben.