Öffentlicher Verkehr
Nur noch ein Billett: Kleine Tarif-Harmonisierung über die Basler Grenze

Für Einzelfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Grenze nach Deutschland braucht man im Raum Basel bald nur noch ein Billett. Die beiden Tarifverbünde RVL und TNW haben sich darauf geeinigt, das Tarifsystem per Juni 2018 zu überarbeiten.

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Am «Lörracher» Automaten im Basler Bahnhof SBB kostet das Billett nach Lörrach 50 Rappen weniger als am TNW-Automaten. Damit soll Schluss sein.

Am «Lörracher» Automaten im Basler Bahnhof SBB kostet das Billett nach Lörrach 50 Rappen weniger als am TNW-Automaten. Damit soll Schluss sein.

Kenneth Nars

Heute braucht man für ÖV-Einzelfahrten über die Grenze jeweils ein eigenes Billett für den Schweizer und den deutschen Streckenabschnitt. Zudem ist der Preis für die gleiche Strecke oft unterschiedlich, je nach Ausstellungsland. Dieses Kunden-Ärgernis liegt an unterschiedlichen Verbunds-Trägerschaften samt Tarifen und Wechselkursen.

Nun haben sich der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) und der Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) zusammengerauft, um grenzüberschreitende Einzelfahrten zu vereinfachen und die Preise zu harmonisieren, wie sie am Dienstag mitteilten. Künftig gelte dabei für Hin- und Rückfahrt auf der gleichen Strecke auch derselbe Preis.

Mischpreis ohne Erhöhung

Unter dem Strich bleibt der Gesamtpreis für eine Hin- und Rückfahrt gegenüber heute unverändert, wie TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck sagte. Heute ist die gleiche Strecke aus Deutschland billiger als aus der Schweiz; künftig gelte ein "Mischpreis" für Einzelbillette. Diesen Schritt zu errechnen und auszuhandeln sei ein hartes Stück Arbeit gewesen.

Neben Einzelfahrt-Tarifen für Erwachsene, Kinder sowie für Erstklass-Fahrten soll es auch einen Spezialtarif für Inhaber eines Schweizer Halbtax-Abos geben. Dieser berücksichtige anteilsmässig die Halbtaxabo-Ermässigung im Billettpreis.

Weiterhin Anschlussbillette lösen müssen hingegen Inhaber von Umweltschutz-Abonnementen (U-Abo) des TNW sowie von Schweizer Generalabonnementen (GA). Angesichts der vielen Partner dahinter gibt es dafür laut Brodbeck noch viel zu tun. Ideen seien auf dem Tisch, man stehe aber noch nicht in konkreten Verhandlungen.

Grenzefälle Abos

Während das GA nur rund sechs Prozent der TNW-Einnahmen ausmacht, sind U-Abos mit rund zwei Dritteln das Hauptgeschäft. Konkret entfallen laut TNW-Jahresbericht 2016 von 263 Millionen Franken Verkaufseinnahmen 178 Millionen auf Abonnemente. Für GA-Passagiere bekam der TNW gemäss Brodbeck 15 Millionen vergütet.

Für Fahrten von und nach Frankreich ändert die Harmonisierung zwischen TNW und RVL derweil nichts, wie es weiter hiess. Im Elsass fehlt ein vergleichbarer übergeordneter Verkehrsverbund, und so hat sich der TNW mit den Trägergemeinden der grenzüberschreitenden "Distribus"-Linien zusammengetan.

Der Fahrplanwechsel am 10. Dezember bringt innerhalb Basel für die Distribus-Linie ab Schifflände neu einen Streckentarif - bisher darf man damit nur grenzüberschreitend fahren. Damit koordiniert ist der Tarif für das neue 3er-Tram, das dann zwischen Basel und Saint-Louis (F) den Betrieb aufnimmt.

RVL und TNW anerkennen seit 2005 gegenseitig Einzelbillette und Mehrfahrtenkarten bei grenzüberschreitenden Fahrten, indes in einem beschränkten Gebiet. Seit 2010 fahren sie mit französischen Partnern unter dem Label "triregio" mit einer trinationalen Fahrplanauskunft und gemeinsamen Tarifangeboten, insbesondere Monats- und Tageskarten.